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Nördlingen

09.09.2020

Aktion „Kunst Zei(g)t“: "Wir hatten überwiegend eine super Resonanz"

Dr. Sabine Heilig ist zufrieden mit der Aktion „Kunst zeigt“. Für die Zukunft aber fordert sie, dass die Professionalisierung der Kultur weiter gefasst werden müsse.

Plus Dr. Sabine Heilig spricht im Interview über den Erfolg der Aktion „Kunst Zei(g)t“. Warum sie sich wünscht, dass die Kultur in Nördlingen sich professionalisiert.

Wie ist die Idee zu Kunst zeigt eigentlich zustande gekommen?

Dr. Sabine Heilig: Die grundsätzliche Idee, die mir schon seit Jahren im Kopf herumschwirrt ist, die Kunst braucht Öffentlichkeit. Und jetzt haben wir im ersten Halbjahr 2020 erfahren, wie schnell das alles komplett lahmgelegt sein kann. Und dass es vor allem die trifft, die mit Öffentlichkeit arbeiten. Ob das Kulturveranstalter sind, ob es der Handel ist, aber vor allem bildende Künstler und Musiker. Erst, wenn man das alles nicht mehr hat, wie gerade während des Lockdowns, spürt man, was alles fehlt. Und wie schmerzhaft das ist.

Sie sind ja als Solo-Selbständige selbst - wie natürlich viele andere - persönlich davon betroffen.

Dr. Heilig: Ganz genau. Und deshalb war mein Anliegen: kann man jetzt irgendwann wieder der Kunst Öffentlichkeit geben? Ich bin im Stadtmarketingverein Arbeitskreisleiterin Kultur und habe dann zusammen mit Susanne Vierkorn gesprochen, die sofort die Idee mit der Location hatte.

Sie meinen den jetzigen Projektraum in der Löpsinger Straße?

Dr. Heilig: Ja. Natürlich spielte uns die Pandemie auch in die Hände. Diese ideale Location in 1a Lage stand gerade leer und es traf sich gut, dass uns der Eigentümer diesen Raum für drei Monate - über den gesamten Sommer - gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung gestellt hat.

Und dann hatten Sie einen Raum, den Sie für die Kunst öffnen konnten?

Dr. Heilig: Damit ging das Ganze erst so richtig los. Was für ein Konzept kann man unterbringen? Und meine Idee war, die gesamte Potenz dieser Region zu zeigen. Hier gibt es viel Künstlerinnen und Künstler, es gibt Profis, es gibt Semi-Profis und Hobbykünstler.

Die ersten beiden Gruppen haben ja am meisten unter Corona gelitten.

Dr. Heilig:Die haben ihre festen Kosten, die können keine Ausstellungen machen, nichts verkaufen. Dann kam der Gedanke: dann zeigen wir doch die Vielfalt in einer Art Pop-Up-Galerie: jede Woche eine neue Ausstellung. Jeweils nur fünf Tage, geballt und mit voller kreativer Wucht.

Wie ist das Konzept bisher angekommen und wie haben die Künstler reagiert?

Dr. Heilig: Es haben wirklich alle mitgemacht, ich musste niemand beknien oder betteln. Es haben sich ganz schnell Künstler zusammengefunden, die das gemeinsam machen. Und mir ging es um die Vielfalt, ich wollte „gestandene“ Künstler genauso präsentieren, wie auch - gerade in der jetzigen Ausstellung - auch Studierende, die eben noch nicht „fertig“ sind, deren Weg jetzt erst gerade beginnt. Zeigen, wie fängt man denn an, wie kommt man zu seinem künstlerischen Tun.

Was waren die Erwartungen und inwieweit sind diese eingetroffen oder gar übertroffen worden?

Dr. Heilig: Wir hatten überhaupt keine Erwartungen, wir sind total locker dran gegangen. Nur gedacht: wenn jemand ausstellt, stellt jemand aus, wenn mal eine Woche zu ist, ist eben zu. Wir haben ja alles auf Kante genäht, keine Werbung gemacht, wir konnten keine Flyer drucken. Das war alles spontan und improvisiert. Und die Erwartungen wurden insofern übertroffen, dass es erstens reibungslos geklappt hat, zweitens gab es unglaublich schöne Kombinationen, es hat eigentlich alles wunderbar gepasst. Und alle, die mitgemacht haben - es gibt ja noch drei weitere Termine - sind glücklich mit dem, was hier passiert ist.

Und wie hat das Publikum darauf reagiert?

Dr. Heilig: Wir hatten überwiegend eine super Resonanz. Klar, es gibt Dinge, die nicht jedem gefallen, das ist doch ganz normal. Aber die Idee selber, das Konzept, ist unglaublich gut angekommen.

Hat man einen Überblick, wie viele Besucher da waren? Und waren es „die üblichen Verdächtigen“ oder auch ganz neue Leute?

Dr. Heilig: Das kann ich nicht genau sagen, weil ja niemand die ganze Zeit über vor Ort war. Ich habe nur aus Gesprächen erfahren, dass sich das Publikum aus en passant vorbeigehenden Touristen zusammensetzt, aus vielen Menschen, die hier leben und einkaufen, zum Beispiel beim Wochenmarkt oder auch abends mal ganz ungezwungen hereinschneien. Es war und ist alles total umkompliziert.

Sind auch Exponate verkauft worden, weiß man etwas darüber?

Dr. Heilig: Es sind immer mal wieder rote Punkte aufgetaucht, was natürlich besonders schön ist. Aber es geht ja vor allem darum, Kunst unter die Leute zu bringen, nicht nur optisch und visuell, sondern dass Menschen sich dafür begeistern und auch etwas mit nach Hause nehmen.

Wie wird es weiter gehen? Ist eine Fortsetzung angedacht?

Dr. Heilig: Es gibt ganz viele Anfragen: Wie geht es weiter? Können wir auch ausstellen? Dazu möchte ich sagen, dass ich zunächst denjenigen eine Plattform geben wollte, die das sozusagen professionell gelernt haben. Was nicht heißt, dass ich jemand die Fähigkeit absprechen möchte, Kunst nicht auch ernsthaft betreiben zu können. Es ist keine Wertung in dem Sinne. Es war eine temporäre Aktion und ich finde auch, dass es damit gut ist. Drei Monate, jede Woche eine andere Ausstellung. Veranstalter ist der Stadtmarketingverein „ Nördlingen ist’s wert“, ein Marketingverein und kein Ausstellungsveranstalter, er hat den Fokus auf eine attraktive lebendige Innenstadt, oder Stadt überhaupt. Und da spielt Kultur eine Rolle, aber ich sage ganz bewusst, am Rande. Er kann Dinge begleiten, vielleicht initiieren, aber er kann und will nicht als Kunstvermittler auftreten. Deswegen wollen wir das als einmalige Aktion belassen.

Aber das Interesse daran wäre doch da?

Dr. Heilig: Das ist richtig. Doch auch wenn ich seit Jahren und unermüdlich für die Professionalisierung der Kultur eintrete, das muss weiter gedacht und gefasst werden. Das müssen und sollen andere übernehmen. Damit ist ein Stadtmarketingverein überfordert, auch wenn er mit dieser Aktion der Stadt und der Kulturszene einen großen Dienst erwiesen hat. Dafür möchte ich mich ganz ausdrücklich bei allen Beteiligten bedanken.

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