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Verkehr

24.07.2020

Droht Nördlingen ein Bahndebakel?

Ende 2022 will das Verkehrsunternehmen Go-Ahead Bayern die Riesbahn zwischen Aalen und Donauwörth übernehmen und somit den Fugger-Express der Deutschen Bahn ablösen.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa

Plus Die künftige Betreiberfirma der Bahnlinie Donauwörth-Aalen hat keinen guten Ruf. Der Bopfinger Bürgermeister ist besorgt und will Nördlingen sensibilisieren.

Ende 2022 will das Verkehrsunternehmen Go-Ahead Bayern die Riesbahn zwischen Aalen und Donauwörth übernehmen und somit den Fugger-Express der Deutschen Bahn ablösen. Der Wechsel bereitet Bopfingens Bürgermeister Gunter Bühler allerdings einige Sorgen.

Nachdem sich Go-Ahead Baden-Württemberg 2019 unter anderem das Stuttgarter Netz und die Remsbahn einverleibt hatte, war es zu massiven Problemen auf den Strecken gekommen. Damit sich diese auf der Riesbahn nicht wiederholen, hat Bühler Winfried Karg, Pressesprecher von Go-Ahead Bayern, zum Austausch gebeten, um über Bedenken und Wünsche zu sprechen.

Verspätungen, Zugausfälle, überfüllte Züge, mangelndes Beschwerdemanagement – Go-Ahead musste nach seinem Start in Baden-Württemberg zahlreiche Kritik einstecken. Auf der Riesbahn müsse man ähnliche Probleme befürchten, wolle aber alles dafür tun, damit es nicht dazu komme, berichtet Gunter Bühler.

Bopfinger Bürgermeister legt Katalog von Fragen und Unklarheiten vor

Der Katalog von Fragen und Unklarheiten, den der Bürgermeister auch dem Sprecher von Go-Ahead vorlegte, ist lang. Ein großes Problem ist die Personalgewinnung. Laut Bühler wollten nur wenige Lokführer und Zugbegleiter ihren Arbeitsplatz wechseln und blieben lieber bei der Deutschen Bahn angestellt, da sie dort tariflich besser gestellt seien. Der Bürgermeister befürchtet, das Unternehmen verfüge beim Start nicht über genügend Mitarbeiter, um die Strecke in vollem Umfang zu bedienen.

Problematisch sieht das Stadtoberhaupt auch die Beschaffenheit der Go-Ahead-Züge. Diese seien zwar modern, besäßen aber Einstiegskanten von etwa 76 Zentimetern. Das könnte vor allem am Bopfinger Bahnhof zum Problem werden, da einer der Bahnsteige eine Höhe von gerade mal 20 Zentimetern besitzt und dazu auch noch schräg abfällt. Die Zuständigkeit liegt in diesem Fall allerdings nicht direkt bei Go-Ahead, sondern bei der Bahn.

Dennoch müsse das Problem laut Bühler behoben werden, da sonst vor allem alte und gehbehinderte Menschen in Bopfingen weder aus- noch einsteigen könnten. Bauzeiten im Bahnverkehr würden nicht nur ein Vierteljahr betragen, daher müsse man jetzt aktiv werden, so Bühler weiter, der ankündigt, dass sämtliche auf der Strecke liegende Bahnsteige überprüft werden. Diskussionsbedarf gibt es auch beim Thema Tarife. Gunter Bühler wünscht sich hier eine einheitliche Regelung – also ein Ticketsystem, das für Bayern und Baden-Württemberg gleichermaßen gilt.

Derzeit ist es zwar möglich, mit einem Bayern-Ticket beispielsweise von Nördlingen nach Aalen zu fahren, allerdings nicht umgekehrt. Um eine Regelung zu finden, sieht der Bürgermeister neben Go-Ahead auch die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg in der Verantwortung, um eine befriedigende Lösung zu finden. Bühler hofft, dass die Servicegesellschaft des Verkehrsministeriums in Zukunft enger mit der Bahn sowie Go-Ahead zusammenarbeitet.

Außerdem müsse die Kommunikation und das Beschwerdemanagement von Go-Ahead verbessert werden, findet der Bopfinger Bürgermeister. Er wolle, dass die Firma seine Anmerkungen ernst nehme. „Die Region erwartet eine andere Leistung als bisher in Baden-Württemberg“, fordert Bühler, dessen Wunsch es auch ist, dass sich Go-Ahead Gedanken über eine Durchbindung von München nach Stuttgart macht. „Das wäre klasse“, sagt er.

Anregungen und Wünsche sollen mitgenommen werden

Nach Aussage des Bürgermeisters hat Winfried Karg versprochen, sämtliche Anregungen und Wünsche mitzunehmen. Zudem wolle Karg Kontakt zu den Kollegen von Go-Ahead Baden-Württemberg aufnehmen. „Wir möchten einen intensiven Austausch und hoffen, dass es solche Probleme auf bayerischer Seite nicht geben wird.“

Um klarzustellen, dass der Betreiberwechsel die gesamte Region bewegt, hatte der Bopfinger Verwaltungschef Bürgermeister und Repräsentanten sämtlicher auf baden-württembergischer Seite an der Strecke liegenden Gemeinden und Städte zum Austausch mit Winfried Karg eingeladen. Auch die dritte Bürgermeisterin der Stadt Nördlingen, Gudrun Gebert-Löfflad, war dabei. Er habe Nördlingen für die Themen sensibilisieren wollen, da man dort die Probleme mit Go-Ahead in Baden-Württemberg nicht hautnah mitbekommen hätte, sagt Gunter Bühler. Man wolle nun grenzüberschreitend zusammenarbeiten.

An dem Treffen nahmen auch die Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier (SPD) und Margit Stumpp (Grüne) sowie der Landtagsabgeordnete Winfried Mack (CDU) teil. Besonders Mack hatte Go-Ahead in der Vergangenheit häufig und harsch kritisiert.

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