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Bürgerversammlung

30.11.2017

Heftiger Gegenwind von den Nördlinger Bürgern

Die Bürgerversamlung der Kernstadt Nördlingen im Hotel Klösterle.
Bild: Szilvia Izsó

Im Nördlinger Klösterle melden sich mehrere Besucher zu Wort, die den Kletterwald auf der Marienhöhe ablehnen. Auch der Grundschul-Anbau wird kritisiert.

Deutliche Kritik mussten sich Oberbürgermeister Hermann Faul und die Mitglieder des Nördlinger Stadtrats bei der Bürgerversammlung im Klösterle anhören. Nicht nur zum heftig diskutierten Kletterwald auf der Marienhöhe nahmen die Besucher am Dienstagabend Stellung, auch das Flachdach auf dem geplanten Anbau an der Grundschule Mitte wurde angesprochen. Die Themen im Einzelnen:

Marienhöhe: Applaus bekam Konrad Hornung für sein Statement. Er sagte, die Marienhöhe sei der einzige Wald in Stadtnähe. Die Bürger würden dort in Ruhe die Natur genießen – das wäre mit einem Kletterwald nicht mehr möglich. Michael Eßmann hatte ein mehrseitiges Konzept ins Klösterle mitgebracht. Einen Teil trug er vor: Eßmann kritisierte unter anderem, dass ein Weg durch Ackerland zum Kletterwald gebaut werden müsste. Er sprach den möglichen Erbbaurechtsvertrag zwischen Stadt und Investor an, befürchtete dramatische Konsequenzen, sollte der Betreiber pleite gehen. Der Nördlinger kritisierte die Argumentation der Stadtverwaltung: „Verkaufen Sie uns dieses Projekt nicht als Gewinn.“ Er betonte: „Ich möchte nicht, dass dieses wertvolle Erbe (die Marienhöhe, Anm. der Redaktion) verschleudert wird.“

Oberbürgermeister Faul hatte bereits zu Beginn der Bürgerversammlung den aktuellen Stand in Sachen Kletterwald geschildert, den auch Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel in der vergangenen Stadtratssitzung dargestellt hatte (wir berichteten). Faul antwortete, der Stadtrat nehme die Kritik zur Kenntnis und werde sich sehr intensiv damit beschäftigen. Ralf Breitenberger wollte wissen, aus welchen Gründen die Alte Bürg ausgeschlossen werde. Die Entfernung zur Stadt sei das Argument des Investors, entgegnete der Oberbürgermeister. Gerd Anders schilderte, dass viele seiner Bekannten gegen den Kletterwald seien. Werde der umgesetzt, kämen „stürmische Zeiten“ auf die Verantwortlichen zu.

Radfahren: Anders hatte noch zwei weitere Anliegen: Er forderte Faul auf, beim Thema Hallenbad „dranzubleiben“. Außerdem sprach er das Thema Radfahren an: Man müsse auch in Kleinstädten vom „autozentrierten Denken“ wegkommen. Luise Müller erkundigte sich nach der Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigen soll. Faul entgegnete, der Zirkel habe noch nicht getagt, er verwies auf die anderen Themen, die derzeit auf der Tagesordnung stünden.

Sebastian Lessmann fragte, warum es an neu sanierten Straßen – etwa der Bürgermeister-Reiger-Straße – keine Radwege gebe. Der Oberbürgermeister verwies unter anderem darauf, dass Experten mittlerweile der Meinung seien, dass Radfahren auf der Straße sicherer sei.

Anbau Grundschule-Mitte: Wie berichtet, hat der Stadtrat entschieden, einen Quader mit Holzfassade und Flachdach an das Hallgebäude anzubauen. Steffen Höhn wies daraufhin, dass dies der Altstadtsatzung widerspreche. Dem Bürger, der sich an sie halten und deshalb Mehrkosten schultern müsse, sei das nicht vermittelbar. Faul antwortete: Man müsse Platz schaffen für die Grundschule Mitte und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege habe gefordert, dass der Anbau unter der Traufe des Hallgebäudes bleibe. Deshalb habe man sich für ein Flachdach entschieden. Hermann Moser ärgerte sich darüber: Wer sich nicht an die Altstadtsatzung halte, müsse 500000 Euro Geldbuße zahlen, argumentierte er. Eine Abweichung von der Satzung müsse gut begründet werden: „Wo ist hier die Begründung?“ Die Dachlandschaft Nördlingens werde als höchstes Gut gepflegt, sie werde langfristig kaputt gehen. Vom Schulhof blieben mit diesem Anbau nur „Reste“ übrig, meinte Moser. Faul antwortete auf alle Vorwürfe. Unter anderem sagte er: Würde man kein Flachdach bauen, würde vom Schulhof weniger übrig bleiben, weil man dann ein größeres Gebäude brauche. Nach dem Bau des Quaders werde der Schulhof neu angelegt: „Da bleiben nicht nur Reste übrig.“ Martin Straß schlug vor, Nachbargebäude zu nutzen. Faul sagte, die seien nicht geeignet. Ralf Ulbricht wollte wissen, warum die Regel mit der Traufhöhe an anderer Stelle nicht greife.

Kreisverkehr: Joachim Ramisch meldete sich bei der Bürgerversammlung ebenfalls zu Wort – doch Faul ließ ihn nicht sprechen: Ramisch sei kein Bürger der Stadt. Das wiederum fand Wolfgang Mussgnug „unsouverän“, Ramisch sei Steuerzahler in Nördlingen. Der Kunst-Professor wollte wissen, worin der ästhetische Mehrwert bestehe, wenn man die Silhouette Nördlingens in den Kreisverkehr vor dem Deininger Tor setze. Das sei eine Möglichkeit, die Stadt zu präsentierten, entgegnete Faul. Unterstützt wurde der Oberbürgermeister von Thomas Selzle.

Weitere Themen waren der Bahnhof, den Walter Hochradel ansprach, sowie das Eisenbahnmuseum. Eugen Trumpp meinte, das habe genügend Fläche – die müsste man nur aufräumen. Dann sei es auch nicht nötig, auf das Kleingarten-Gelände eine Halle zu bauen.

Wie es um die Finanzen der Stadt steht und welche Projekte laufen

Bevor die Bürger das Wort hatten, waren andere dran: Zunächst nahm Oberbürgermeister Hermann Faul bei der Bürgerversammlung im Klösterle am Dienstagabend Stellung zum Kletterwald. Er meinte, bislang seien alle Leserbriefe, die in den RN zu diesem Thema erschienen seien, sehr sachlich gewesen. Auf diesem Weg wolle man weiter diskutieren.

Kletterwald: Nur ein Hektar von 30

Ein Kletterwald wäre nicht nur für Besucher, sondern auch für die Nördlinger Jugend eine Attraktion. Die Marienhöhe sei 30 Hektar groß, nur einen davon würde der Kletterwald in Anspruch nehmen. Zudem sei weder vorgesehen, einen Zaun zu errichten, noch einen Baum zu beschädigen. Faul verwies auf die Gutachten, die noch ausstünden. Dr. Manfred Heider stellte den Besuchern das Einzelhandelskonzept vor, das er im Auftrag der Stadt mit seinem Team erstellt hatte. Trotz eines schwieriger werdenden Umfelds habe sich der Einzelhandelsstandort Nördlingen positiv entwickelt. Die befragten Bürger wünschten sich vor allem neue Bekleidungsgeschäfte und einen Drogeriemarkt. Mögliche Leuchtturmprojekte wären aus Heiders Sicht die Ansiedlung eines Modehauses (H&M, C&A oder andere) sowie ein Lebensmittelmarkt am Marktplatz. Kämmerer Bernhard Kugler erklärte den Besuchern, wie es um die Finanzen der Stadt bestellt ist – nämlich deutlich besser, als zu Beginn des Jahres erwartet worden war. Man werde wohl heuer keinen zusätzlichen Kredit brauchen, da die Steuern kräftig sprudelten und manche Projekte nicht so schnell abgewickelt werden können, wie geplant. Kugler sprach das Hallenbad an: Die Investitionskosten für eine Erweiterung seien dabei das eine. Zum anderen müsse man aber auch über nachfolgend steigende Betriebs- und Folgekosten diskutieren. Die müssten in einer Größe bleiben, die tragbar sei: „Wir müssen uns eine freie Finanzspanne erhalten.“ Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel stellte gleich mehrere Projekte vor, unter anderem das Döderlein-Gelände, den Bahnhof, die Kneipp-Anlage und den Schneidtschen Garten. Ausführlich ging er auf das BayWa-Gelände ein, dort soll ein Edeka mit einer Verkaufsfläche von 2300 Quadratmetern eröffnen. Zudem sind ein Hotel, ein Getränkemarkt, ein Bäcker und ein Imbiss geplant. Die Wemdinger Unterführung, so Sigel, werde im August 2018 fertig.

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