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Heimatgeschichte

02.08.2019

Molkerei und Gasthaus in Auhausen sind Geschichte

In Auhausen gab es einst eine Molkerei. Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude auch als Gaststätte genutzt.
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In Auhausen gab es einst eine Molkerei. Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude auch als Gaststätte genutzt.
Bild: Robert Kaußler

Wo heute ein Parkplatz ist, hat es in Auhausen einst eine Molkerei gegeben. In der Gemeinde wurde sogar Käse hergestellt.

Jedes Mal, wenn in dem kleinen Ort Auhausen an der fränkisch-schwäbischen Grenze eine Veränderung zutage tritt, kommen bei der älteren Bevölkerung Erinnerungen an die „gute alte Zeit“ hoch. Dem Strukturwandel sind wohl in vielen Dörfern allerhand lokale Geschäfte, die Landwirtschaft im kleinstrukturierten Stil, die Bank, das Postamt, die Schule und oft das Pfarramt zum Opfer gefallen. Darüber hinaus hat es in Auhausen auch einst eine Molkereigenossenschaft gegeben.

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Die Aufbruchszeit für ein besseres Leben auf dem Land läutete ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Bau der Eisenbahn ein. In Auhausen war das ab 1848. Später folgten die Gründungen der genossenschaftlichen Darlehenskassen- beziehungsweise Raiffeisenvereine, die für die wirtschaftliche Förderung ihrer Mitglieder ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten. Auch die Umbruchphase nach Ende des Ersten Weltkriegs beeinflusste diese genossenschaftliche Idee.

Als Augenzeuge und Schreiber wusste der damalige Dorflehrer aus Auhausen, Georg Fugger (geboren 1899 in Nördlingen) mitzuteilen, dass „in dieser Zeit und in der nachfolgenden Inflationszeit in Auhausen die im Dorf produzierte Milch jeden Tag am Bahnhof verladen und an die Milchzentrale nach Nürnberg geschickt worden ist. Als aber die Grenzen aus den alliierten Beschränkungen des deutschen Handelsverkehrs wieder geöffnet worden waren und die wirtschaftliche Stabilisierung eine feste Währung geschaffen hatte, erfolgten häufig Beanstandungen der einlaufenden Produkte.“

Molkerei und Gasthaus in Auhausen sind Geschichte

Weiter berichtet er „von der Sammlung, Kühlung und Abfuhr der Milch, die von den Herren Prechter (bei der Kirche) und Kaußler erfolgt“ ist. „Deshalb entschloss sich die Gemeinde, zur Gründung einer Molkereigenossenschaft zu schreiten und die Milch selbst zu verwerten. Die Herren Friedrich Löh (Zimmermeister), Hans Schaudig (Vorstand) und Karl Strauß (Rechner) suchten die Gemeinden Lehmingen, Dornstadt-Hirschbrunn mit Lochenbach für den Plan zu gewinnen, was auch von Erfolg begleitet war. Die Inflationszeit hatte alle Vermögenswerte der Gemeinde, der Stiftungen und Vereine zunichte gemacht, sodass es schwer wurde, Gelder zum Bau aufzutreiben. Im Jahre 1926 wurde der Bau mittels aufgebrachter Gelder begonnen und vollendet.“

Nach gemeindlichen Unterlagen wurde der Bau in „Auhausen Hausnummer . 100“ (Anmerkung: die heutige „Oettinger Straße 37“) mit einem Kostenaufwand von circa 35000 Mark erstellt. Weiter heißt es: „Herr Fritz Held wurde zur Erlernung der Butter- und Käsebereitung an eine benachbarte Molkerei geschickt und versieht mit Herrn Hans Maurer den Betrieb. Von den Milchfuhrwerken wird die Milch jeden Morgen zum Preise von 17 Pfennig in den einzelnen Ortschaften gesammelt und angefahren. Die Milchzentrale Nürnberg wird mit Milch beliefert, in Butterfässern wird der Butter nach Städten verschickt und in geringem Umfange die Käserei geübt. Der Geschäftsgang ist zufriedenstellend, die lastende Schuld wird in einigen Jahren abbezahlt sein. Im Mai 1928 machte sich eine erneute Brunnenbohrung durch eine Schwabacher Firma notwendig, der Wasserverbrauch beträgt 50 Kubikmeter pro Tag.“

Nach dem wirtschaftlichen Einbruch durch den Zweiten Weltkrieg sowie einem weiteren Neuanfang wagte sich die Molkereigenossenschaft Auhausen an einen Neubau des Betriebsgebäudes samt Wohnung des Betriebsleiters an gleicher Stelle. Neben einer kurzen Überlegung, mit der benachbarten Molkerei Westheim zusammenzuarbeiten, haben die Verantwortlichen zu Beginn der 1970er Jahre die Rettung in einer Fusion mit der Molkerei Unterschwaningen mit ausschließlicher Produktion in der fränkischen Nachbarschaft gesucht und gefunden. Diesem Anschluss folgten noch der weitere Zusammenschluss mit der Molkerei Oettingen (1979) und zuletzt der Aufgang in einer überregionalen Molkereigenossenschaft „Milchwerke Neuburg/Donau“.

Freilich war zu dieser Zeit das örtliche Molkereigebäude längst überflüssig geworden, sodass eine Alternative für dieses stattliche Gebäude gefunden werden musste. Mit einer großen Investition durch das Fürstliche Haus zu Oettingen-Wallerstein ist an der verkehrsgünstig gelegenen Stelle eine Gaststätte entstanden; ein Plan der mit seinem ersten Pächter Gerhard Kleemann ab 1977 in Erfüllung gehen konnte. Trotz des wirtschaftlichen Anfangserfolgs sollten nach einigen Jahren zahlreiche weitere Pächterwechsel nie mehr zum großen Durchbruch führen. Nach mehreren Phasen des Leerstandes und so mancher Überlegung zu neuer Nutzungsmöglichkeit war dieses Anwesen wahrlich kein „Schmuckstück“ an der viel befahrenen Hauptstraße Auhausens mehr.

Im Jahr 2019 konnte sich ein örtlicher Investor durchringen, dieses Gebäude zum Zwecke des Abbruchs und mit neuer Verwendung des Geländes zu erwerben.

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