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Nördlingen

12.02.2020

Egerviertel: Jetzt äußert sich das Landesamt für Denkmalpflege

Wie das Landesamt für Denkmalpflege das neue Egerviertel sieht, erklärt Michael Habres.

Plus Auf dem ehemaligen Gelände der Ankerbrauerei in Nördlingen sollen eine Kita, ein Tagescafé, eine Tiefgarage und rund 80 Wohnungen entstehen. Michael Habres vom Landesamt für Denkmalpflege macht deutlich: „Mehr geht nicht, weniger wäre besser.“

Guten Tag Herr Habres. Sie sind beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Stadt Nördlingen zuständig. Derzeit sorgt ein großes Bauvorhaben in der Altstadt für Diskussionen: das Egerviertel. Kennen Sie dieses Projekt?

Michael Habres: Ja, wir wurden sogar sehr frühzeitig, im Mai 2018, eingebunden. Damals ging es generell um die Frage, welche Altbauten auf dem Gelände zu erhalten sind. Aus meiner Sicht war es sehr positiv, dass wir so früh informiert wurden. Wir haben uns damals die Gebäude angeschaut. Zwei wurden dann nachträglich in die Denkmalliste aufgenommen – das ehemalige Kontorgebäude an der Ankergasse und den ehemaligen Gartensaal direkt an der Eger. Insgesamt befinden sich damit fünf Denkmäler auf dem Gelände. Die übrigen Gebäude wurden zum Abriss freigegeben.

Ging es damals auch um die Gebäude, die auf dem Gelände neu entstehen sollen?

Egerviertel: Jetzt äußert sich das Landesamt für Denkmalpflege

Habres: Ja. Grundsätzlich wurde eine Neubebauung für möglich gehalten. Allerdings wurde immer betont, dass die Stadtmauer das dominante Bauwerk an dieser Stelle bleiben muss, unabhängig davon, ob zwei- oder dreigeschossige Neubauten errichtet werden.

„Absolute Obergrenze dessen, was wir mittragen können“

Gerade mit den dreigeschossigen Bauten haben viele Nördlinger Probleme. Ihre Kritik: Zu groß, zu wuchtig.

Habres: Das Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalschutzbehörde waren in den Planungsprozess eingebunden. Wir haben uns auch mehrfach mit den Projektverantwortlichen zusammengesetzt. Natürlich geht es auch um die Frage der Wirtschaftlichkeit. Für uns ist das, was derzeit vorliegt, die absolute Obergrenze dessen, was wir noch mittragen können. Wer in Nördlingen an der Stadtmauer einen Spaziergang macht, der wird feststellen, dass es auch jetzt schon Häuser gibt, die über die Mauer hinausspitzeln. Und das Kontorgebäude der Ankerbrauerei ist ja ebenfalls quasi dreigeschossig. Die neue Bebauung knüpft also schon in gewisser Weise an die alte schon vorhandene an. Mehr an Dichte als aktuell geplant geht allerdings auf keinen Fall, weniger wäre deutlich besser.

Mancher Nördlinger befürchten, dass die Stadtmauer Schaden nimmt, wenn die Tiefgarage für das Egerviertel gebaut wird. Teilen Sie diese Sorgen?

Habres: Diese Befürchtungen sind sicher berechtigt, ganz ausschließen kann man Schäden nicht. Jede größere Baumaßnahme in ihrer Nähe stellt eine Gefahr dar. Aber ich möchte auch an den heißen Sommer 2003 erinnern. Damals sank der Grundwasserspiegel vielerorts auch ohne Baumaßnahmen so stark ab, dass es an einigen Gebäuden erhebliche Schäden gab. Man kann besorgt sein, aber ich denke auch, dass das Risiko kalkulierbar ist.

Altstadtsatzung grundsätzlich einhalten

Zuletzt wären für das Projekt auch Ausnahmen von der Altstadtsatzung nötig gewesen.

Habres: Das ist richtig. Die eben erst novellierte Satzung ist aus meiner Sicht aber grundsätzlich einzuhalten. Allenfalls wenn es um geringe prozentuale Abweichungen geht, etwa bei der Anzahl von Gauben pro Dachfläche, sind einzelne Befreiungen von der Satzung begründbar.

Verstehen Sie die Aufregung, die es in Nördlingen wegen des Projektes gibt?

Habres: Durchaus, ja. Es wird wahrscheinlich für Jahrzehnte die größte Baumaßnahme in der Altstadt sein. Ich selber arbeite gerne in Nördlingen, weil die Bürger in Sachen Altstadt sehr engagiert sind und sich deren Wert auch bewusst sind.

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