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Historie

17.01.2015

Wenn Häuser Geschichten erzählen

Akribisch hat Ludwig Ried die Besitzer der Häuser, wie hier das Herrle-Anwesen in der Sinninger Straße, aufgelistet. Die Daten reichen mitunter bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück.
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Akribisch hat Ludwig Ried die Besitzer der Häuser, wie hier das Herrle-Anwesen in der Sinninger Straße, aufgelistet. Die Daten reichen mitunter bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück.

Ludwig Ried aus Sinning ist den Biografien von rund 50 Anwesen im alten Ortskern von Oberhausen nachgegangen. Das Buch dazu stellt er am morgigen Sonntag vor

Welche Eigenschaften braucht ein Heimatforscher? Klar: Geduld, Ausdauer und Rechercheeifer. Aber auch Sitzfleisch und das Talent, nicht nur altdeutsche, sondern auch krakelige Schriften lesen zu können, sind unabdingbar. Ludwig Ried kann davon ein Lied singen. Für sein neuestes Buch „ Oberhausen – wie es einst war. Haus- und Familiengeschichten“ saß er ungezählte Stunden in Archiven und musste nicht selten vergilbte Dokumente entziffern, die auf den ersten Blick nur aus undefinierbaren Tintenstrichen bestanden. „Die Pfarrer hatten oft die schlimmsten Klauen“, verrät der Oberhausener Hobbyhistoriker schmunzelnd. Doch wer sich schon so lange wie Ludwig Ried mit der Geschichte seiner Heimat beschäftigt, den schreckt eine unsaubere Handschrift nicht mehr ab.

Das, was der ehemalige Schulleiter auf 348 Seiten zusammengetragen hat, ist das Ergebnis einer fortwährenden, jahrzehntelangen Recherche. In den 1980er Jahren hat er damit begonnen, Informationen über die Generationenfolge der einzelnen Häuser des „alten“ Oberhausens zusammenzutragen. Das „alte“ Oberhausen, das ist der Ortskern, der sich heute entlang der Hauptstraße zwischen dem Rathaus und dem Autohaus Kastl sowie rund um die Kirche erstreckt. Ried hat unter anderem recherchiert, welche Häuser dort standen, wem sie gehörten, wann sie verkauft, versteigert oder vererbt, abgerissen oder neu gebaut wurden. Rund 50 Anwesen hat er untersucht, die damals der Einfachheit halber mit den Hausnummern 1 bis 41 (manche Häuser trugen auch 1/2- und 1/3-Zusätze) durchnummeriert waren. Bis ins 17. Jahrhundert ist er dabei vorgedrungen; die älteste Quelle stammt aus dem Jahr 1652 und damit vier Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges. 5000 Daten sind so über die Jahre und Jahrzehnte zusammengekommen, die Ried nun übersichtlich zusammengefasst hat.

Neben der Biografie eines jeden Anwesens hat Ried aber auch Bilder der Familien und Häuser zusammengetragen. Dazu konnte er allerdings keine Archive durchstöbern, sondern musste von Haus zu Haus gehen und bei den jetzigen Besitzern nachfragen. Üppig war die Ausbeute an alten Fotos nicht, doch Ried ist mit dem, was er dank der Hilfsbereitschaft der Leute bekommen hat, trotzdem zufrieden.

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Weil Oberhausen bis zum Bau der Wifo ein bäuerlich geprägtes Dorf war, hat sich der 78-Jährige im vorderen Teil des Buches auch dem Thema Landwirtschaft gewidmet. Außerdem erfährt der Leser, welche Berufe es einst in Oberhausen gegeben hat.

Obwohl das Buch sehr detailliert ist, geht Ried mit seiner Arbeit selbstkritisch um. „Mir ist bewusst, dass die Geschichten Lücken aufweisen.“ So manches Detail hätte man noch zusätzlich recherchieren können. Doch mit dem 800. Jubiläum der Gemeinde im vergangenen Jahr wollte er einen Schlussstrich ziehen. „Das Buch ist mein Beitrag zum Jubiläumsjahr“, sagt er.

Diese Woche ist es für Ludwig Ried übrigens noch mal richtig spannend geworden. Obwohl er sein Buch am morgigen Sonntag vorstellen will, hatte er bis vor wenigen Tagen noch kein gedrucktes Exemplar vorliegen. Die erlösende Post mit den ersten 100 Exemplaren kam am Mittwoch. Zum Glück blieb dieses Mal allerdings die Überraschung aus, die er mit dem ersten Musterdruck bekommen hatte: Statt der Oberhausener Hausgeschichten lag ein bunter Bilderband mit Fotos aus einem Karibikurlaub im Karton.

Ludwig Ried stellt sein Buch diesen Sonntag, 18. Januar, um 19 Uhr im Saal der Lebensräume vor. Das Buch kann nach der Präsentation erworben werden. Dort findet zuvor ein Bildervortrag von Mini Forster-Hüttlinger über die Veranstaltungen der 800-Jahr-Feier vergangenes Jahr statt.

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