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Geschichte

21.10.2019

Ein Buch und ein Konzert als Erinnerung

Rebecca Rust und Friedrich Edelmann konzertierten in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth. Ingrid Wörlen und Werner Eisenschink lasen Abschnitte aus „Der Stolperstein“ vor. Unser Bild zeigt von links: Eisenschink, Wörlen, Sigi Atzmon, Rust und Edelmann.
Bild: Ernst Mayer

In der ehemaligen Synagoge wird aus dem Buch „Der Stolperstein“ vorgelesen. Rebecca Rust und Friedrich Edelmann spielen Musik, die von den Nazis unterdrückt wurde

„Ich weiß eigentlich nicht richtig, was mein Vater gemacht hat. Vielleicht finde ich das einmal heraus. Und wenn es schlimmer war, als ich gedacht hatte, dann wäre ich vielleicht bereit, die Wahrheit ein bisschen zu verändern.“ „Schlimmer wäre es, wenn der Vater mitgearbeitet hätte, Konzentrationslager einzurichten – oder Juden in besetzten Ländern zu ermorden.“

Dies sind Sätze, die den Inhalt der Lesung in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth wiedergeben. Der Vater, ein hochgestellter Nazi, sagt seinen Kindern nicht, welche Rolle er im Nationalsozialismus gespielt hat. War er ein Verbrecher oder ein williger Befehlsempfänger? Warum schweigt er über den Tod seines Bruders heute noch? Warum fragen die Kinder ihre Väter nicht, was sie getan haben? Wird es auch zukünftig so sein, dass diejenigen, die schon wieder beginnen, Hass über Juden und andere Minderheiten auszustreuen, von ihren Kindern vergeblich gefragt werden?

Viele Fragen, die keine Antworten finden, werden in dem Buch „Der Stolperstein“ von Karl, dem Sohn eines überzeugten Nazis, gestellt, als er viele Jahre nach dem Krieg selbst damit konfrontiert wird – weil er sich in Sarah Stern, Tochter einer jüdischen Emigrantenfamilie, in den USA verliebte. Eine Geschichte über Kinder von Tätern und Opfern, die über die Schicksale der Menschen in den Jahren des Holocaust nachdenken lässt, ohne echte Erklärungen für unmenschliche Vergehen zu geben.

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Um die Wahrheiten dieser Zeit unmittelbar zu erfahren, besuchen Karl und Sarah Karls Familie kurz nach dem Fall der Berliner Mauer in Deutschland und schreiben unter ihren realen Namen Rudi Raab und Julie Freestone einen Roman über ihre Erlebnisse und die Begegnungen. In Ausschnitten lasen Ingrid Wörlen und Werner Eisenschink aus Kapiteln des Buches in der Synagoge vor.

Die eindrucksvollen Schilderungen wurden durch die weltweit tätige Cellistin Rebecca Rust und Friedrich Edelmann, ehemaliger Solofagottist der Münchner Philharmoniker, mit Musik begleitet, die von den Nazis unterdrückt wurde, weil sie von jüdischen Komponisten stammte. „Dialog“ nannte Hans Gál den ersten Satz eines „Divertimento für Fagott und Cello, op. 90“, dessen Titel leicht nachvollzogen werden konnte, da sich beide im Wechsel rhythmisch und melodisch ergänzten. Die tänzerische „Fughetta“ durchzog eine eigenwillig durchgängige Stakkato-Begleitung, das „Scherzino“ wirkte humorvoll mit unerwartet eingestreuten Motiven. Ein elegisches Cello-Solo klang in hohem Lagenspiel wie ein Klagelied, trug Spuren meditativer Versenkung durch chromatische Verläufe, ein sehr emotionales Stück des Schweizer Juden Ernest Bloch.

Eigens für Rebecca Rust und Friedrich Edelmann schuf Max Stern die „Lieder für den Aufstieg“, die er ähnlich wie in den sephardisch-spanischen Liedern mit orientalischen Klängen schmückte. Die Komposition „Elegy and Vision“ des 1953 geborenen Laurence Sherr beendete nachdenklich gestimmt das literarisch bereicherte Konzert. Viel Beifall ernteten Vorleser und Musiker für die emotional bewegende Lesestunde, zusätzlich motiviert durch die Botschaft, dass nach dem antisemitischen Angriff in Halle an der Tür der Hainsfarther Synagoge ein Blumenstrauß abgelegt worden war.

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