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Wälder

10.05.2019

Eichenprozessionsspinner: Wälder werden aus der Luft besprüht

Der Eichenprozessionsspinner verursacht massive Schäden in den Wäldern, Deshalb werden nun einige Eichenwälder besprüht.
Bild: Patrick Pleul, ZB, dpa

In der kommenden Woche bekämpfen Experten den Eichenprozessionsspinner im Ries und im Ostalbkreis vom Hubschrauber aus. Warum aus der Luft gesprüht wird.

Der Forst sagt dem Eichenprozessionsspinner den Kampf an: Wenn die Witterungsverhältnisse es zulassen, werden am kommenden Mittwoch am Riesrand auf einer Fläche von etwa 160 bis 170 Hektar Eichenwälder vom Hubschrauber aus besprüht. Der Schädling hat sich in den vergangenen beiden Jahren im nördlichen Landkreis so stark ausgebreitet, dass er nach Mitteilung vom Peter Birkholz eine ernsthafte Bedrohung für den Bestand dieser Baumart ist.

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Es bestehe die Gefahr, dass die ökologisch wertvollen Eichenwälder absterben, wenn man jetzt nichts unternehme, warnt der stellvertretende Leiter des Nördlinger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Prozessionsspinner ist aber nicht nur eine Gefahr für die Bäume, sondern auch für die Menschen: Die Brennhaare der Raupen führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Eichenprozessionsspinner: Die Hubschrauber sind einen Tag unterwegs

Für die Besprühung wird ein Hubschrauber eingesetzt. Die Bekämpfungsaktion soll innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. An diesem Tag dürfen die Wälder, in denen gesprüht wird, nicht betreten werden. Eingesetzt werden Pflanzenschutzmittel, die für die Gesundheit des Menschen nicht schädlich sind und die nur gegen blätterfressende Schmetterlingsraupen wirken. Insekten wie etwa Spinnen sind davon nicht betroffen, sagt Birkholz. Im Ries werden hauptsächlich Wälder rund um Fremdingen und Dornstadt besprüht sowie Teile des Oettinger Forst.

Eichenprozessionsspinner: Wälder werden aus der Luft besprüht

Das Pflanzenschutzmittel wird Birkholz zufolge in Wasser gelöst als Sprühnebel von oben und aus kurzer Entfernung direkt auf die Kronen der Eichen angebracht. Die Besprühungen nehmen im Pflanzenschutzdienst erfahrene Piloten vor. Moderne Technik ermögliche eine sehr geringe Dosierung und eine gezielte Ausbringung des Mittels. Man werde mit der Sprühaktion nicht „Tabula rasa“ machen können, also die Raupen zu 100 Prozent treffen, so der stellvertretende Leiter des Nördlinger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. „Wir machen nicht alles nieder“, sagt Birkholz. „Aber wenn wir eine Wirkung von 70 bis 80 Prozent erzielen, können wir das Problem in den Griff bekommen.“

Allerdings nur vom Hubschrauber aus. Denn die Raupe legt ihre Eier in den Kronen der Eichen ab, so dass ihnen vom Boden aus nicht beizukommen ist. Auch andere Maßnahmen wie etwa absammeln oder absaugen scheiden aus, weil die Bäume im Wald nicht mit einer Hebebühne angefahren werden können. In geschlossenen Waldflächen bleibt also nur das Sprühen des Pflanzenschutzmittels vom Hubschrauber aus. Moderne Technik, so Birkholz, ermöglicht eine sehr geringe Dosierung und eine gezielte Ausbringung des Mittels.

Die Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner treten im Landkreis massiv auf

Der nördliche Landkreis Donau-Ries ist ein Hotspot in Bayern, weil hier die Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner jetzt massiv auftreten, erläutert er weiter. Vor zwei Jahren habe die Fürstliche Forstverwaltung Oettingen-Wallerstein westlich von Wallerstein auf einer Fläche von etwa 30 Hektar einen Befall von Prozessionsspinnern an den Eichen festgestellt. Auf der anderen Seite der Landesgrenze, in Württemberg, waren es bereits um die 60 Hektar. Ein Jahr später hatte sich der Schädling im nördlichen Landkreis bereits auf 300 Hektar in Wäldern von Oettingen-Wallerstein und Oettingen-Spielberg sowie in weiteren Privatwäldern ausgebreitet.

Den Kahlfraß eines Jahres hätte die Eiche noch wegstecken können, sagt Birkholz, aber die neuerliche Attacke sei bedrohlich, weil die Eichen großflächig absterben würden. Denn in den geschwächten Bäumen setze sich dann der Eichenprachtkäfer – dem Borkenkäfer vergleichbar – fest und gebe ihnen den Rest.

Auch der Ostalbkreis wird mit dem Hubschrauber besprüht

Birkholz erklärt: „Mit der Bekämpfungsaktion geht es uns darum, die Baumart zu erhalten und einen großen Vermögensverlust zu verhindern.“ Dass die Besprühungsaktion so kurzfristig angekündigt wird, hat nach seinen Worten damit zu tun, dass der Abstimmungsprozess sehr langwierig war. Die Naturschützer hätten die Flächen möglichst eng stecken wollen, der Forst dagegen wollte möglichst große Flächen. „Sonst kriegen wir das nicht in den Griff!“

Beim Menschen lösen die Brennhaare der Raupen bei Berührungen toxische Reaktionen aus und können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen. Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen.

Am Dienstag voraussichtlich will übrigens auch der Ostalbkreis den Prozessionsspinner auf 260 Hektar Waldfläche vom Hubschrauber aus bekämpfen, unter anderem bei Kirchheim, Tannhausen und Unterschneidheim. In den vergangenen Jahren, heißt es in einer Mitteilung, seien auch hier die Raupen massiv in Erscheinung getreten.

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