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Justiz

25.02.2015

Was, wenn die Therapie scheitert?

In dem Fall des 28-Jährigen, der seiner Lebensgefährtin die Kehle durchschnitt, wird das Landgericht Ingolstadt wohl diesen Freitag ein Urteil sprechen

Auch gestern ging es am Landgericht Ingolstadt wieder sehr detailliert um die Frage, wie es mit dem 28-Jährigen weitergehen könnte, der im Drogenwahn seiner Lebensgefährtin die Kehle durchgeschnitten hatte.

Das Unterbringungsverfahren wegen versuchten Totschlags gegen den Ingolstädter gestaltet sich komplizierter als erwartet, denn die Antwort auf die Frage, wo er besser – in einer Entziehungsanstalt oder im Maßregelvollzug eines psychiatrischen Krankenhauses – untergebracht wäre, scheint dem Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsvizepräsident Jochen Bösl noch nicht ganz schlüssig. Die Fragen, die bleiben, sind letztlich: Was passiert, wenn der Entzug scheitert? Und wie gefährlich wäre der Drogenabhängige dann für die Allgemeinheit? Juristisch muss das Gericht klären, welche der für dieses Verfahren relevanten Maßregeln (Paragrafen 63, 64 im Strafgesetzbuch) in welcher Kombination angeordnet werden, um dem Suchtpatienten auf der Anklagebank die bestmögliche Therapie aber auch – im Fall des Scheiterns einer Drogentherapie – den größtmöglichen Schutz für seine Mitmenschen zu gewährleisten, wenn er wieder Wahnvorstellungen bekommt.

Wie mehrfach berichtet, geht es um einen Vorfall vom Frühjahr vergangenen Jahres. Es war am 10. Mai kurz nach 22 Uhr. Die 37 Jahre alte Lebensgefährtin des Ingolstädters wollte gerade einen Kuchen backen, als sie ihr Freund plötzlich ohne Vorwarnung von hinten im Würgegriff packte und ihr mit einem Küchenmesser die Kehle durchschnitt. Die Klinge verfehlte nur ganz knapp die Halsschlagader, sonst wäre die Frau binnen Minutenfrist verblutet. Sie erlitt eine drei Zentimeter tiefe und neun Zentimeter lange Schnittverletzung am Hals, zudem weitere Stich- und Schnittverletzungen.

Er ist zurzeit im Bezirkskrankenhaus Haar in der geschlossenen Abteilung untergebracht. Zum Prozessauftakt hatte er gestanden: Seit Jahren habe er immer wieder heftige Wahnvorstellungen gehabt. Insbesondere, wenn er Crystal und Cannabis in Kombination eingenommen habe. So auch damals, in den Stunden bevor er zum Messer griff. An dem Tag im Mai, habe er sich in den Gedanken verrannt, dass sie seine Mutter und seinen Bruder umgebracht hätte und nun auch ihm ans Leben wollte.

Staatsanwalt Jürgen Staudt hat die dauerhafte Unterbringung des Ingolstädters in der Psychiatrie gefordert. Verteidiger Adam Ahmed möchte aber erreichen, dass sein Mandant eine Therapie in der Entziehungsanstalt wegen des Drogenkonsums bekommt. Er möchte nicht, dass sein Mandant dauerhaft in der Psychiatrie landet.

Gestern war der forensische Psychiater Christian Graz auf Antrag von Ahmed erneut über Stunden gehört worden. Er hatte bestätigt, dass die Einsicht- und Steuerungsfähigkeit des Drogenabhängigen zur Tatzeit aufgehoben gewesen war. Er betonte erneut, dass die massive „psychotische Episode“ von Ahmeds Mandanten vom hohen Drogenkonsum komme. Zudem habe der Betroffene seit 2010 mindestens vier solcher Anfälle gehabt. Jeder dieser „Aussetzer“ führte zu Wahnvorstellungen und Verfolgungsängsten. Bei dem Scheitern einer Therapie sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Wahnvorstellungen wieder auftauchen könnten, hoch. Medizinisch, so Graz, wären die Voraussetzungen eines Maßregelvollzugs nach  § 63 und 64 gegeben.

Was das Gericht juristisch daraus macht, entscheidet sich aller Voraussicht nach diesen Freitag.

Eine weitere Gutachterin soll zunächst allerdings dahingehend befragt werden, ob eine angemessene Drogentherapie auch in der Psychiatrie möglich wäre. (nr, kuepp)

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