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Gedenken

20.04.2015

Marsch des Lebens durch Nördlingen

„Gegen das Vergessen“: Gestern fand in der Nördlinger Innenstadt der „Marsch des Lebens“ statt.
Bild: Heike Jahnz

Gut 150 Menschen erinnerten in der Innenstadt an die Todesmärsche der KZ-Häftlinge in den letzten Tages des Krieges

Gestern Nachmittag hatten die Nördlinger Cafés Hochkonjunktur. Viele nutzten den sonnigen Sonntagnachmittag, um es sich draußen, bei einer Tasse Kaffee gut gehen zu lassen. Etwas ratlos schauten sie, als in einer Art Schweigeprozession gut 150 Menschen durch die Innenstadt zogen. Eine Demonstration? Doch dazu passte das Schweigen nicht. Und was bedeuteten die Schilder, die einige trugen? Darauf standen Namen wie Sternglanz, Rosenberger, Guldmann.

Wer erinnert sich an einem unbeschwerten Frühlingstag von sich aus daran, dass vor 70 Jahren, in den letzten Tagen des Krieges, die Konzentrationslager aufgelöst und die Häftlinge, in die „Mitte des Reiches“, ins KZ Dachau getrieben wurden? Die grausamen Todesmärsche forderten unzählige Opfer. Sie starben vor Erschöpfung, wurden misshandelt oder ermordet. Auch Nördlingen war Station auf diesem Todesmarsch. Und genau daran erinnerten die 150 Menschen, die gestern Nachmittag schweigend durch Nördlingen liefen – hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Gegen das Vergessen“. Dazu aufgerufen hatte eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen, die erinnern will an dieses unsägliche Leid der Juden. Sie nannten ihre Veranstaltung „Marsch des Lebens“. Quasi als „bewusstes Gegenstück“ zu den Todesmärschen im Dritten Reich.

Einer der Organisatoren ist Markus Hoffmann. Er begrüßte am Nördlinger Rathaus die Teilnehmer. Zwar kenne man die Namen der vermutlich elf KZ-Häftlinge nicht, die auf dem Todesmarsch vom KZ-Hessental zwischen Wallerstein und Nördlingen ihr Leben verloren haben. „Aber wir kennen die Namen der jüdischen Bürger Nördlingens, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind“. Diese Namen wurden auf Schildern durch Nördlingen getragen. Vom Rathaus aus zog der „Marsch des Lebens“ zur ehemaligen Synagoge in der Kreuzgasse, zum Denkmal in der Judengasse und zum Nördlinger Bahnhof, von wo aus die KZ-Häftlinge vor 70 Jahren Richtung Dachau abtransportiert wurden.

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An der ehemaligen Synagoge erinnerte Stadtarchivar Wilfried Sponsel daran, wie auch in Nördlingen, mit einer „Politik der kleinen Nadelstiche“ die jüdische Bevölkerung ab 1933 systematisch diskriminiert, schikaniert und ausgegrenzt wurde. Dass jeder heute dazu verpflichtet sei, sich aktiv gegen Verbrechen an der Menschlichkeit zu stellen, sagte dann in der Judengasse Oberbürgermeister Hermann Faul. Als Zeitzeugin erinnerte sich Gertrud Heuberger an sehr viele freundliche Gesten der jüdischen Bürger in Nördlingen.

Am Bahnhof war dann die letzte Station des Gedenkmarschs. Als Kontrapunkt zum gelben Judenstern, der im NS-Regime ein Zeichen der Ausgrenzung der jüdischen Bürger war, stellten die Veranstalter dort einen Davidstern aus Blumentöpfen mit blauen Vergissmeinnicht auf.

Jugendliche erinnerten an dieser dritten und letzten Station an die auf dem Todesmarsch zu Tode gekommenen KZ-Häftlinge aus Hessental und Kochendorf, und es wurden jüdische Lieder vorgetragen.

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