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Neuburg

17.11.2017

Wenn der Notarzt eingeflogen werden muss

Die Regentropfen wirbeln auf, als der Rettungshubschrauber mit dem Notarzt am Montag beim Feuerwehrhaus in Neuburg landet. Das passiert zur Zeit immer häufiger.
Bild: Feuerwehr Neuburg

Wenn der Rettungshubschrauber tagsüber beim Feuerwehrhaus in Neuburg landet, hat er Regel einen Notfallmediziner an Bord. Der wird dann von dort zu seinem Einsatzort gefahren.

Das Verhältnis zueinander ist mittlerweile bestens, sagt Markus Rieß. Der Kommandant der Neuburger Feuerwehr meint das Verhältnis seiner Leute zu den Hubschrauberbesatzungen und Notärzten, die seinem Gefühl nach tagsüber immer häufiger auf dem Vorplatz beim Feuerwehrhaus landen. Erst am Montag hat er auf der Facebook-Seite der Feuerwehr ein Bild von der Landung eines Hubschraubers gepostet. Für die Neuburger Wehr ist es keine Frage, den Notarzt dann schnell dorthin zu fahren, wo er gebraucht wird. „Das machen wir immer gerne. Das wirkt sich ja auch positiv auf unser Image aus“, erzählt Rieß. Aber ins Grübeln kommt er dennoch.

In der vergangenen Woche flog der Rettungshubschrauber zweimal tagsüber ein. Vergangenen Montag schon wieder. Markus Rieß kommt es so vor, als ob der Hubschrauber in immer kürzeren Intervallen kommt. Wann sich daran etwas ändern wird und vermehrt wieder Ärzte aus Neuburg bei einem Notfall in der Stadt oder im Landkreis aktiv werden, kann er nicht sagen.

Erklären können die aktuelle Situation Alexander Hatz und Christoph Bryjak, zwei von drei leitenden Notärzten in Neuburg. Das Trio komplettiert Uwe Haberzettl. Hatz und Bryjak haben andere Zeiten erlebt. Zeiten, in denen es für einen Arzt am Krankenhaus keine Frage war, tagsüber auch Noteinsätze zu fahren. „Das gehörte einfach dazu, wurde vom Chefarzt auf kulante Art gehandhabt, war aber nie offiziell geregelt“, erzählt Bryjak, der seit 25 Jahren die Dienstpläne für die Besetzung der Notarztdienste in Neuburg schreibt. Bis vor gar nicht so langer Zeit sei es kein Problem gewesen, die Listen für jeweils ein Quartal komplett zu füllen. Während die Nachtschichten und Wochenenddienste nach wie vor nahezu komplett abgedeckt werden könnten, würden seit etwa drei Jahren für die Besetzung tagsüber Lücken entstehen. Auch wenn man eine ganze Weile durch persönlichen Einsatz versucht habe, diese zu schließen, so Bryjak, seien sie immer größer geworden.

Als einen Grund dafür nennen die beiden Mediziner, dass das Krankenhaus keine Ärzte mit Notarztausbildung mehr freistellt, um tagsüber Einsätze zu fahren. Ein weiterer betreffe die große Belastung, unter der die Ärzte mittlerweile stehen. Und weil Freizeit immer mehr zur Mangelware wird, gewinne sie zunehmend an Bedeutung. Außerdem machten immer weniger Ärzte die zweijährige Ausbildung zum Notarzt, wissen die beiden erfahrenen Mediziner. Die jungen Kollegen würden sich vielmehr auf eine Facharztausbildung konzentrieren. Die gehe nicht nur schneller, sie sei auch rentabler. „Alle, die den Notarztdienst leisten, machen das als reinen Nebenjob. Aus Neuburg sind das maximal zehn Ärzte“, sagt Bryjak. Dann komme eine große Liste von „Fremdenlegionären“ hinzu, wie er die auswärtigen Notärzte bezeichnet, mit denen der Dienstplan aufgefüllt wird. Das sind dann zum Beispiel die Ärzte aus München oder Ingolstadt, die mit dem Rettungshubschrauber eingeflogen werden, um bei einem Notfall Hilfe zu leisten.

Die sind nach der sicheren Landung und dem Transport durch die Feuerwehr zwar etwas später an ihrem Ziel, allerdings ist der Rettungsdienst mit seinen Notfallsanitätern ohnehin immer als Erster am Ort des Geschehens. „Diese Leute sind professionell ausgebildet und wissen, was zu tun ist“, weiß Alexander Hatz aus Erfahrung. Aber letztlich gehe es natürlich um die medizinisch-ärztliche Versorgung und schlussendlich darum, dem Notarztwesen neues Leben einzuhauchen.

Denn das Problem fehlender Notärzte sei bei weitem kein örtliches. Bayernweit, so Hatz, würden die Lücken in den Dienstplänen für Notärzte immer größer. Für die Besetzung zuständig ist die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). „Doch die Verantwortlichen scheinen die Realität noch nicht erkennen zu wollen“, sagt Hatz. Vielleicht müssten die Bürger auf ihre Krankenkassen zugehen und dort einmal kräftig auf den Tisch hauen, so der leitende Notarzt. Schließlich zahle jeder viel Geld für seine Versorgung und könne dann auch erwarten, dass ein Notarzt vor Ort zur Stelle ist, wenn man ihn braucht.

Was die Lage ändern könnte? Für Christoph Bryjak wäre es tatsächlich vor allem die Einbindung lokaler Krankenhausärzte in den Notarztdienst und grundsätzlich die Pflicht der Ärzte zur Notfallausbildung. Das aber sei ein langwieriger Prozess und keine Entscheidung des jeweiligen Krankenhausträgers alleine, sondern eine der großen Politik.

Durchaus positiv hört sich das an, was Günter Strobl zu dem Thema mitteilen kann. Der Geschäftsführer der Kliniken St. Elisabeth verweist darauf, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bayern erst im Oktober im Krankenhaus angefragt habe, ob Neuburg in Zukunft zu den Ärzten, die bereits jetzt in ihrer Freizeit als Notärzte aktiv sind, weitere für die Rettungsmedizin und für die Notfallversorgung außerhalb des Krankenhauses für den Dienstbetrieb abstellen können. „Derzeit prüfen wir, welche Modelle gemeinsam mit unseren Ärzten realisierbar sind, damit die medizinische Versorgung im Krankenhaus wie im Rettungsdienst dauerhaft gewährleistet werden kann“, teilt Strobl mit. „Wir gehen davon aus, dass weitere Gespräche noch heuer stattfinden werden.“

Bis sich an der Situation etwas ändern wird und tatsächlich wieder mehr Krankenhausärzte tagsüber für den Notarztdienst zur Verfügung stehen, wird Feuerwehrkommandant Markus Rieß aber wohl noch öfter Taxi für die „Fremdenlegionäre“ spielen. Wenn’s dem Image nutzt...

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