Reise in die Wildnis

02.03.2013

Abenteuer Lappland

Was die Bopfinger Wirtsleute Borgny und Michael Schieber nahe des Polarkreises erlebten

Bopfingen/Nördlingen Die Bopfinger Wirtsleute Borgny und Michael Schieber sind auch in Nördlingen keine Unbekannten. In diesem Jahr werden sie im Auftrag der Rieser Nachrichten zum dritten Mal beim Stadtmauerfest die Bewirtung des Hofes der Grundschule Mitte übernehmen. Doch bevor sich das sympathische Paar den vielfältigen Aufgaben dieses arbeitsreichen Jahres stellt, nahm es sich eine Auszeit – eine Auszeit von der Zivilisation.

Das Ehepaar verbrachte die Faschingswoche in der Wildnis des schwedischen Winters, in Lappland zwischen Kiruna und Gällivare, nur 150 Kilometer nördlich des Polarkreises im Snowtrail Dogcamp der Schweizerin Lotti Meier. Eine Reise mit vielen Eindrücken und Erfahrungen. „Wenn ich an die unendliche Weite und Ruhe denke, bekomme ich jetzt noch eine Gänsehaut“, erzählt Borgny Schieber.

Die Großmutter war Norwegerin

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Vielleicht liegt das ja an ihren nordischen Wurzeln. Ihre Großmutter väterlicherseits war Norwegerin. Jedenfalls hat sie sich im hohen Norden „total zu Hause gefühlt“, sagt die Bopfingerin.

„Mit einem Schritt bis du raus aus der Zivilisation, und das eine ganze Woche lang“, fasst ihr Mann Michael die Reise für sich zusammen. Raus aus der Zivilisation, ganz auf sich gestellt und auf die erfahrene Gastgeberin, die bereits vor 19 Jahren nach Schweden auswanderte, und natürlich auf deren 86 Huskys im Dogcamp.

Denn Borgny und Michael Schieber erkundeten auf dem Hundeschlitten die nordische Winterlandschaft, bis nahe an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Ausgangspunkt war die gemütliche Lodge an einem einsamen See, inklusive der typisch schwedischen Holzofensauna. „Die Atmosphäre war familiär. Die Verpflegung war ausgesprochen gut, zum Frühstück gab es jeden Morgen frisch gebackenes Brot, ansonsten Elch und Rentier in allen Variationen“, berichten die beiden.

Am ersten Tag wurde ihre elfköpfige Gruppe im Umgang mit den Schlittenhunden eingewiesen. „Wir hatten jeder einen Schlitten mit vier bis sechs Huskys“, erklärt Michael Schieber. „Vor lauter Vorfreude auf das Laufen hat jeder Hund versucht noch lauter zu bellen als sein Nachbar, ein ohrenbetäubender Lärm.“

Doch dann, als die Schneeanker „gelichtet“ wurden und sich die Schlitten in Bewegung setzten, sei es schlagartig still geworden. „Du hörst nur noch das Gleiten der Kufen im Schnee und das leise Hecheln der Hunde“, ergänzt Borgny Schieber. Das Verhalten der Hunde untereinander beschreibt sie als ständigen Machtkampf, ihr Verhalten gegenüber den Menschen als verschmust und anhänglich.

So einen Hundeschlitten selbst zu führen, ist nicht so einfach: Der Schlittenführer steht auf den schmalen Enden der Kufen. Dazwischen gibt es eine Metallplatte, die zum Bremsen mit dem Fuß heruntergedrückt wird. Geht es bergauf, dann muss der Hundeführer schon mal absteigen, schieben und hinterherrennen. Oberstes Gebot auch hier: Nie den Schlitten loslassen.

Am ersten Tag ein Eiertanz

„Am Anfang ist es ein Eiertanz“, sagt die Wirtin, doch sie beide hätten sich schnell daran gewöhnt. Gefahren wurde immer in einer Kolonne von sieben Schlitten. „Überholt wird nicht, alle fahren hintereinander auf dem Trail, die Hunde geben das Tempo vor, der langsamste Schlitten bestimmt das Tempo der Gruppe“, fasst Michael Schieber die wichtigsten Verhaltensregeln zusammen.

Abseits des Trails wäre man bis zur Hüfte im Schnee versunken.

Für die Jahreszeit milde 25 Minusgrade zeigte das Thermometer. Doch die extrem trockene Kälte ließ sich gut aushalten. Drei Tage dauerte die rustikale Schlittentour: „Wir übernachteten in einfachen Waldhütten, schliefen auf Rentierfellen, suchten selbst unser Feuerholz, bohrten Löcher in die Eisdecke der Seen, um an Wasser heranzukommen und tauten die Hütten erst mal auf“, berichtet Borgny Schieber. An Gepäck hatten sie nur das Nötigste dabei, wichtiger war das Futter für die Hunde, denn die 86 Huskys des Camps brauchen pro Monat zweieinhalb Tonnen Futter. Die Hunde schliefen draußen auf Stroh.

Beeindruckend war für beide auch der Besuch bei einem Samen, der sie mit der Tradition und der Kultur der lappischen Ureinwohner vertraut machte. „Außerdem hatten wir richtig Glück, dass wir an zwei klaren Nächten das grüne Polarlicht sehen konnten. Das wirkte schon fast ein wenig gespenstisch.“

Kleine Fluchten aus dem Alltag

Zurück in der Zivilisation, zurück in Bopfingen können sich beide vorstellen, das Abenteuer „Hundeschlittentour“ zu wiederholen.

Bis dahin bleiben ihnen als kleine Fluchten aus dem arbeitsreichen Alltag das Erzählen ihrer Urlaubserinnerungen und das Betrachten der Urlaubsfotos.

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