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Auftritt

03.05.2016

Afrikanische Rieser Ortsnamen und der innere Tscheche

Die vierte Auflage der Offenen Unterhaltungsbühne des Dramatischen Ensembles im Pilsclub in Nördlingen sorgte wieder für Staunen, Gefühl und Spaß. Das Bild zeigt das Rieser Quintett „Shalamazl“.
Bild: Bernhard Hampp/pm

Bei der vierten Offenen Unterhaltungsbühne kommen versteckte Talente mit ganz großer Show um die Ecke

Versteckte Rieser Showtalente und weit angereiste Unterhaltungs-Newcomer: Auch in ihrer vierten Auflage hat die Offene Unterhaltungsbühne Nördlingen im voll besetzen Pilsclub für Staunen, Gefühl und Spaß gesorgt. Das Dramatische Ensemble (DE), Moderator Dominik Herzog und die Gäste präsentierten nun viel Musik, dazu Poesie, Comedy und Magie.

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Für 15 Minuten Rieser Ruhm kamen Aurelia Müller und Max Biundo eigens aus Bad Herrenalb nahe Karlsruhe. Die beiden, die sich „Zartcore-Duo“ nennen, waren über das Internet auf die Offene Nördlinger Bühne aufmerksam geworden. Sie eröffneten den Abend mit selbst geschriebenen, zweistimmigen Liebesliedern zur Gitarre. In ihren launigen, gefühlvollen und treffenden Alltagsbeobachtungen ging es ums Dschungelcamp oder um die „Sehnsucht nach der Ex“.

Poetin Christine Fellner aus Wallerstein erteilte in „Leise rieselt die Menschlichkeit“ dem Publikum gereimt gute Ratschläge. In einem Prosatext sinnierte sie über ihre Rieser Heimat, die Kindererziehung, das Vegetariertum und den trickreichen Weg zur Nichtraucherin.

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„Jetzt verbockt er’s wieder.“ Kurz, bevor beim Publikum das große Fremdschämen einsetzte, weil beim jungen Augsburger Zauberer Max Olbrich schon wieder ein Trick in die Hose gegangen schien, pustete der Meister einmal auf seine Hand, und das Taschentuch wurde zum Schwan, und aus einem Ball wurden zwei. Das Publikum war dem charmanten Illusionisten schon wieder auf den Leim gegangen. Er beherrschte seine Kunst perfekt, schäkerte mit dem Publikum und legte mit seinem hintergründigen Humor eine hinreißende Schau hin. Unfassbar, was dem Magier mit zwei handelsüblichen Zauberwürfeln gelang.

Zeit für Andrea Hoffmann: Die Brandenburger Buchautorin stellte im Gespräch mit Moderator Dominik Herzog ihr neuestes Projekt vor und ließ das Publikum mit Gedanken über ihre jüngste Herzoperation nachdenken und inne halten.

„Shalamazl“ sorgt für bombastische Laune

Von Null gleich wieder auf Hundert? Kein Ding dank „Shalamazl“. Die fünf Rieser Power-Mädels brachten bombastische Laune mit Klezmer, Balkan und Tradimix, mehrstimmig gesungen und auf gefühlt 20 Instrumenten gespielt. Melancholisch bis lustig, verträumt bis deppert: Ruth Herdle, Christa Ludwig, Manu Mannes, Moni Michel und Claudia Täschlein hatten es drauf und die Zuhörer zu hundert Prozent im Sack. Ihre Songs erzählten von der Fränkin Kat, die sich im Ries verliebt oder von der Bulgarin Kate und ihren Verehrern. Ein Zwiefacher klang nach Kirchweih, den Swing-Klassiker „Bei mir bist du schejn“ hatten sie hinterlistig umgedichtet, im afrikanischen Folklore-Sound rezitierten sie Rieser Ortsnamen: „I hear di, i hear di, von Al’re bis nach Eadi.“ Stark!

Dann stieg mit Johannes Mayr aus Kaisheim ein Mann für die ganz großen Gefühle auf die Bühne. Mörderballaden, Countrysongs und verträumte Popstücke trug er mit Ladykiller-Stimme vor und streichelte die Akustikgitarre dazu.

Ganz anders Quetschn-Matador und DE-Schauspieler Marcus Prügel: Er hatte sich diesmal den deutschen Schlager vorgeknöpft. Als legitimer Stellvertreter Karel Gotts auf Erden sang er, wie die „Babitschka hot kennen schimpfen ieber Lecher in den Striempfen“ und ließ in jedem noch so reservierten Zuhörer den inneren Tschechen erwachen. Dann widmete sich der Ziehharmonika-Zar der „Sonja aus Tschernobyl“, ehe er, wieder mit Karel Gott, beteuerte: „Es wird schon weiter gehn.“

Zum Schluss feierte der „Gloe-Chor“ ein Revival. Dominik Herzog hatte gemeinsam mit Christoph Greiner, Thomas Gutmann und Stephan Wittman zuletzt vor 15 Jahren A-cappella-Stücke geträllert. Jetzt taten sie’s wieder. Und wie: „Stand by me“, „In the Still of the Night“, „The Lion Sleeps tonight“ und „Good night, Sweetheart“ gaben sie im groovig-schönen Chorgesang zum Besten, als hätten sie nie etwas anderes getan. (pm)

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