Nachbarschaftshilfe

05.03.2019

Auf Rädern zum Essen

Friedrich Fischer (links) bringt Anna Bachinger, Brigitte Kovacs, und Kurt Arndt von Wörnitzostheim und Alerheim nach Rudelstetten zum gemeinsamen Mittagessen von „Helfenden Hände Mittleres Ries“.
Bild: Christina Zuber

„Helfende Hände Mittleres Ries“ bringt Senioren aus drei Gemeinden zum geselligen Mittagessen zusammen. Ehrenamtliche Fahrer machen das möglich.

Zum Glück gibt es viele Leute, die anderen gerne helfen. Helfen wollen und helfen können. Wenn eine ältere Dame zum Arzt muss oder Hilfe beim Einkaufen braucht, sind oft Kinder, Schwiegerkinder und Nachbarn zur Stelle, die Fahrdienste anbieten. Oder ein alleinstehender Mann bekommt regelmäßig Besuch und immer wieder ein Stück Kuchen aus der Nachbarschaft – kleine Gesten und Zeit, die Wertschätzung für andere Menschen bedeuten.

Die Gemeinden Wechingen, Alerheim und Deiningen gehen noch einen Schritt weiter und haben diese Nachbarschaftshilfe „institutionalisiert“: Sieglinde Besel aus Grosselfingen ist bei den Gemeinden angestellt und koordiniert die „Nachbarschaftshilfe Helfende Hände Mittleres Ries“. Sie bringt Helfer und Hilfsbedürftige zusammen. „Wir helfen rund um die Person und im Haushalt“, sagt Sieglinde Besel. Wer nicht mehr selber Fenster putzen kann oder mit seinem großen Garten nicht mehr klarkommt, kann um Hilfe bitten. Wer zum Arzt oder zur Apotheke muss, kann nach einem Fahrdienst fragen. Hilfe gibt es auch bei Anträgen und Behördengängen.

Höhepunkt und Herzstück der „Helfenden Hände“ ist aber die Aktion „Auf Rädern zum Essen“. Nicht „Essen auf Rädern“. Jeden Donnerstag kommen 40 bis 50 Senioren zum gemeinsamen Mittagessen nach Rudelstetten in den Rieser Hof. Wer nicht oder nicht mehr selber fahren kann, wird von ehrenamtlichen Helfern abgeholt.

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Einer von ihnen ist Gerhard Hubel aus Holzkirchen. Der Rentner fährt jeden Donnerstag seine Runde, ehrenamtlich und für ein Kilometer-Geld. „Ich bin dankbar, dass es mir gut geht und möchte gerne etwas geben“, sagt er. Auch Friedrich Fischer aus Wörnitzostheim stellt seine Zeit und sein Auto zur Verfügung und nimmt Anna Bachinger, Brigitte Kowacs und Kurt Arndt mit nach Rudelstetten. Die Dankbarkeit der Leute motiviert ihn sehr. „Viele leben tatsächlich von Donnerstag zu Donnerstag“, sagt Fischer.

Anna Bachinger, der man ihre 94 Jahre nicht ansieht, freut sich immer auf diesen festen Termin in der Woche. „Ich komme so gerne unter Leute“, sagt die Wörnitzostheimerin. Seit mehr als 30 Jahren ist sie verwitwet und lebt allein. Auch Kurt Arndt lässt sich Jägerschnitzel mit Spätzle schmecken und unterhält sich mit seinen Tischdamen. Der 88-Jährige ist seit einem Jahr verwitwet und geht auch gern unter Leute. Zuhause versorgt er sich selber. „Waschen, kochen, bügeln sind kein Problem, es dauert halt alles etwas länger, wenn man älter ist“, sagt er.

Brigitte Kovacs aus Alerheim ist froh, dass der Zusammenhalt im Dorf gut funktioniert. Mit ihren 86 Jahren hat sie aufgehört, selbst Auto zu fahren und nimmt das Fahrer-Angebot der „Helfenden Hände“ dankbar an. Adele Martin aus Deiningen sitzt im Rollstuhl. Durch Zufall hat sie vom gemeinsamen Essen in Rudelstetten erfahren und sich gleich angemeldet. Die 73-jährige Witwe hat zwar viel Hilfe von ihren Kindern. Ihre Tochter fährt sie oft zur Krankengymnastik nach Nördlingen. „Aber alle gehen zur Arbeit und ich will ja nicht immer etwas verlangen“, sagt sie. Zur Apotheke in Deiningen fährt sie selbst mit dem E-Rollstuhl, aber für den Weg in den Rieser Hof nimmt sie gerne den Fahr-Service in Anspruch.

Sieglinde Besel freut sich, dass der Mittagstisch ein Erfolg ist. „Der Wirt bietet uns jede Woche ein Essen unter sieben Euro an“, erzählt sie. Auf besonderen Wunsch habe es schon mal Kutteln gegeben, in der Kirchweihwoche einen Hirschbraten und zu Weihnachten Gans. Der gemeinsame Donnerstagmittag sei für viele Senioren ein „Türöffner“. Denn, so beobachtet Besel, viele Leute hätten Hemmungen, nach Hilfe zu fragen und Hilfe anzunehmen. „Viele trauen sich dann beim Essen, nach individueller Hilfe zu fragen“, sagt Koordinatorin Besel. Dann vereinbart sie einen Hausbesuch und vermittelt Helfer. Die Bürgermeister der drei Gemeinden waren auch schon zu Besuch beim Mittagessen. „Dieses Geld investieren wir sehr gern für unsere Senioren“, sagt der Alerheimer Bürgermeister Christoph Schmid.

Infos und Anmeldungen für das gemeinsame Mittagessen (immer am Donnerstag um 12 Uhr im Rieser Hof) bei Sieglinde Besel unter Telefon 09081/24143 oder 0151/10629018

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