1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Geburtshilfe: Belegärzte hören auf

Medizin

15.12.2018

Geburtshilfe: Belegärzte hören auf

Die beiden Belegärzte der Geburtshilfe am Stift, Dr. Robert Schaich und Dr. Mathias Hübner, werden ihren Dienst Ende 2019 beenden.
Bild: Mörzl

Die beiden Frauenärzte am Stiftungskrankenhaus wollen die Belastung nicht mehr tragen. Wie es weitergeht

Die beiden Frauenärzte, die in der Geburtshilfe des Stiftungskrankenhauses Nördlingen die Geburten begleiten, werden ihren Dienst Ende 2019 beenden. Danach wollen sich Dr. Robert Schaich und Dr. Mathias Hübner allein ihrer Arbeit in der Praxis widmen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Schaich sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Belastung und die Verantwortung zu groß geworden seien. „Wir haben gekündigt. Unter den herrschenden Rahmenbedingungen war unsere Arbeit nicht mehr machbar“, sagt der Arzt, auch wenn es sich um eine schwierige Entscheidung gehandelt habe. Schließlich betreffe sie die Hebammen und die anderen Ärzte sowie das Krankenhaus. Aber: „Wir sind zu wenige und das Gesundheitsministerium verlangt von uns Zusatzarbeit in der Praxis, die man dann nicht mehr leisten kann.“ Schaich fordert eine deutschlandweite Lösung für die Haftpflicht der Geburtshilfen.

Aktuell versorgen die beiden Mediziner abwechselnd zusammen mit einer weiteren angestellten Ärztin, eine in Vollzeit und eine in Teilzeit, die werdenden Mütter. Sieben Hebammen sind in der Geburtsstation tätig. Dass Frauen weiterhin in Nördlingen ihre Kinder bekommen können, steht laut Jürgen Busse, Vorstandsvorsitzender des Kommunalunternehmens gKU, zu dem auch die Krankenhäuser in Nördlingen und Donauwörth gehören, in keiner Weise infrage. Pro Jahr entbinden dort etwa 450 Frauen. Die Geburtsstation in Donauwörth hätte nicht die Kapazität, diese zu übernehmen. In der dortigen Hauptabteilung mit zehn Ärzten und acht Hebammen werden jährlich etwa 670 Kinder geboren. „Wir sind in Donauwörth für maximal 800 Geburten im Jahr ausgelegt. Mehr wäre nicht zu stemmen“, sagt Busse. Da vermutlich auch aus anderen Landkreises Frauen nach Donauwörth oder Nördlingen zum Entbinden kommen werden, gelte das umso mehr. So schließt beispielsweise die Geburtshilfe in Dinkelsbühl zum 1. Januar 2019.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wie geht es weiter? Möglich wäre eine eigene Hauptabteilung wie in Donauwörth aufzubauen oder eine Mischform mit angestellten Frauenärzten und Belegärzten zu entwickeln. „Das ist für uns eine große Aufgabe“, gibt Busse zu. „Aber wir haben ausreichend Zeit, uns auf die Veränderung vorzubereiten“, so der Vorstandsvorsitzende nach der Sitzung des Verwaltungsrates. Dieser sei am Freitag wie auch die Mitarbeiter in den Häusern über die Neuigkeit informiert worden.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Das Gesundheitsministerium ist der Meinung, dass die Standorte in Donauwörth und Nördlingen zur Versorgung der Frauen in der Region notwendig sind. Das bedeutet, dass diese in Zukunft von staatlicher Seite finanziell unterstützt werden. Der Bund übernimmt 90 Prozent des Defizites der jeweiligen Geburtshilfe-Abteilungen. Busse: „Die Stationen im Landkreis sind auch über die Landkreisgrenzen hinaus wichtiger geworden, da viele Krankenhäuser um uns herum Probleme haben.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren