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Natur in Gietlhausen

27.05.2020

Warum der Waldkindergarten „seine“ Kinder vermisst hat

Antje Fries, Daniel Gegenfurtner und der Bearded Collie Filou vor dem Waschhäuschen im Waldkindergarten nördlich von Gietlhausen.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Für Antje Fries und Daniel Gegenfurtner vom Waldkindergarten in Gietlhausen kehrt wieder ein Stück Normalität zurück. Mit ihnen freut sich noch jemand auf die Kinder.

Filou ist in den vergangenen Wochen oft durch den Wald gestreift und hat die Kinder gesucht. Der Bearded Collie ist zwei Jahre alt und kennt den Wald nördlich von Gietlhausen nicht anders als mit Kindern. Nach Wochen der Schließung des Treffpunkts Waldwagen - Waldnest sind die Kinder wieder da. Und nicht nur Filou genießt das wieder gewonnene Stück Normalität. Denn der Rüde ist ein wichtiges aber nur eines von insgesamt fünf Teammitgliedern des Waldkindergartens in Neuburg-Gietlhausen.

Ab dem 16. März war es still im Wald. Wie alle anderen Kindergärten musste auch Antje Fries ihren Waldkindergarten und die dazugehörige Waldkrippe schließen. Erst nach einigen Wochen wurde eine Notfallbetreuung für Kinder erlaubt, deren Eltern systemrelevanter Arbeit nachgehen. Die Vorgaben, so Antje Fries, änderten sich fast täglich.

Seit Montag sind wieder 20 Kindergarten- und zwölf Krippenkindern im Waldkindergarten

Seit Montag nun sind die 20 Kindergartenkinder und die 12 Krippenkinder wieder im Wald bei Gietlhausen. Und obwohl die Regeln und Vorgaben einen ganzen Leitz-Ordner füllen, freut sich nicht nur Hund Filou, dass der Kindergartenbetrieb wieder läuft. „Wir haben wochenlang den Kontakt zu unseren Kindern und zu den Eltern via Mail, Telefonaten und Briefen gehalten.“ Und die Familien hätten den Waldkindergarten bei einem Spaziergang auch besuchen können. „Dabei haben viele Kinder kleine Kunstwerke im Eingangsbereich unseres Geländes hinterlassen.“ Aber dennoch waren wir vor dem Wiederbeginn richtig nervös“, erzählt Antje Fries. Die bange Frage: Werden sich die Kinder vom Waldkindergarten entfremdet haben?

Die Kinder haben sich ein kleines Idyll geschaffen. Kindergarten in freier Natur bedeutet auch viel Platz für jedes Kind.
Bild: Manfred Dittenhofer

Vor allem bei den Kleinsten in der Krippe sei die Befürchtung gewesen, so Fries, dass die Erzieherinnen wieder ganz von vorne anfangen und die Kinder wieder eingewöhnen müssen. Deshalb haben die Mitarbeiter des Waldkindergartens die Eltern bereits im Vorfeld mit allen notwendigen Infos versorgt. „Wir wollten, dass die Kinder vorbereitet in den Kindergarten kommen“ erzählt Daniel Gegenfurtner. Der Sozialpädagoge arbeitet als pädagogische Fachkraft im Waldkindergarten und berichtet, dass die Befürchtung völlig grundlos war. Die Kinder haben ihren Waldkindergarten sofort wieder angenommen.

Die Kindererzieherinnen haben gemerkt, wie sehr sie die Kinder mögen und vermissen

Christine Graßl und Sarah Straubmeier vervollständigen das Team. Straubmeier musste nach einer fünfjährigen Ausbildungzeit gerade ihre Prüfung ohne Kinder ablegen. „Man hat gemerkt, wie sehr wir alle unseren Beruf und die Kinder mögen und vermissen.“ Fries und die anderen Mitarbeiter haben die Zeit des „Lock-downs“ gut genutzt. Weiterbildung, neue Ideen. Nur im Wald haben sie nichts verändert. Das geschehe nur mit den Kindern. Da helfen alle mit und bringen auch ihre Ideen mit.

Die kleinen Kunstwerke haben Kinder während der Schließung bei einem Spaziergang am Eingang hinterlassen.
Bild: Manfred Dittenhofer

Die Wiedereröffnung ist mit strengen Auflagen belegt. Es wird Buch geführt, wer das Kind bringt und wer es abholt. Die Gruppen und die Erzieherinnen werden nicht mehr untereinander ausgetauscht. Die Gruppe arbeitet nur noch intern. Und die Hände werden jetzt sehr oft gewaschen und die Kinder bringen ihre eigenen Handtücher mit. Aber auch bei diesen Themen versuchen die Teams immer einen spielerischen Zugang mit viel Spaß. So wurden Löcher in Flaschendeckel gestanzt, die dann mit Wasser gefüllt zu Handduschen nach dem Händewaschen wurden.

Im Waldkindergarten lässt sich die vorgeschriebene Distanz leichter wahren

Manchmal hat der Waldkindergarten sogar Vorteile. Distanz lässt sich dort besser wahren. Im Wald ist immer Luftzug und jede Menge Platz. Trotzdem. Wenn ein Kind sich weh tut oder Hilfe braucht, könne man oft nicht auf Distanz bleiben. Dann würden auch die Erzieherinnen und der Erzieher Masken tragen. Grundsätzlich freuen sich die Mitarbeiter des Waldkindergartens über die gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und der Stadt Neuburg. Und die Eltern würden auch alle die schwierige Situation stemmen helfen. Dabei weiß Fries sehr wohl, dass mit der Kinderbetreuung momentan auch die eine oder andere Familie gleich mitbetreut wird.

Nun kommen die Pfingstferien. Auch über die Ferien wird der Waldkindergarten für die Kinder da sein. Und bei Bedarf wird auch in den Sommerferien für Betreuung gesorgt sein.

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