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MobilfunkRieser Nachrichten

28.11.2018

Der Kampf gegen die Funklöcher

Zwischen Niederhofen und Oettingen stellt die App keine Probleme fest. In der Praxis sieht es meist anders aus.
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Zwischen Niederhofen und Oettingen stellt die App keine Probleme fest. In der Praxis sieht es meist anders aus.

Die Netzabdeckung im Ries lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig. Die Bundesnetzagentur hat eine App entwickelt, die das ändern soll. Die

Wird im Ries das Handy aus der Tasche gezogen, blinkt einem oft die Nachricht „kein Netz“ entgegen. Die sogenannten weißen Flecken im Mobilfunknetz sollen beseitigt werden. Eine neue Funktion der App „Breitbandmessung“ von der Bundesnetzagentur soll dabei helfen.

Die RN wollten wissen, ob das tatsächlich funktioniert, deshalb haben wir das Programm in der Region getestet. Ist die App heruntergeladen, startet ein Klick auf „Netzverfügbarkeit erfassen“ die Funktion. Daraufhin misst die App regelmäßig, mit welchem Mobilfunkstandard das Handy verbunden ist. Laut der Bundesnetzagentur sind die Messabstände abhängig von der Geschwindigkeit, mit der der Nutzer unterwegs ist. Gemessen werde alle zehn, 25 oder 50 Meter, ob das Gerät mit 2G-, 3G- oder 4G-Technologie verbunden ist.

Auf einer Karte wird die Messreihe bildlich dargestellt. Punkte markieren an den gemessenen Stellen farblich, welcher Mobilfunkstandart empfangen wurde. Lila steht für 4G, dunkelblau für 3G und hellblau für 2G. Sollte das Handy während der Messung in ein Funkloch geraten, merkt sich das Gerät die Daten und übermittelt sie, sobald es wieder Empfang hat. Diese Abschnitte werden dann in einem Türkiston auf der Karte angezeigt. So ist auf einem Blick klar, welcher Weg abgelaufen wurde und wie der Empfang war.

Nach der Messung werden die Daten auf dem Gerät gespeichert und an einen zentralen Server übermittelt. Mit diesen gesammelten Daten soll bis zum Frühjahr 2019 eine Karte erstellt werden, die anzeigt, wo die deutsche Netzabdeckung noch Schwächen aufweist. Das soll dann als Grundlage für Gespräche mit den Netzanbietern dienen.

Den Vertrag gekündigt, weil sie keinen Empfang hatte

An vielen Orten im Ries gehört schlechtes Netz zum Alltag. In Möttingen zeigt die App auf dem Gerät der Rieser Nachrichten zwar durchgehend 4G an, ein Gespräch mit einigen der Anwohner zeigt aber ein anderes Bild. Sie erzählen, dass sie so gut wie kein Netz empfangen. Innerhalb des Hauses sei es extrem schlecht. Sie müssten nach draußen in den Garten gehen, wenn sie telefonieren wollen. Andere erzählen wiederum, dass das Netz zwar nicht besonders gut, aber auch nicht zu schlecht sei. Außerhalb des Ortes würde es dann schwierig werden, Nachrichten über das Internet zu verschicken.

In Deiningen ist die Situation ähnlich. Einige Anwohner meinen, dass weder das D1- noch das D2-Netz sonderlich gut funktionieren würden. So ging es auch Carina Tillmann. Sie hat ihren Vertrag deshalb sogar gekündigt. „Bringt ja nichts, wenn man nie Netz hat“, erklärt sie die Entscheidung. Unser Gerät zeigt in Deiningen trotzdem durchgehend LTE an, wenn auch nur ein bis zwei Balken. Da macht die App keinen Unterschied.

Im Südries sieht das ganze sogar noch schlechter aus. In Ederheim empfängt das Handy mal 3G, 2G oder kein Netz. Die Messergebnisse unterscheiden sich, wenn der gleiche Weg ein zweites Mal gelaufen wird. Auch die Anwohner sind unzufrieden. Ernst Schmidt erzählt, dass er, um mit dem Handy telefonieren zu können, immer in den Garten müsse. Und selbst dann könne es sein, dass er kein Netz hat.

In Christgarten war das Netz am schlechtesten. „Nachrichten können wir eigentlich nur im Haus über W-Lan verschicken“, erzählen zwei Anwohner. „Empfang hat man hier gar nicht. Egal, bei welchem Anbieter man ist.“

Immerhin etwas besser ist die Situation in Amerdingen. Dort schwankt der Empfang zwischen allen Mobilfunkstandards und überhaupt keinem Netz. „Innerhalb des Dorfes ist es miserabel“, sagt Michael Besel. Er sei bei der Telekom und hätte oft keinen Empfang. Seine Tochter nutze O2, aber das sei auch nicht besser. „Oft zeigt das Handy Netz an, aber wenn ich dann versuche zu telefonieren, kommt die Meldung ’Nicht im Netz registriert’“, erzählt er. Manchmal könne man auch noch ein Gespräch entgegen nehmen, aber das bräche nach ein paar Sekunden wieder ab.

Am nördlichen Riesrand gibt es ebenfalls Probleme. Wer beispielsweise in Niederhofen mobil im Internet surfen will, hat schlechte Karten. In der näheren Umgebung finden sich zahlreiche weitere „weiße Flecken“.

Die Aussagen der Anwohner decken sich nicht immer mit den Ergebnissen der App. Hier zeigt sich ein großes Problem der Software. Denn guter Empfang hängt nicht nur vom Netz, sondern auch vom Gerät ab. Zwei Handys, die vom selben Anbieter versorgt werden, können an der selben Stelle unterschiedlichen Empfang haben. Das stelle natürlich ein großes Fehlerpotenzial für die Messungen der App und die damit gesammelten Daten dar, sagt der Pressesprecher der Bundesnetzagentur, Michael Reifenberg. Solche Messabweichungen könnten in gewissem Umfang aber durch eine hohe Anzahl an Messungen ausgeglichen werden.

Außerdem kam es bei unseren Testversuchen vor, dass die App anzeigte, 4G zu empfangen, bei dem Handy jedoch eigentlich kein Netz ankam. Die App schien die Funklöcher außerdem nicht immer zu registrieren. Statt die Daten zu übertragen, sobald wieder Empfang da war, wurden später einfach Lücken in der Messreihe angezeigt. Auch dadurch wird das Endergebnis der Messung beeinflusst. In der App können durchaus noch Fehler auftreten, sagt Pressesprecher Michael Reifenberg. Er versichert, dass daran gearbeitet werde, diese zu beheben.

Die App „Breitbandmessung“ der Bundesnetzagentur kann auf allen gängigen Plattformen für Android- und Apple-Smartphones heruntergeladen werden.

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