Schulpolitik

16.02.2012

Keine Experimente

Bürgermeister und Lehrer in Bopfingen wehren sich gegen Gemeinschaftsschule

Bopfingen Die Stadt Bopfingen und die Schulleiter der weiterführenden Schulen am Ort halten nichts von der Einführung der „Gemeinschaftsschule (GMS)“ – gemeinsamer Unterricht von Klasse fünf bis Klasse zehn unabhängig von der Leistungsstärke –, wie sie die grün-rote Landesregierung in Stuttgart (zunächst) freiwillig ab dem kommenden Schuljahr einführen will. Vielmehr soll unter dem Ipf weiterhin auf das dreigliederige Schulsystem aus Werkrealschule (Hauptschule mit beruflicher Orientierung), Realschule und Gymnasium gesetzt werden, weil sich diese Form in der Vergangenheit bewährt habe, wie Bürgermeister Dr. Gunter Bühler bei einem Pressegespräch im Bopfinger Rathaus gegenüber den Rieser Nachrichten betonte. Demgegenüber will Grün-Rot diese drei Schulen als Gemeinschaftsschule zusammenfassen. In Bopfingen gehen auch Jugendliche aus dem bayerischen Ries zur Schule.

Es bestehe kein Anlass für Experimente. Zusammen mit der Förderschule biete seine Kommune mit der Dreigliedrigkeit für jedes Kind die richtige Schulform, meinte Bühler, der als ein Hauptargument, die GMS nicht anzustreben, die Finanzen nannte. Die Kosten für die Einführung seien an einem so großen Standort wie Bopfingen viel zu hoch, was die Stadt nicht schultern könne. Außerdem lägen seitens des Kultusministeriums bisher keine klaren Rahmenbedingungen vor, was die Sache zudem erschwere.

„Aufsetzer“ zum Angebot

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Auch bestünde derzeit keine Notwendigkeit, Standortsicherung für die örtlichen Bildungseinrichtungen betreiben zu müssen, was in anderen Orten des Ostalbkreises ein Argument für die GMS darstelle, die neue Schulform einzuführen.

Weiter kündigte Bühler an, beim baden-württembergischen Kultusministerium den Antrag zu stellen, als „Aufsetzer“ zum bisherigen Angebot einen dreijährigen, allgemeinbildenden sogenannten Aufbauzug am Ostalbgymnasium einzurichten, um zur allgemeinen Hochschulreife zu gelangen. Damit könnten Schülerinnen und Schüler von künftigen Gemeinschaftsschulen, Realschulen oder Werkrealschulen nach der Mittleren Reife in drei Jahren das Abitur machen.

Laut Dieter Kiem, dem Leiter des Ostalbgymnasiums, ist daran gedacht, die Schüler in einer eigenen zehnten Klasse seines Gymnasiums in den Hauptfächern auf den notwendigen Bildungsstand zu bringen, diese aber in den übrigen Fächern gemeinsam mit den „normalen“ Gymnasiasten zu unterrichten.

Die Klassen 11 und 12 würden auf dem Weg zum Abitur wieder gemeinsam mit den Schülern des Gymnasiums bestritten. Sollte dieser Antrag genehmigt werden – nach Einschätzung Kiems frühestens zum übernächsten Schuljahr – wäre dies ein Pilotprojekt.

Diese Alternative zur Hochschulreife zu gelangen, sei auch für die bayerischen Schüler im Bopfinger Bildungszentrum ein Angebot, ergänzte Rathauschef Bühler, „weil es das in Bayern nicht gibt“.

Der Bürgermeister bekräftigte das Festhalten am bisherigen Bildungssystem zusätzlich mit dem Argument der Durchlässigkeit der drei bestehenden Schularten. Damit werde zum einen die Offenheit des Systems an einem Standort hinsichtlich der individuellen Entwicklung der Schüler genutzt. Andererseits könne der besonderen Verantwortung für die Schulwahl nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung (die Schule empfahl bisher den Eltern nach der vierten Klasse, ihre Kinder künftig in eine Haupt- oder Realschule oder in Gymnasium zu schicken) entsprochen werden.

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