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Neuburg

19.09.2019

Wie gut sind Neuburgs Spielplätze?

Der Schanzspielplatz am Ottheinrichturm ist eine beliebte Anlaufstelle bei Familien aus dem gesamten Stadtgebiet.
Bild: Marcel Rother

Plus Über die Spielplätze in Neuburg gehen die Meinungen auseinander. Was Eltern von ihnen halten und was die Stadt dazu sagt.

Es ist Spätsommer und auf dem Spielplatz am Volksfestplatz tummeln sich Kinder mit ihren Müttern und Vätern. Die Sonne scheint, die Luft ist mild, dennoch könnte die Stimmung unter den Eltern besser sein. „Gerade haben wir uns darüber unterhalten, wie schlecht es um den Spielplatz hier bestellt ist“, sagt Irina Brinster. Sie steht mit einigen Müttern an der Schaukel, gemeinsam deuten sie auf eine kahle Stelle am Boden, einige Meter entfernt. „Da stand mal ein Karussell – doch das gibt es schon lange nicht mehr“, sagt sie. Auch die Seilbahn, auf der normalerweise Kinder von einer Seite zur anderen schwingen, ist kaputt. „Am Anfang dachte ich, die klemmt nur, aber sie lässt sich gar nicht mehr bewegen“, sagt die Mutter dreier Kinder mit Bedauern.

Der städtische Pressesprecher Bernhard Mahler hat ad hoc auch keine Erklärung für das Problem. „Das müsse geprüft werden“, sagt er. Es komme aber immer wieder vor, dass einzelne Spielgeräte abgebaut würden. Das liege entweder daran, dass sie nicht mehr funktionstüchtig sind, oder an neuen rechtlichen Vorgaben. Diesen ist unter anderem eine bei Kindern und Eltern beliebte Rutsche auf dem Spielplatz am Englischen Garten zum Opfer gefallen. Sie entsprach nicht mehr den Regularien und musste abgebaut werden. „In der Regel versuchen wir, die Spielgeräte zu ersetzen“, sagt Mahler. Eine Verzögerung könne unter anderem an langen Lieferzeiten liegen. Unabhängig davon sei am Spielplatz am Volksfestplatz jedoch ein neues Spielgerät mit Matten zum Hüpfen installiert worden.

Der Spielplatz am Graben ist innenstadtnah, aber nach Meinung einiger Eltern etwas in die Jahre gekommen.
Bild: Marcel Rother

Eltern sagen: Die Spielplätze in Neuburg könnten besser sein

Ein Vater, der gerade mit seinem Sohn bei diesen Matten spielt, weiß um die Unzulänglichkeiten des Spielplatzes. Neben den defekten Spielgeräten stört er sich vor allem daran, dass der Sand nicht öfter getauscht wird. „Da pinkeln Katzen rein, das ist unhygienisch“, sagt er. Den Sand zu tauschen, sei kein großer Aufwand, meint er. Immerhin sei der Volksfestplatz groß genug zum Fahrradfahrenüben, auch die Tischtennisplatten hebt der Vater lobend hervor. Kein Lob dagegen hat er für den Spielplatz am Graben übrig. „Ich bin dort aufgewachsen, aber da wird ja seit Jahren nichts mehr gemacht“, sagt er enttäuscht.

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Generell würden alle 50 öffentlichen Spielplätze einmal in der Woche von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs einer Sichtkontrolle unterzogen, sagt Mahler. Zudem würden Mitarbeiter der Caritas einmal wöchentlich die Mülltonnen leeren, herumliegenden Unrat einsammeln und Sandkästen und Hackschnitzelbereiche mit einem Rechen in Ordnung bringen. Darüber hinaus prüfe der Bauhof einmal im Monat alle Spielgeräte auf ihre Funktionstüchtigkeit, einmal im Jahr fände eine große Generalinspektion statt, bei der bei Bedarf auch Spielgeräte repariert würden.

Die befreundeten Mütter Veronika Kühnelova und Susanne Gramstadt schieben ihre bald zwei Jahre alten Kinder im Kinderwagen durch den Englischen Garten, auch ihr Ziel ist ein Spielplatz. Sie wohnen in der Nähe, deswegen ist der Spielplatz im Englischen Garten ihre erste Anlaufstelle. Auch wenn er nicht ganz ihren Bedürfnissen entspricht, wie sie erzählen. „Es gibt hier zu wenige Spielmöglichkeiten für kleine Kinder, zum Beispiel etwas Niedriges zum Klettern oder eine Holzburg für Kleinkinder“, sagt Gramstadt. Am Wochenende würden sie ab und zu nach Heinrichsheim fahren, auf dem neuen Spielplatz nahe der Feuerwehr würde es ein Angebot für alle Altersklassen geben. Allerdings wollten und könnten sie nicht immer den weiten Weg auf sich nehmen. Den Schanzspielplatz am Ottheinrichturm loben sie ebenso: „Da haben die Kinder viel Platz zum Spielen und die Bäume spenden ausreichend Schatten“, sagt Kühnelova. Allerdings sei auch dieser Spielplatz für sie im Alltag schwer zu erreichen.

Nicht nur, weil ihn ein Stich juckt, schaut der Sohn von Irina Brinster skeptisch. Auch die Zustände am Spielplatz am Volksfestplatz lassen zu wünschen übrig.
Bild: Marcel Rother

Spielplätze in Neuburg: Eltern können Vorschläge machen

„Wir versuchen natürlich, dass auf jedem Spielplatz für Kinder aller Altersgruppen etwas geboten ist“, sagt Mahler. Allerdings sei das nicht immer möglich. Manchmal würden es die Gegebenheiten nicht zulassen, etwa wenn zu wenig Platz für ausreichend Spielmöglichkeiten vorhanden wäre. Abgesehen davon könne man es nie allen Eltern recht machen, weiß Mahler aus Erfahrung. „Probieren wir etwas Neues und setzen beispielsweise auf natürliche Materialien zum Spielen, fordern alle die Standardausstattung Schaukel, Rutsche und Wippe. Machen wir es andersrum, meckern alle, dass es überall gleich aussieht.“

Die Eintönigkeit ist auch der jungen Mutter Irina Brinster am Spielplatz am Volksfestplatz ein Dorn im Auge. Nicht nur, was die Spielgeräte betrifft, ihrer Meinung nach lässt auch die fehlende farbliche Gestaltung zu wünschen übrig. „Für mich bedeutet Kindheit Farbe“, sagt sie. Darum dürften die Spielplätze bunter sein. Überhaupt habe sie den Eindruck, die Gesellschaft könne kinderfreundlicher sein. Ein Beispiel sei der geplante Spielplatz in Neuburg-West. Dessen Neubau verzögert sich unter anderem, weil sich Anwohner beschwert hatten – auch wegen drohenden Lärms – und die Stadt umplanen musste. Abgesehen davon sei man bei der Stadt stets offen für Anregungen und Wünsche bezüglich der Spielplatzgestaltung. „An jedem Spielplatz steht ein Schild mit einer Telefonnummer, die Bürger wählen können“, sagt Mahler. Auch er als Pressesprecher sei telefonisch, per E-Mail oder via Facebook offen für neue Ideen.

Lesen Sie dazu den Kommentar "Bei Spielplätzen ist Luft nach oben" von Marcel Rother.

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