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Justiz

17.04.2015

Schnipp, schnapp – Apfelbaum ab

Ein Mieter nahm sich des verwilderten Gartens an, was den Hauseigentümer erboste. Wie das Gericht urteilte

Ein Apfelbaum, eine Hecke, ein verwilderter Garten, mehr oder weniger wohl meinende Nachbarn und ein gestörtes Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter: Aus dieser Gemengelage ergab sich eine kuriose Situation, in der es gewaltig menschelte und mit der sich gestern das Neuburger Amtsgericht befassen musste. Am Ende kam die Vorsitzende Bettina Mora zu der salomonischen Entscheidung, das Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen. Die Bemühungen, auf juristischem Wege die Wahrheit zu finden, hätte wohl auch der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen geglichen.

Schauplatz der Ereignisse ist ein Zweifamilienhaus in einer Landkreisgemeinde. Zu jeder Partei dieses Hauses gehört ein Gartenanteil. Der vordere Teil der Grünanlage zur unteren, der hintere zur oberen Wohnung. Während jedoch im ersten Stock eine Familie zur Miete lebt, steht das Erdgeschoss seit einiger Zeit leer. Da sich nun keiner mehr um den vorderen Garten kümmerte und auch die Nachbarn schon Anstoß an der knapp vier Meter hoch wuchernden Hecke nahmen, beschloss der Mieter der oberen Wohnung, sich im vorderen Teil als Gärtner zu betätigten. „Da war alles hoffnungslos verwildert“, schilderte sein Verteidiger Bernhard Trögl und zeigte entsprechende Fotos vor. „Das Gartenhaus war zusammengestürzt, überall lagen Äste und Gerümpel herum und der Apfelbaum wucherte in alle Richtungen bis zum Balkon.“

Sein Mandant „wollte was Gutes tun“ und trommelte Bekannte zusammen, die in einer konzertierten Aktion den Dschungel rodeten. Der Apfelbaum fiel der Kettensäge komplett zum Opfer und auch die Hecke büßte einiges an Umfang ein.

Nun können die Meinungen darüber, was „etwas Gutes“ ist, durchaus geteilt sein. Der Vermieter jedenfalls war alles andere als beglückt, als er – alarmiert von einem Nachbarn – seinen einstmals wildromantischen Garten eigenmächtig kultiviert sah. Er ging schnurstracks zur Polizei und erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung. „Der Apfelbaum war gesund und hat gut getragen“, beklagte er im gestrigen Prozess, „und die Hecke ist viel zu radikal geschnitten worden. Jetzt ist sie kaputt und ich muss sie raushauen und komplett neu pflanzen lassen.“

Sein Mieter war zwar zerknirscht darüber, dass der Baum letztlich hatte dran glauben müssen, das sei so nicht beabsichtigt gewesen, sah sich aber doch im Recht: „Ich habe mehrfach versucht, den Eigentümer um Erlaubnis zu fragen, hab ihn nicht auf dem Handy erreicht und meine Briefe an ihn sind auch zurückgekommen. Und irgendwann hat es mir gereicht: Der Garten hat so schlimm ausgesehen.“ Inzwischen haben er und der Haus-Eigentümer im Streit das Mietverhältnis beendet – am 1. Mai ist Auszugstermin.

Das Gericht erkannte die Schwierigkeit des Mieters, sich mit dem Vermieter abzusprechen und stellte das Verfahren aus diesem Grund ein. Nicht allerdings, ohne dem Angeklagten eindringliche Ermahnungen mit auf den Weg zu geben. Der hatte sich nämlich bei der polizeilichen Einvernahme als grob und unkooperativ gezeigt. „Die Polizei macht nur ihre Arbeit“, so sah es Staatsanwältin Susanne Bekk. „Man muss ihr Respekt entgegenbringen, anstatt ihr pampig zu kommen!“

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