Newsticker
RKI meldet 8103 Neuinfektionen und 96 Tote
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Lokalsport
  4. Fußball hinter Gefängnismauern

Projekt

27.06.2017

Fußball hinter Gefängnismauern

Fußball verbindet: In der JVA Neuburg-Herrenwörth fand am vergangenen Samstag das Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal statt.
Bild: Carsten Kobow

Neun Mannschaften haben in der JVA Herrenwörth am Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal teilgenommen. Um was es sich bei der Resozialisierungsinitiative handelt

Neun Teams mit männlichen Jugendstrafgefangenen aus sieben Bundesländern haben sich in der gastgebenden Justizvollzugsanstalt in Neuburg-Herrenwörth getroffen, um das Fußballturnier um den Sepp-Herberger-Pokal auszuspielen.

Den Siegerpokal überreichten Wolfgang Dremmler, Ex-Nationalspieler und Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung, sowie Carsten Haferbeck, Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium der Justiz. Das Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal ist der alljährliche sportliche Höhepunkt der Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“.

Insgesamt 100 männliche Jugendstrafgefangene im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, die in den teilnehmenden Justizvollzugs- und Jugendstrafanstalten an dem gemeinsamen Programm der Sepp-Herberger-Stiftung und der Bundesagentur für Arbeit teilnehmen und sich in den Kategorien „Fußball“, „Arbeit/Beruf“ und „Soziales“ auf die Zeit nach ihrer Inhaftierung vorbereiten, waren bei der Veranstaltung mit dabei. Das Turnier ist eines der größten Fußballturniere hinter Gefängnismauern in Deutschland. Es wird seit dem Jahr 2008 ausgetragen. Die JSA Berlin ging letztlich als Sieger hervor. Zweiter wurde die JVA Hövelhof.

Mit Wolfgang Dremmler begleitete ein prominenter Gast das Turnier. In einer Gesprächsrunde, an der Dremmler teilnahm, lobte Ministerialrat Carsten Haferbeck: „Die Anstoß-Initiative hat eine besondere Bedeutung für den Jugendstrafvollzug in Bayern. Über den Fußball lernen die Teilnehmer wichtige Werte, wie den Umgang mit Sieg oder Niederlage, Disziplin und Teamfähigkeit. Gerade mit Schiedsrichter-Ausbildungen haben wir sehr gute Erfahrung gemacht.“ Den Stellenwert der Initiative für die Zeit nach der Haftentlassung hob Astrid Kutz von der Bundesagentur für Arbeit hervor: „Wir möchten den Jugendlichen für die Zeit nach ihrer Inhaftierung eine berufliche Perspektive bieten.“

Dremmler berichtete den Jugendstrafgefangenen über seine Zeit als Spieler und seine Arbeit als Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Bayern München. Im Gespräch mit den Jugendlichen informierte sich der 27-fache A-Nationalspieler und Vizeweltmeister über deren aktuelle Lebenssituation und ihre Zukunftspläne. Das Engagement der Sepp-Herberger-Stiftung für die Resozialisierung von Strafgefangenen hat lange Tradition: „Sepp Herberger selbst hat im Jahre 1970 damit begonnen. Ich bin stolz, dass ich sein Vermächtnis mit meinen Besuchen in Haftanstalten fortführen darf“, betonte Dremmler und ermunterte die Jugendlichen: „Nutzt die Chancen, die euch hier geboten werden, für euer künftiges Leben!“

Über einen musikalischen Auftritt konnten sich die Mannschaften am Nachmittag freuen. Jugendstrafgefangene der JSA Schifferstadt „rappten“ ihren „Team-Song“, den sie zuvor im Rahmen eines zweitägigen Musik-Workshops einstudiert hatten. Diese Workshops sind seit diesem Jahr in Kooperation mit der Klangstiftung Bestandteil der Anstoß-Initiative. „Die Ziele der Musik-Workshops, beispielsweise die Förderung von Sozialkompetenzen oder die Stärkung des Selbstbewusstseins, haben viele Parallelen zu den Potenzialen des Fußballs. Fußball und Rap - das passt einfach“, sagt Projektmanager Karsten John von der Klangstiftung.

An der Anstoß-Initiative nehmen aktuell insgesamt 17 Jugendstraf- und Justizvollzugsanstalten aus neun Bundesländern teil. (nr)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren