Für die Mitglieder im Finanzausschuss stand es außer Frage, das 2022 ausgerufene "Jahr der Außengastronomie" heuer fortzusetzen. Einstimmig gaben sie dafür grünes Licht. Das Ziel, das damit verfolgt wird, ist klar. Der Innenstadt soll Leben eingehaucht werden. Mit dem Entgegenkommen, öffentlich genutzten und auch Parkschein betriebenen Parkraum kostengünstig bereitzustellen, kommt die Stadtpolitik diesem Ansinnen entgegen und hofft auf einen nachhaltigen Effekt der Aktion.
Den Anstoß für "das Jahr der Außengastronomie“ hatte Zweiter Bürgermeister Hans Habermeyer gegeben, um den coronageplagten Gastronomen und Händlern damit unter die Arme zu greifen. Städtischen Gastronomen sollte in einem Modellversuch „großzügigst“ die Möglichkeit eingeräumt werden, Außengastronomieangebote einzurichten. Die Stadtverwaltung wurde gebeten, dafür im Rahmen des rechtlich Möglichen auf öffentlichen und privaten Flächen dieses Angebot flexibel und möglichst umfänglich zu genehmigen, hieß es damals. Habermeyer verwies auch auf andere Städte, wo die Erfahrungen zeigten, dass Spaß und Verköstigungen im Freien das innerstädtische Leben und das Einkaufsverhalten deutlich beleben würden. Gerade im Zuge und vor allem nach der Sanierung der Schmid- und Färberstraße wäre dies ein besonderer Anreiz, Akzente zu setzen. Dann könnte sich der Bürgermeister in den beiden Straßenzügen eine großzügige Bestuhlung vorstellen, wo Bürgerinnen und Bürger im Freien sitzen und Essen und Trinken genießen können. Denn dann seien, auch dank versenkbarer Poller, auch die baulichen Voraussetzungen für eine große Außengastronomiefläche gegeben.
Das Cafe Corso nutzte 2022 das Angebot der Außengastronomie und zieht ein positives Fazit
Gerne auf das Angebot eingegangen ist zum Beispiel das Café Corso im Fürstgartencenter, das im Sommer vergangenen Jahres einen Parkplatz in der Färberstraße nutzen durfte, um außen zu bewirten. So etwas zu genehmigen, in dieser zentralen Lage, wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Corso-Chef Mauricio Cuffaro nutzte das Angebot sehr gerne, das dann auch hervorragend angenommen worden sei, wie er sagt. "Leider", so der sympathische junge Familienvater, könnten er und die Kollegen, die in der Färberstraße gerne Außengastronomie betreiben würden, heuer das Angebot nicht nutzen, weil die Straße ab April nach dem Vorbild der Schmidstraße saniert wird. "Aber ich freue mich schon auf nächstes Jahr. Da bin ich auf alle Fälle wieder dabei", verdeutlicht er. Und dann sei sicher auch der kleine Nachteil, nämlich das derzeit noch bestehende Gefälle des Gehwegs zur Fahrbahn hin, behoben, sagt Mauro, wie er von seinen Gästen gerufen wird..
Wenn sich Hans Habermeyer letzten Endes vom Aktionsjahr auch etwas mehr erhofft hatte, wie er in einem Bilanzgespräch gegenüber der Neuburger Rundschau sagte: Er sei insgesamt zufrieden, wenn auch nicht begeistert. Überzeugt von der nachhaltigen Wirkung, stellte er deshalb mit Florian Herold nun den Antrag, das "Jahr der Außengastronomie" unbefristet weiterzuführen..
Neuburger Gastronomen werden die Freiflächen zu "sehr maßvollen Gebühren" angeboten
Oberbürgermeister Bernhard Gmehling sah im Finanzausschuss keinerlei Grund, dem Antrag nicht zu folgen, zumal die Gebühren, die für die Nutzung der Freiflächen erhoben würden, "sehr maßvoll" sind, wie er sagte. Die Sondernutzungsgebühr auf öffentlichem Grund beträgt ohne Inanspruchnahme von Parkplätzen in Kurzparkzonen grundsätzlich zwei Euro pro Quadratmeter und Monat. Wer parkscheinbewirtschaftete Parkplätze nutzt, muss neun Euro pro Quadratmeter und Monat bezahlen. Das sind bei einer Größe von fünf Mal zweieinhalb Meter im Monat 112,50 Euro, von April bis Oktober also eine Summe von 787,50 Euro.
Im Ausschuss gab es für den Antrag breite Zustimmung von den Stadträten. "Jede Belebung tut unserer Innenstadt gut", sagte etwa Klaus Babel. Gabriele Kaps bat in dem Zuge nur darum, dass auf Sauberkeit geachtet wird, gerade bei einer Außengastronomie, die keine Parkplätze nutzt. Und Bernhard Pfahler wies noch darauf hin, dass Gehwege auf jeden Fall frei bleiben müssten und auf dem Donaukai keine weitere Gastronomie betrieben werden darf.
"Neuburg, Stadt der Gastfreundschaft" - Slogan kam bei den Stadträten nicht besonders an
Nicht weiter eingegangen wurde auf den mit dem Antrag einhergehenden Vorschlag von Florian Herold, der Aktion einen neuen Namen zu geben. Der Fraktionsführer der Freien Wähler schlug vor, dem "Jahr der Außengastronomie" und der altmodischen Ansprache "Große Kreisstadt" die attraktive Schlagzeile "Neuburg, Stadt der Gastfreundschaft" folgen zu lassen und diese dementsprechend zu vermarkten. OB Gmehling meinte dazu, dass er den Sinn des Slogans nicht ganz verstehen könne. Denn gastfreundlich sei Neuburg seit jeher, was nicht zuletzt die erfreulichen Übernachtungszahlen belegen würden. "Ich tu’ mich schwer mit diesem Begriff", meinte er. In dem Beschluss, den die Stadträte anschließend einstimmig fassten, wurde dieser dann auch nicht berücksichtigt.