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Soziales

26.05.2015

Die Kinder von der Straße holen

Der Neubau zum Jugendzentrum in Oettingen wurde im Oktober 2009 eröffnet. Nun entsteht dort ein neues Angebot für Jugendliche.

In Oettingen soll es zukünftig ein spezielles Angebot für Jugendliche geben. Warum es anders sein soll als die Ganztagsbetreuung an der Mittelschule

Ob 13000 Euro viel Geld sind, hängt vom Blickwinkel ab. Für einen Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Jahreseinkommen sind 13000 Euro fraglos viel Geld, für eine Stadt mit millionenschwerem Haushalt eher nicht. Oettingen ist so eine Stadt mit millionenschwerem Haushalt und plant für 2015 unter anderem, 20000 Euro für den Ausbau und die Instandsetzung von Feldwegen im Stadtteil Lehmingen auszugeben, außerdem 7000 Euro für eine neue Homepage. Kleinigkeiten, wie auch die angesprochenen 13000 Euro, die dafür gedacht sind, die Jugendarbeit in der Stadt zu stärken und jetzt trotz des eher geringen Betrages eine lebhafte Debatte im Stadtrat auslösten.

Kommen sich zwei Angebote für Mittelschüler in die Quere?

Konkret geht es um eine neue Stelle im Jugendzentrum. Eine Sozialarbeiterin soll an Nachmittagen insgesamt zehn Stunden in der Woche Jugendliche betreuen, wenn deren Schultag an der örtlichen Mittelschule beendet ist. Sinnvoll angelegtes Geld – oder nicht? Dazu gingen die Meinungen in der jüngsten Sitzung des Stadtrates gehörig auseinander. Bürgermeisterin Petra Wagner ( CSU/FWG) erklärte, man wolle im Herbst mit dem Angebot starten und es zunächst einmal auf zwei Jahre befristen, um zu schauen, wie es angenommen werde. Zwar ist auch angedacht, die Ganztagsbetreuung an der Mittelschule auszubauen. Doch das Projekt am Jugendzentrum sei bewusst außerhalb des schulischen Umfeldes angesiedelt. Es gehe darum, Kindern eine Struktur zu vermitteln, die das speziell benötigten; es gehe darum, ihnen eine gewisse Lebensfähigkeit beizubringen.

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Stadtrat Rudolf Oesterle von der Fraktion Parteifreie Wählergruppe Oettingen (PWG) sah die Gefahr, dass sich die Betreuungsgruppen aufteilen: die klugen Kinder in der Mittelschule, die weniger klugen im neuen Projekt im Jugendzentrum. Auch Ludwig Däubler von der Aktiven Bürgerliste (ABL) äußerte Bedenken. „Warum braucht es zwei Betreuungsangebote für Mittelschulkinder?“

Sozialarbeiter sind derzeit begehrt

Vor allem Fabian Schäff (CSU/PWG) plädierte hingegen vehement für das neue Projekt. Dieses solle ja keine Konkurrenz zu einem etwaigen Betreuungsangebot an der Mittelschule sein, sagte er. Es gehe nicht um Hausaufgabenbetreuung, sondern darum, Kindern eine gewisse Struktur zu vermitteln. Das Geld sei gut angelegt, zumal es noch eine Förderung dazu gebe, es also nicht einmal 13000 Euro Kosten für Oettingen würden. „Übertrieben gesagt: Wenn man es schafft, auch nur ein Kind von der Straße zu holen, hat sich die Sache schon rentiert“, sagte Schäff. Unterstützung erhielt er von der SPD-Fraktion, auch wenn Stadträtin Annemarie Leigart befürchtete, es könne schwierig werden, jemanden zu finden, der die neue Stelle übernehmen wolle. Schließlich seien Sozialarbeiter derzeit begehrt, etwa zur Betreuung von Asylbewerbern. Am Ende beschlossen die Mitglieder des Stadtrates mit drei Gegenstimmen, die neue Stelle zu schaffen. (jaka)

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