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Nördlingen

16.03.2021

E-Autos und Varta: Was bedeutet das für den Standort Nördlingen?

Varta produziert am Standort in Nördlingen Lithium-Ionen-Batterien. Die kleinen Knopfzellen sind unter anderem in kabellosen Kopfhörern eingebaut. Das Bild entstand bei der Grundsteinlegung der neuen Nördlinger Betriebsstätte während einer Werksführung.
Foto: Jochen Aumann

Plus Seit Dienstag ist es amtlich: Der schwäbische Batterie-Hersteller Varta will Batterien für Elektroautos produzieren. Auch der Standort Nördlingen ist dafür interessant.

Varta will ab Ende des Jahres in Ellwangen Batterien für Elektro-Autos produzieren. Damit taucht die Aktiengesellschaft in ein Segment ein, für das sie jahrelang den Weg geebnet hat. Branchenexperten gehen auch davon aus, dass Nördlingen Produktionsstandort für die „V4Drive“ werden könnte. Was sagt Varta zu den konkreten Plänen?

Zunächst gibt das Unternehmen nur wenige Informationen bekannt. Vielmehr reagiert es auf monatelange Spekulationen, ob und wann sie in die Produktion von Batterien für E-Autos einsteigt. Bereits gegenüber unserer Redaktion sagte Varta-Vorstandsvorsitzender Herbert Schein im Juni 2020: „Für die Elektromobilität sind Ladezeiten, Energie sowie vor allem die Langlebigkeit der Batteriezellen entscheidend. Aufgrund dessen ist unsere Technologie auch für die Automobilindustrie sehr interessant.“ Damals schien also klar zu sein, dass die Lithium-Ionen-Batterien Potenzial für einen Markt der Zukunft hätten. Offiziell bestätigt wurden konkrete Nachfragen aber nicht.

Sukzessive hat das Unternehmen die Energiedichte in den kleinen Knopfzellen erhöht, die in Nördlingen und Ellwangen produziert und mitunter in kabellosen Kopfhörern von Apple verbaut werden. Schein hatte angekündigt, dass Varta diese Akkus auch größer herstellen könnte. So viel ließ der Rieser bis dahin durchblicken: „Die großformatigen Zellen werden zunächst in Varta-Energiespeichern, aber auch in Robotern und fahrerlosen Transportsystemen eingesetzt.“

Varta-Batterie V4Drive für Elektro-Autos

Der stellvertretende Direktor des Ulmer Helmholtz-Instituts, Professor Maximilian Fichtner, wurde schließlich vor wenigen Tagen in einem Artikel in der FAZ über die aktuelle Forschung zu Batterien für Elektro-Autos konkret. Er schrieb: „Derzeit sind zudem neue Entwicklungen in Arbeit, die sehr vielversprechend klingen, weil sie weitere Leistungssteigerungen versprechen. So baut beispielsweise das Unternehmen Varta gerade ein neues Werk zur Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos auf, in denen ein neuer Anodentyp verbaut werden soll. In den neuen Anoden ist dem Graphit noch ein Anteil Silizium beigemischt, der je nach Menge eine Kapazitätserhöhung von mehreren 10 Prozent bewirken kann, Varta zielt auf 50 Prozent ab. Damit wären dann auch Reichweiten von 800 bis 1000 Kilometer ohne Probleme erreichbar. Ähnliche Entwicklungen laufen auch in China und Amerika und an anderen Stellen in Europa.“

Varta will Batterien für Elektroautos produzieren – auch in Nördlingen?

Auf eine Nachfrage sagt Fichtner im RN-Gespräch, dass Nördlingen als Produktionsstandort für E-Auto-Batterien eine logische Konsequenz sei. So schildert auch er, dass Varta angekündigt habe, im Bereich größerer Zellen tätig zu werden. Auch die Förderung des Bundes in Höhe von 100 Millionen Euro für die Batterie-Forschung am Standort Nördlingen würde dafür sprechen. Fichtner forscht unter anderem an den Batterien der Zukunft, auch im Bereich der E-Mobilität. Varta sei es gelungen, die Energiedichte in den Batterien immer wieder zu erhöhen. „Angenommen, es sind nur 20 bis 30 Prozent Steigerung, dann ist das schon ein Riesenschritt“, sagt er. Dass die Produktionsflächen in Nördlingen nur für Knopfzellen oder fahrerlose Systeme hergenommen werden, hält er für unwahrscheinlich.

Ein Bericht der Wirtschaftswoche über die neue Batterie bringt schließlich auch Varta dazu, am Dienstag eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Die neue Zelle im Format 21700 mit dem Namen „V4Drive“ soll zum Ende dieses Jahres am Stammsitz des Konzerns in Ellwangen auf einer Pilotlinie produziert werden, heißt es darin. Sie könnte bei neuen und optimierten Antriebskonzepten zum Einsatz kommen, zunächst bei Premium-Fahrzeugen.

Des Weiteren bestehen Einsatzmöglichkeiten im Bereich Power Tools, also Elektrowerkzeugen. Hier habe es bereits in der Vergangenheit Pläne seitens des Unternehmens gegeben. Auch Vorsitzender Herbert Schein kommt in dem Statement zu Wort: „Die Entwicklungen der neuen Lithium-Ionen-Zellen laufen hervorragend. Die Ergebnisse übertreffen unsere Erwartungen.“ Mehr Details gibt es nicht.

Varta baut den Standort Nördlignen massiv aus

Varta baut am Standort Nördlingen eine riesige Produktionshalle. Die Kapazitäten im Gebäude am früheren Kathrein-Gelände in der Nürnberger Straße und am ehemaligen Güdel-Sitz in der Industriestraße reichen bei Weitem nicht mehr aus. Damit wächst die Produktionsfläche in Nördlingen um weitere 15.000 Quadratmeter auf rund 60.000.

Das Unternehmen hat 2020 den Umsatz um rund 140 Prozent auf 870 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 145 Prozent auf 239 Millionen Euro zu. Varta verzeichnete damit das beste Geschäftsjahr in der 130-jährigen Geschichte des Unternehmens.

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