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Natur

27.02.2015

Der Zaun bleibt, der Ärger auch

Im Landkreis Ansbach musste der Elektrozaun um den Oettinger Forst beseitigt werden. Im Landkreis Donau–Ries darf er bleiben.

Seit Jahren tobt um den Wildschutzzaun im Oettinger Forst ein Streit. Nun hat das Landratsamt entschieden, dass er nicht entfernt werden muss. Vorbei ist die Sache damit nicht

Der Zaun bleibt also. Seit gut sechs Jahren steht der umstrittene Wildschutzzaun im Oettinger Forst, seit gut sechs Jahren gibt es deswegen Streit zwischen Naturschützern auf der einen und Waldbesitzer Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg sowie der „Fürst zu Oettingen-Spielberg‘schen Verwaltung“ auf der anderen Seite.

Nun hat das Landratsamt Donau-Ries entschieden: Der Zaun, so heißt es in einer Pressemitteilung, werde nicht beseitigt, der Antrag eines Bürgers, der das gefordert und sich dabei auf sein Grundrecht auf freien Naturgenuss berufen hatte, sei abgelehnt worden. Ein Grund sei der Schutz der Landwirte, die hohe Schäden durch Wildschweine befürchten. Der Zaun soll das Schwarzwild davon abhalten, die Felder der Bauern zu zerstören. Ein weiterer Grund sei die Zusicherung der Verwaltung zu Oettingen-Spielberg, den Zaun für Spaziergänger und Wanderer so durchlässig wie möglich zu gestalten.

Für Christian Wippermann, Domänendirektor der Fürst von Oettingen-Spielberg’schen Verwaltung, ist die Entscheidung des Landratsamtes eine gute Nachricht. Der Zaun, argumentiert Wippermann, biete Menschen ausreichend Gelegenheit, den Wald zu betreten, etwa alle 100 bis 200 Meter gebe es Durchlässe. Es könne keine Rede davon sein, dass der Zugang zur Natur nicht gewährleistet sei. Und außerdem erfülle der Zaun seinen Zweck hervorragend. „Wir haben von Jahr zu Jahr deutlich geringere Wildschäden, und die Bauern sind zufrieden.“ Der Zaun halte die Wildschweine auf, weitere Auswirkungen auf Flora und Fauna habe er nicht. „Alle anderen Säugetiere haben damit kein Problem. Die Rehe springen drüber, die Füchse kommen durch.“

Nicht alle sind von der Entscheidung des Landratsamtes begeistert. Da ist Friedrich Bittner, ein Jäger aus Oettingen, dessen Revier an den Zaun grenzt. „Der Fürst kann dadurch natürlich seinen Wildschweinbestand erhöhen“, sagt er. Bittner bezweifelt, dass der Zaun seinen eigentlichen Zweck erfüllt. „Die Wildschäden haben sich in Wirklichkeit nicht verringert.“

Und da ist vor allem Jürgen Schittenhelm vom Bund Naturschutz in Oettingen. Schittenhelm hatte beim Landratsamt den Antrag gestellt, den Zaun zu beseitigen, er bezeichnet ihn als „rechtswidrig“. Nicht nur das freie Betretungsrecht zur Natur sei eingeschränkt, der Zaun sei auch für die Tiere problematisch, etwa für Rehkitze, die sich nicht mehr frei bewegen könnten. Schon als der Zaun errichtet wurde, habe er beim Landratsamt gefordert, dass er zurückgebaut werde. „Wir wurden immer vertröstet“, sagt Schittenhelm. „Es hieß, wenn die Entscheidung in Ansbach gefallen ist, würde man sich danach richten.“

Dort hatten die Behörden angeordnet, dass der Elektrozaun um den Oettinger Forst im Süden Mittelfrankens abmontiert werden muss. Das Landratsamt Donau-Ries geht nun einen anderen Weg. Landrat Stefan Rößle verweist auf einen „kleinen Ermessensspielraum“, den das Landratsamt im Interesse des Eigentümers und der Landwirte ausgeschöpft habe. Es sei zwar nicht abschließend geklärt, ob es sich bei dem Elektrozaun um eine sogenannte unzulässige Sperre handelt, heißt es aus dem Landratsamt. Aber selbst wenn man das unterstelle, hätten Behörden in Ausnahmefällen das Recht, eine solche unzulässige Sperre befristet zu dulden. Von diesem Ermessen habe das Landratsamt Gebrauch gemacht.

Der Zaun bleibt also. Zumindest vorerst. Denn Landrat Rößle sagt, dass es sich um eine „Übergangslösung“ handele, bis das Wildschweinproblem durch Maßnahmen der Jagd- und Forstwirtschaft gelöst werden kann. Wonach es freilich in absehbarer Zeit nicht aussieht. Und Schittenhelm vom Bund Naturschutz sagt, er überlege, wie es nun weitergehe.

Möglicherweise, sagt er, werde er gegen die Entscheidung des Landratsamtes klagen.

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