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Weichering

18.07.2020

Was unter der Erde von Lichtenau schlummert

An der Windener Straße in Lichtenau entsteht ein neues Baugebiet. Archäologen haben am Freitag die künftige Zufahrtsstraße auf Relikte aus der Vergangenheit untersucht. Zwei Wochen waren die Experten vor Ort. 
Bild: Claudia Stegmann

Plus In dem Weicheringer Ortsteil musste das künftige Baugebiet am Unterfeld archäologisch untersucht werden. Welche Funde zutage kamen.

Vorsichtig schabt der Baggerführer mit der Schaufel die Erdschicht ab. Serge Reich steht daneben und beobachtet mit Argusaugen, ob die freigelegte Erde Relikte aus der Vergangenheit offenlegt – Scherben beispielsweise oder Fundamente, die auf ein Gebäude aus längst vergangenen Tagen hindeuten könnten. Es ist der letzte Tag, an dem die Archäologen des Grabungsbüros Kaut aus Buxheim am Unterfeld in Lichtenau zugange sind. Nur noch die künftige Zufahrtsstraße in das neue Baugebiet muss untersucht werden, dann ist die Arbeit abgeschlossen. Auf der Zielgeraden rechnet Serge Reich aber nicht damit, dass sich noch unerwartet spektakuläre Funde auftun werden.

Man muss als Laie schon genau hinsehen, um den Fund zu entdecken: Die erhabene Stelle vor dem Hammer könnten die Überreste einer Urne sein.
Bild: Claudia Stegmann

Zwei Wochen lang waren die Grabungstechniker in Lichtenau beschäftigt. Die archäologische Untersuchung hatte die Untere Denkmalschutzbehörde angeordnet, weil das Areal rund um das neue Baugebiet eine eingetragene Denkmalfläche ist. Etwa einen halben Meter Erdreich mussten die Experten in Lichtenau abtragen, um an jene Bodenschicht zu gelangen, die in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden nicht durch die Feldarbeit ständig umgewälzt wurde. Dabei haben sie vier Funde gemacht: Nach ersten Schätzungen dürfte es sich nach den Worten von Alexander Hlavatsch vermutlich um die Überreste eines Häusergrundrisses, zwei Urnengräber und eine Abfallgrube handeln. Aus welcher Epoche die Funde stammen, muss erst noch genauer untersucht werden. Ein erster Blick lässt die Bronzezeit vermuten, die den Zeitraum 2200 bis 800 v. Chr. umfasst.

In Lichtenau wurden vermutlich Urnengräber gefunden

„Das ist ein Standardfund“, beurteilt Alexander Hlavatsch die Entdeckungen. Das ist einerseits enttäuschend für die Archäologen, dafür aber eine gute Nachricht für die Gemeinde Weichering. Denn spektakuläre Funde verzögern die Arbeiten und schrauben die Kosten in die Höhe. Einen „niedrigen fünfstelligen Betrag“ muss die Gemeinde in diesem Fall für die Untersuchungen bezahlen. Das Geld wird sie sich später von den Grundstückskäufern wieder zurückholen.

Die Relikte graben die Archäologen aus und nehmen sie mit zur genaueren Datierung. Welche Funde im Laufe der Untersuchungen gemacht werden, halten sie gerne so lange wie möglich für die Öffentlichkeit zurück. „Denn es gibt auch heute noch Grabräuber“, sagt Alexander Hlavatsch.

Seinen persönlich bedeutendsten Fund hat der Grabungstechniker aus Weichering vor zwei Jahren in Baden-Württemberg gemacht. Dort stießen er und seine Kollegen auf insgesamt elf römische Latrinen, also Toilettenanlagen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, in der sich die Menschen einst ungeniert Reih’ an Reih’ erleichterten. Nach Einschätzung der Experten waren die „stillen Örtchen“ nicht gleichzeitig in Betrieb, sondern wurden nacheinander gebaut. Denn die Nutzungsdauer war begrenzt: War eine Latrine voll, wurde in der Nachbarschaft einfach eine neue ausgehoben.

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