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Hohenaltheim

16.08.2017

„Einen Kronprinzen gibt es nicht“

Das Amt des Rathauschefs hat Dr. Wulf-Dietrich Kavasch vor neun Jahren übernommen, eine weitere Amtszeit kann sich der 73-Jährige eher nicht vorstellen.
Bild: Friedrich Woerlen

Wulf-Dietrich Kavasch ist nicht nur Chef der Gemeinde Hohenaltheim, er steht auch zahlreichen Vereinen vor. Manchmal geht es nicht so schnell voran, wie er sich wünscht.

Er ist Tierarzt und Heimatforscher, Kreisrat a. D., Mitbegründer des Vereins Rieser Kulturtage und seit Jahrzehnten dessen 1. Vorsitzender, Initiator des Rieskrater-Museums – kurz Luft holen, es geht noch weiter – langjähriger Vorsitzender des Tierschutzvereins Nördlingen, Vorstands- und Beiratsmitglied in unzähligen weiteren Vereinigungen, Träger verschiedenster Auszeichnungen, auch des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, nicht zuletzt auch Namensgeber eines Asteroiden.

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Dr. Wulf-Dietrich Kavasch muss da selbst schmunzeln: Seit neun Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde Hohenaltheim. Nach einem Jahr als Stellvertreter hatte er für den dienstunfähig gewordenen Amtsinhaber Willi Amerdinger einspringen müssen, und mit 73 Jahren plane er keineswegs, über das 75. Lebensjahr hinaus weiterzumachen. Und die Bürgermeisterbürde, die er in einem Alter übernommen hatte, in dem andere sich zur Ruhe setzen, ist nicht die einzige, die er Schritt für Schritt loswerden möchte.

Auf die Frage, ob der lokalpolitische Nachwuchs schon mit den Hufen scharrt, lautet die nüchterne Antwort: „Einen Kronprinzen gibt es nicht. Dabei kann das Bürgermeisteramt durchaus Spaß machen und Befriedigung verschaffen, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.“

„Einen Kronprinzen gibt es nicht“

Hohenaltheim: Die zweitkleinste Gemeinde im Donau-Ries-Kreis zählt 560 Einwohner

Hohenaltheim ist die zweitkleinste Gemeinde im Donau-Ries-Kreis. Sie zählt etwa 560 Einwohner. Den weiteren Schwund möglichst aufzuhalten und im Vergleich mit den Nachbargemeinden zu bestehen, sieht der Bürgermeister als zentrales Anliegen. „Es gibt erschlossene Bauplätze genug, aber keiner verkauft einen“, bringt er das Problem auf den Punkt. Mit der Einrichtung eines Flächenmanagementausschusses und mit großzügiger Handhabung der bestehenden Bauvorschriften versuche die Gemeinde, Bauwillige im Ort zu halten. Dabei kommt ihr immer wieder das reiche geschichtliche Erbe in die Quere: Urnenfelder aus der Bandkeramikerzeit, zwei römische villae rusticae – Kavasch wäre nicht Kavasch, würde er sich darüber beklagen. Im Gegenteil: Zusammen mit seiner Frau Martha hat er vor Jahren den alten Zehntstadel erworben und plant, ihn vor dem Verfall zu bewahren.

Wann es mit der Sanierung der Kreisstraße DON 9 weitergeht? „Es hakt immer noch am Grunderwerb, und die Erwartung von Schwerverkehr mit übergroßen landwirtschaftlichen Fahrzeugen hat Umplanungen erzwungen. Wir hoffen auf einen Baubeginn im Herbst“, sagt Kavasch. Auch die eigenen Bau- und Infrastrukturprojekte der Gemeinde kämen voran, würden aber immer wieder gebremst durch gesetzliche oder verwaltungstechnische Regulierungsmechanismen: Die vom Landkreis initiierte Umgestaltung der nicht mehr genutzten Schule zu einer Unterkunft für sogenannte „Fehlbeleger“ warte seit Monaten auf die Baugenehmigung.

Schnelles Internet und die gemeindliche Kanalisation ist an das Nördlinger Klärwerk angeschlossen

Überlegt wird der Ausbau weiterer Räume zu einer barrierefreien Begegnungs- und Aufenthaltsstätte für Senioren (über 30 Prozent der Ortsbürger sind 60 Jahre und älter). Als großen zukunftsweisenden Schritt bezeichnet Kavasch den Anschluss der gemeindlichen Kanalisation an das Nördlinger Klärwerk. Das schnelle Internet sei auf dem Vormarsch. „Auch die Weiler sind inzwischen der Gigabitgesellschaft beigetreten.“ Für die Aufrüstung der Geschwindigkeit sei ein Masterplan verabschiedet worden.

Großen Zuspruchs erfreue sich der gemeindliche Kindergarten mit Ganztagsbetreuung. Wegen der familienfreundlichen Öffnungszeiten kämen auch Kinder von außerhalb, meint der Bürgermeister. Das Vereinsleben floriere. Feste würden gemeinsam gefeiert, vor Kurzem wieder die legendäre Beachparty des Sportvereins am Niederaltheimer Weiher, oder das Fischerfest bei der Reismühle und am 3. September das Tomatenfest des Vereins für Gartenbau und Landschaftspflege. Der Dorfverein pflege das Heimatbewusstsein, und Bürgermeister Kavasch als Vorsitzender hebt hervor: „Wir profitieren sehr von der Zusammenarbeit mit Gerhard Beck.“

Dass Hohenaltheim – laut Internetpräsenz „kein Dorf wie jedes andere“ – ein Platz ist, an dem man es aushalten kann, stehe außer Zweifel. Wenn sich der Ortspfarrer – Kavasch: „Mein Stecken und Stab“ – als stellvertretender Vorsitzender in den Dorfverein einbringe und seinen Ruhesitz hier wähle, wenn ein ehemaliger Ortsbürger als emeritierter Professor sich in der alten Heimat niederlasse – da muss schon einiges wirklich in Ordnung sein.

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