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Energie

05.09.2015

Es dreht sich in luftiger Höhe

„Es wäre wichtig, wenn Windkraft auch in unserem Landkreis eine wesentliche Rolle spielen würde.“Landrat Stefan Rößle

Knapp 200 Meter ragt das Windrad bei Rühlingstetten empor. Warum Landrat Rößle für Windkraft im Landkreis ist

Es ist groß, nützlich, dreht sich nahezu ununterbrochen und man sieht es aus mehreren Kilometern Entfernung – das Windrad, das nur knapp einen Kilometer entfernt von Rühlingstetten steht. Seit zehn Monaten liefert die Anlage Strom. Nächste Woche soll sie offiziell eingeweiht werden. Am Rand des Rieskraters und des Landkreises Donau-Ries ragt der 199,5 Meter hohe Koloss in die Höhe. Die am Fuße des Aidelbergs stehenden Bäume wirken wie Streichhölzer.

Einer, der das Projekt vor mehr als vier Jahren angestoßen und seitdem begleitet hat, ist Jochim Steinmeyer. Zusammen mit Wolfgang Utz und Erna Lechner ist er Geschäftsführer der Bürgerwindkraft (BWK) Rühlingstetten UG. Steinmeyer erfüllte den Bürgern damit den Traum vom eigenen Windrad. 59 Privatpersonen aus der näheren Umgebung Rühlingstettens sind Teilhaber des Stahl-Beton-Turmes. Die finanzielle Beteiligung ist dabei unterschiedlich hoch: „Zwischen 10000 und 150000 Euro hat jeder gezahlt“, sagt Steinmeyer. Insgesamt kam so ein Betrag von knapp 2,2 Millionen Euro zusammen. Damit wurden die Baukosten in Höhe von 5,2 Millionen Euro zu mehr als 40 Prozent aus Eigenmitteln finanziert. „Wir wollten, dass sich auch der kleine Bürger eine Beteiligung leisten konnte“, sagt Steinmeyer über die relativ niedrigen Beteiligungshöhen. Ein Großinvestor, der mehr als eine Million Euro zahlen wollte, wurde sogar abgelehnt.

Die Ausmaße des Windrades sind enorm: Die Nabenhöhe beträgt 149 Meter, die Gesamthöhe der Anlage ist knapp 200 Meter. „Damit ist sie die höchste in ganz Bayern“, sagt Steinmeyer. In dieser Höhe kann mehr Ertrag erwirtschaftet werden. Seit November 2014 ist das Windrad in Betrieb, welches eine Leistung von drei Megawatt hat. Das Windrad wird laut Gutachten jährlich 7,2 Millionen Kilowatt Strom erzeugen, die BWK rechnet vorsichtig mit 6,2 Millionen Kilowatt. „Wir liegen derzeit im Soll und sind auf einem guten Weg, unser Ziel zu schaffen“, sagt Steinmeyer zufrieden. Je erzeugter Kilowattstunde fließen neun Cent an die Bauherren zurück.

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Während im Landkreis Ansbach mehrere Windanlagen stehen, ist der Landkreis Donau-Ries in dieser Hinsicht quasi ein weißer Fleck auf der Landkarte. Lediglich im Monheimer Stadtteil Wittesheim steht seit 2002 ein Windrad, das einzige im Landkreis. Landrat Stefan Rößle steht Windrädern prinzipiell aufgeschlossen gegenüber. Ihn freut es, dass es in Rühlingstetten gelungen ist, eine solche Anlage zu installieren. „Ich bin für Windkraft und es wäre wichtig, wenn sie auch in unserem Landkreis eine wesentliche Rolle spielen würde“, sagt Rößle. Der Landrat merkt aber auch an, dass gleich mehrere Regelungen Projekte derzeit erschweren. Grund dafür ist die sogenannte Zehn-H-Regelung. Sie besagt, dass Windräder zehnmal so weit weg von der Wohnbebauung stehen müssen, wie sie hoch sind. Bei einer Höhe wie dem Rühlingstetter Windrad, müsste der Mindestabstand also 2000 Meter betragen.

Allerdings gibt es eine Ausnahme von der Zehn-H-Regelung: Der Gemeinde- beziehungsweise Stadtrat kann bestimmen, diese Regelung nicht einzuhalten. „Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn ein Windrad in einem Abstand von 1000 oder 1200 Metern zu einer Gemeinde steht. Aber diese muss natürlich auch einverstanden sein.“ Da laut Rößle derzeit kein Investor versucht, innerhalb dieses Zehn-H-Radius einen Antrag zu stellen, sei das Thema Windkraft momentan zum Erliegen gekommen. Das läge an den aufwendigen Verfahren, da unter anderem der Arten-, Natur- und Landschaftsschutz berücksichtigt werden müssen.

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