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Justiz

22.01.2015

Vom Vollrausch in den Blutrausch

Ein 35-Jähriger rastet in einer Bar völlig aus und misshandelt einen Gast. Er hat ein schweres Alkoholproblem

Die Akten zur Vorgeschichte des 35-jährigen Ingolstädters standen in zwei großen Kisten neben Richterin Celina Nappenbach. Bei der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht Neuburg war schnell klar, dass es ein langer Tag werden würde, um eine brutale Tat aufzuarbeiten, bei der ein Kneipengast im August vergangenen Jahres in Manching schwer misshandelt wurde. Eine Tat, die sich in den völlig verkorksten Lebenslauf des Angeklagten einreiht. Staatsanwältin Birgit Piechulla beschrieb es so: „Ich bin seit 1999 im Staatsdienst. Den Angeklagten kannte ich schon sehr bald nach Beginn meiner Karriere.“

In jener Augustnacht kam der Ingolstädter gegen 22 Uhr in die Manchinger Kneipe und gesellte sich gleich zu einer Runde von Gästen, die ihn allesamt nicht oder nur vom Sehen kannten. Von Anfang an benahm er sich „machohaft“, „latent aggressiv“ und „unsympathisch“, wie die meisten der insgesamt zwölf Zeugen aussagten. Speziell mit einem Mitglied der Gruppe, einem 43-Jährigen aus Walderstadt, gab es bald ein Wortgefecht. Er gab diesem zu verstehen, dass er dessen Hemd für „total schwul“ halte. Doch zunächst beruhigte sich dann die Situation am Tisch.

Als zwischen 3 und 4 Uhr morgens ein anderer Gast beim Tanzen vom Tisch fiel, kippte die Situation ohne ersichtlichen Grund blitzartig. Der 35-Jährige schlug und trat auf den von ihm zuvor beleidigten Mann ein. Als ein anderer Gast zwischen die beiden Kontrahenten gehen wollte, bekam auch dieser Tritte und Schläge ab. In dessen Polizeiaussage stand: „Der war wie im Blutrausch.“ Wie ein Fallbeil habe er seinen Fuß auf sein Opfer herabsausen lassen, als dieses schon am Boden lag.

Doch es ging noch weiter. Der Schläger ging an die Bar und warf alles, was er in die Finger bekam, wahllos in Richtung des Opfers, darunter Gläser und Flaschen. Selbst als eine Bekannte sich ihm in den Weg stellte, brachte ihn das nicht von seiner Raserei ab. Die Frau bekam eine Flasche ins Gesicht, wurde aber kaum verletzt. Einer anderen Frau warf er einen Stuhl hinterher, als diese das Lokal verlassen wollte, und traf sie am Ellenbogen. Schließlich nahm er einen kleinen Krug und zertrümmerte diesen auf dem Kopf des 43-Jährigen.

An die Vorwürfe konnte sich der Angeklagte laut seiner Aussage nicht erinnern, denn er war sturzbetrunken gewesen. Eine Blutentnahme von den Polizisten, die ihn nach seinem Tobsuchtsanfall festnahmen, ergab 2,23 Promille. Er wolle nichts bestreiten und die Aussagen der Zeugen als die Wahrheit akzeptieren, sagte er im Vorfeld. Er entschuldigte sich bei allen vier Opfern, doch deren Reaktionen waren sehr ablehnend. Die Frau, die eine Flasche ins Gesicht bekommen hatte, fragte ihn: „Hat dir dein Anwalt geraten, dich zu entschuldigen?“. Der 43-Jährige, der Wunden am Rücken, Platzwunden am Kopf sowie eine gebrochene Rippe davongetragen hatte und sechs Wochen krankgeschrieben war, sagte ihm: „Ich nehme deine Entschuldigung nicht an. Dafür hast du mein Leben viel zu sehr durcheinandergebracht.“

Juristisch war die Tat verzwickt. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags ermittelt, dann wegen gefährlicher Körperverletzung. Doch aufgrund der hohen Alkoholisierung wurde der Mann wegen „Vorsätzlichen Vollrausches“ verurteilt. Alkohol und darauf folgende Gewalt haben im Leben des 35-Jährigen eine ständige Rolle gespielt, mehrfach wurde er wegen Körperverletzungen schon zu Haftstrafen verurteilt. Laut Gutachten ist er alkoholsüchtig.

Birgit Piechulla forderte auch deshalb eine harte Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten, Verteidiger Stefan Lucas zwei Jahre und zehn Monate. Alle Parteien waren sich einig, dass der Mann in Therapie muss.

Das Schöffengericht verurteilte ihn zu zwei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe, inklusive einer Suchttherapie. „Ihre Bereitschaft zur Besserung konnten wir sehen“, sagte Nappenbach abschließend.

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