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Neuburg

27.03.2015

Kifferkarriere löst sich in Rauch auf

Nach privaten Rückschlägen hat ein 27-jähriger Neuburger begonnen, nicht nur Joints zu rauchen, sondern die Droge auch zu verkaufen.
Bild: dpa

Ein Mann aus Neuburg konsumierte und dealte mit Marihuana. Jetzt will er alles besser machen.

Bis zum Alter von 27 Jahren verlief das Leben des Angeklagten in geregelten Bahnen. Zuerst Abitur, dann ein Studium der Lebensmittelchemie, schließlich sollte das Staatsexamen folgen. Doch daraus wurde nichts. Der Selbstmord eines nahen Angehörigen und die Trennung von seiner damaligen Freundin warfen den jungen Mann aus der Bahn.

Er begann, Marihuana zu konsumieren und die Droge zu verkaufen. Per Telefonüberwachung kam ihm die Polizei auf die Schliche und stellte bei einer Hausdurchsuchung 400 Gramm des Rauschgifts bei ihm fest. Jetzt wurde der Angeklagte vom Amtsgericht Neuburg wegen unerlaubten Besitzes und Handels mit Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Da er keine Vorstrafen hat, geständig war und beteuerte, sein Leben in den Griff bekommen zu wollen, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Das typische Klischee eines langhaarigen, gelangweilten Kiffers verkörperte der Angeklagte nicht, als er den Verhandlungssaal betrat. Schwarzer Mantel, blaues Hemd, Kurzhaarschnitt und ein dezentes Brillengestell – eher Typ Versicherungsvertreter. Umso erstaunlicher, was die Anklageschrift über ihn offenbarte: Im Oktober des vergangenen Jahres fand die Polizei bei der Durchsuchung seiner beiden Wohnungen in Neuburg und München insgesamt 400 Gramm Marihuana und Bargeld in Höhe von 1000 Euro. Das Geld sowie der überwiegende Teil des Rauschgifts lagerte in einem Tresor in der Münchener Wohnung. Daneben fanden die Beamten abgerauchte Jointstummel, eine Feinwaage und Plastiktütchen für den Verkauf.

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Eine Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin in Ulm ergab bei dem beschlagnahmten Marihuana einen THC-Wirkstoffgehalt zwischen sieben und zehn Prozent. „Das liegt deutlich über dem, was man erhält, wenn man nur mal schnell in der Garage etwas anbaut“, gab Richterin Dr. Celina Nappenbach zu bedenken. In Zusammenhang mit der erheblichen Menge von 400 Gramm, was etwa 800 Konsumeinheiten entspricht, „wurde eine nicht ungefährliche Menge in den Verkehr gebracht“, mahnte die Richterin weiter.

Der Beschuldigte räumte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, Marihuana konsumiert und damit gedealt zu haben, ohne Umschweife ein. „Ich habe mein Leben eine Zeit lang weggeschmissen“, sagte er schuldbewusst. Jetzt will er alles besser machen. Seit zwei Jahren hat er eine feste berufliche Anstellung und privat will er für seine neue Freundin – mit der er seit vergangenem Sommer verlobt ist – und deren neunjährigen Sohn da sein. „Ich will in Zukunft ein Vorbild sein“, sagte er. Um dies zu untermauern, begann er freiwillig ein einjähriges Drogenscreening und trägt die Kosten in Höhe von 620 Euro dafür selbst. Er verpflichtet sich, ein Jahr lang immer wieder unvorbereitet Urinproben abzugeben, um sich und dem Gericht zu beweisen, dass er clean ist.

Bei der Urteilsbemessung orientierte sich Richterin Nappenbach mit dem Strafmaß von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung an der unteren Grenze des vorgesehenen Strafrahmes für entsprechende Delikte. Da sich der Angeklagte bei den Hausdurchsuchungen kooperativ zeigte, ein umfassendes Geständnis ablegte, keine Vorstrafen und eine günstige Sozialprognose aufweist, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. „Sie entsprechen nicht dem typischen Dealer mit Vorstrafen und einer jahrelangen Drogenkarriere“, sagte Staatsanwältin Birgit Piechulla. Als pädagogische Maßnahme erlegte ihm das Gericht neben den Prozesskosten dennoch eine Geldstrafe von 1000 Euro auf, die er an die Neuburger Tafel zu leisten hat. „Sie sollen daran erinnert werden, dass das kein Freispruch war“, gab Richterin Nappenbach dem 32-Jährigen zu bedenken.

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