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Nördlingen

25.05.2019

Die Anfänge des Bayerischen Eisenbahnmuseums

Gerhard Böck gefällt es auf Dampfloks am besten – vor allem, wenn es noch Sanierungsbedarf gibt.
Bild: Sammlung Bayerisches Eisenbahnmuseum

Der Verein feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Gegründet wurde er in München, ein Mitglied der ersten Stunde war Gerhard Böck.

Der Verein Bayerisches Eisenbahnmuseum feiert vom 30. Mai bis 2. Juni mit den Rieser Dampftagen sein 50-jähriges Bestehen. Gerhard Böck ist das einzige noch aktive Gründungsmitglied und arbeitet seit 1985 jeden Monat im Nördlinger Museum mit. Der 71-Jährige kam auf klassische Weise zur Eisenbahn-Begeisterung, nämlich über die Modelleisenbahn des Vaters. Nicht weniger faszinierten ihn die Bilder und Beschreibungen von Original-Loks in der dazu gehörigen Zeitschrift „Miniaturbahn“.

Als Gymnasiast in München las er die Zeitschrift „DB mit Pfiff“, glich die Informationen dort ab, indem er auf dem Bahnhof Lok- und Zugnummern aufschrieb und ein Archiv anlegte – der Schritt in die wahre Bahn-Welt war vollzogen. Er traf dort viele gleichgesinnte Jugendliche und infizierte diese erst richtig mit dem Bahn-Virus. Zwölf von ihnen überredete er 1969 zur Gründung des „Pfiff-Clubs“, der Vorstufe des Museumsvereins.

Zunächst legten sie ein Archiv an

Am 15. Juni gründeten sie den Club, legten zunächst ein Archiv mit Fotos und Tonbandaufnahmen an. „Damals war mir klar, dass die Dampfeisenbahn immer mehr nur noch in Momentaufnahmen existierte“, so Böck, „es fand ein spürbarer Strukturwandel statt.“ Acht Jahre später wurde die letzte westdeutsche Dampflok stillgelegt. Noch im Gründungsjahr des Vereins wurde der Traum wahr, eine echte Dampflok vor dem Verschrotten zu retten: Gerhard Böck äußerte sich sehr emotional über den schlechten Zustand einer S 3/6-Lok, die als Denkmal in München-Allach stand. Der Pressesprecher von Krauss-Maffei bekam das mit und bot dem Pfiff-Club an: „Richtet die Lok her, wir übernehmen alle Kosten.“

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So begann die wahre Museumstätigkeit, die Begeisterung bei 200 Arbeitseinsätzen war groß und hatte enorme Magnetwirkung – bis heute wuchs das erste Dutzend Mitglieder auf 600 an, davon 50 Aktive. Ende 1973 trat Gerhard Böck als Vereinsvorstand zurück, Ekkehard Böhnlein folgte ihm nach und hat das Amt bis auf den heutigen Tag inne. Böck trat sein Studium an, zudem arbeitete er bereits seit 1971 als Heizer auf Dampfzügen – unter anderem auf Güterzügen für die Olympiade 1972, später in ganz Deutschland. „Das war ein schöner Dienst, die Lokführer waren unkompliziert, die Loks liefen gut.“ Nur einmal wurde es abenteuerlich: Beide Wasserpumpen fielen gleichzeitig aus, es drohte eine Kesselexplosion. Doch die Mannschaft konnte das Feuer rechtzeitig heraus reißen und eine Überhitzung vermeiden.

Derzeit hilft Böck, eine alte Lok herzurichten

Gerhard Böck wurde Lehrer am Apian-Gymnasium in Ingolstadt, seine Begeisterungsfähigkeit jungen Leuten gegenüber war ungebrochen. So entstand 1984 das Wahlfach „Eisenbahnkabinett“, in dem ein kleines Museum aufgebaut und betrieben wurde; bis heute ist es zweimal in der Woche zugänglich. Nördlingens Dampf-Zeit erwachte 1985 zu neuem Leben, als das Bahnbetriebswerk still gelegt wurde. Da der Verein gerade einen größeren und repräsentativeren Ausstellungsort suchte, mietete er die idealen Räumlichkeiten und lief mit einer Lok-Parade dort ein.

Seitdem kommt Gerhard Böck mindestens an einem Wochenende im Monat ins Eisenbahnmuseum nach Nördlingen, übernahm anfangs noch Heizerdienste, besetzt die Kasse oder arbeitet an Restaurationen. Zur Zeit hilft er mit, eine Kriegslok aus dem Jahr 1943 herzurichten und bei einem Modell 50/955 Kessel und Fahrgestell zusammen zu fügen. Natürlich ist er auch an den Dampftagen mit Hochdruck beteiligt.

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