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Freizeit

11.04.2015

Ein letztes Mal aufbauen

Sibylle Salonikidis baut ihren Biergarten zum letzten Mal für ihre Gäste auf. In zwei Monaten hört die Pächterin der „Plauderecke“ nach insgesamt 31 Jahren auf. Bis dahin hofft sie auf gutes Wetter und viele Gäste.
Bild: Michael Lindner

Die Biergartenzeit beginnt, doch in diesem Jahr haben die Besucher weniger Auswahl. Wie es mit der „Plauderecke“ weitergeht und was an einem anderen Gerücht dran ist

Von Michael Lindner

Nördlingen Gutes Wetter, gemütlich mit Bekannten zusammensitzen und dabei ein kühles Getränk genießen – so schaut der perfekte Biergartenbesuch aus. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen gibt es bereits, weshalb die Gastronomen ihre Bierbänke, Stühle und Tische aufbauen. Doch in diesem Jahr haben durstige und hungrige Nördlinger eine kleinere Auswahl. Denn gleich zwei Biergärten werden in wenigen Wochen schließen beziehungsweise eröffnen erst gar nicht.

Einer davon ist die „Plauderecke“ von Sibylle Salonikidis. Sie ist seit 31 Jahren die Pächterin des versteckt liegenden Biergartens in der Nördlinger Innenstadt. „Die Zeit war wunderschön, aber jetzt ist es Zeit für etwas anderes“, sagt Salonikidis mit etwas Wehmut. Sie bereitet sich auf ihre letzte Biergartensaison vor, die auch noch verkürzt stattfindet. Sie hat dieses Jahr nur bis zum 5. Juni geöffnet, und nicht, wie sonst, bis Oktober. Dann läuft der Pachtvertrag mit der Ankerbrauerei, denen das Haus gehört, aus. Über die Gründe möchten weder Salonikidis noch die Brauerei sprechen. Christoph Metzko kann auf Nachfrage der Rieser Nachrichten noch nicht genau sagen, wie es mit der „Plauderecke“ weitergeht: „Es steht aber außer Frage, dass es einen Gastronomiebetrieb gibt; der Biergarten wird dann unter neuem Namen und mit neuem Personal betrieben“, sagt Metzko von der Verwaltung der Ankerbrauerei. Dass der Pächterwechsel im Sommer stattfindet bedauert Metzko, er wolle die „Biergartenpause“ allerdings so kurz wie möglich halten.

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Bis es so weit ist, wird Salonikidis aber noch ihrer Arbeit, die zugleich ihr Hobby ist, nachgehen und die Gäste in der „Plauderecke“ bewirten. Die Tische und Stühle stellt sie in den nächsten Tagen auf. Der Biergarten hat dann je nach Wetterlage geöffnet. Salonikidis erinnert sich an viele lustige Situationen und nette Gäste. „In den vergangenen 31 Jahren hatte ich viele Stammgäste, es entwickelten sich Freundschaften und ich habe gute Bekannte gewonnen“, sagt Salonikidis.

Die „Plauderecke“ ist aber nicht der einzige Biergarten, der schließt. Der Biergarten des „Rotochsenkellers“ von Nico Jilka steht seit diesem Jahr nicht mehr für den öffentlichen Betrieb zur Verfügung. Für den Pächter sei es zeitlich und finanziell zu aufwendig, den Biergarten zusätzlich zur Schauspielmanufaktur zu betreiben (wir berichteten).

In der Stadt Nördlingen gibt es außerdem Gerüchte, dass das „Hollywood“ bald schließen wird. Davon hat auch deren Chef Helmut Ziegler gehört. Doch der kann seine Gäste beruhigen: „Das Gerücht stimmt nicht.“ Der 68-Jährige erklärt, dass er den Biergarten aufgrund seines Alters nicht mehr 20 Jahre betreiben wird, aber: „Ich möchte schon noch die nächsten drei bis fünf Jahre weitermachen.“ Der Gastronom wird seinen Biergarten am Sonntag oder Dienstag öffnen – sofern das Wetter mitspielt. Bis dahin muss er noch die Raucherhütte abbauen und die Tische und Stühle für bis zu 35 Personen aufstellen. Denn Ziegler weiß: „Bei schönem Wetter möchten die Leute draußen sitzen und die Sonne genießen.“ Deswegen rentiert sich ein Biergarten seiner Meinung nach auf alle Fälle.

Dies bestätigt Josef Meyer, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis Donau-Ries: „Die Nachfrage nach einer Freiluftgastronomie steigt seit zehn Jahren.“ Deshalb gibt es kaum mehr eine Gaststätte, die keinen eigenen Außenbereich anbietet. Allerdings stehen die Gastronomen in diesem Jahr vor einem Problem – dem Mindestlohn. Dieser ist gerade für kleinere Gastronomiebetriebe schwierig. „Wie soll man eine Pause machen, wenn man alleine arbeitet?“, fragt Meyer. Ob der Mindestlohn Auswirkungen auf die Gäste hat, weiß der Kreisvorsitzende nicht. Bei schönem Wetter werden die Menschen aber weiterhin im Freien essen und trinken wollen – so viel ist sicher.

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