Kabarett

19.03.2012

Unverschämt gut!

Er hat sie alle drauf – den Seehofer, den Stoiber und den Beckstein: der brillante Parodist Wolfgang Krebs, der jetzt das Kolpinghaus zum Brüllen brachte.
Bild: Uli Glatz

Parodist Wolfgang Krebs übertrieb schonungslos die Macken der bayerischen Landesväter Stoiber, Beckstein und Seehofer

Neuburg Leinen los und volle Kraft voraus für „Drei Mann in einem Dings“ hieß es am Samstag in Neuburg. Kabarettist Wolfgang Krebs parodierte schonungslos und in bester Übertreibung drei bayerische Landesväter. Mit Süßwasserkapitän Stoiber, Schiffsheizer Beckstein, Smutje Seehofer, Seelentrösterin Waldemarie Wammerl und Schlagerstar Meggy Montana ließ der bekannte Kabarettist mit einem marinesken Bühnenspiel die M.S. Wolfratshausen in die Weiten des politischen Ozeans auslaufen. Mitten drin „die verehrten Pasadenas, Pasadobles, äh Passagiere im Kolpinghaus aus Dings, äh der Donau in Neuburg“. Krebs fand mit seiner Dreifaltigkeit der bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber-Beckstein-Seehofer begeisterten Anklang.

„Wir in Bayern haben die Amigos erfunden. Alles andere ist Plagiat“, empörte sich Seehofer alias Krebs. Und versprach im gleichen Atemzug einen kompromisslosen Zick-Zack-Kurs: „Entweder konsequent oder inkonsequent. Aber nicht dieses ständige Hin und Her. Änderungen sind jederzeit möglich – oder auch nicht.“ Stoiber als „Ehrenspühlfiehrer“ erhob den Zeigefinger und rief erregt mit kreisendem Kopf: „Also wenn sie vom Hauptbahnhof … im Grunde fünf Minuten!“ Die Zuschauer lachten los. „Sie meinen, wie ich verstehe!“ setzte Stoiber/Krebs hinterher – und jeder prustete nun endgültig.

Perfektes Double

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Mit der Energie seines Hometrainers, der thermischen Verwertung der gelesenen Akten und dem von ihm erzeugten Wind in Brüssel käme er beim Dings, äh, also beim Anteil der erneuerbaren Energie sozusagen sofort auf 50 plus x. Die Zuschauer applaudierten frenetisch. Wolfgang Krebs bewies sich als Meister der Parodie, als perfektes Double von Edmund Stoiber, Horst Seehofer und Günther Beckstein.

Sein ausgezeichnetes und nie langweiliges Programm bestand aber nicht nur aus „Politikerköpfen“. Da war zum Beispiel Waldemarie Wammerl, die als ehemalige Starkbierkönigin und Expertin in Liebesdingen mit ihrem Persönlichkeitstraining die beschädigte Beziehungsreling kittete. Schorsch, der Ortsvorsitzende, referierte in einer bayerisch-sympathischen Art, über den Waschbetonkübel Anno 1979 auf dem Dorfplatz. Sehr originell und unverschämt gut gemacht waren auch die Werbespots, die der frühere Marketingexperte Krebs zwischendurch einspielen ließ. Entlarvend, dass es schon fast wehtat, waren diese witzigen Parodien auf Reklameblöcke.

Zum musikalischen Höhepunkt schaukelte der Alleinunterhalter Meggy Montana, ein blonder Schönling mit dem Motto „Fröhlicher Klang aus Nesselwang.“ So mancher konnte sich kaum mehr auf dem Stuhl halten, als der Sänger sein Album „1000 Takte Tinnitus“ pries und den Völker verbindenden Hit „Wenn die Bouzuki spielt am Montepulciano“ zum Besten gab. Ein Evergreen zum Dreiviertelplayback in Hochseestimmung! Das Schlusswort gehörte Kapitän Seehofer: „Danke für den Applaus, ich weiß mich wirklich zu schätzen.“

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