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Menschen

15.05.2018

Museum Kulturland Ries: Ein Leben für die Heimat

Gerda Schupp-Schied ist eine Sonderausstellung im Museum Kulturland Ries gewidmet.
Bild: Archvifoto: Mack

Das Museum Kulturland Ries widmet die aktuelle Sonderausstellung der verstorbenen Volkskundlerin Gerda Schupp-Schied.

Das Museum Kulturland Ries widmet dem Werk und Leben der Volkskundlerin Gerda Schupp-Schied eine Sonderausstellung. Sie hat in mehr als 40-jähriger literarischer und kultureller Tätigkeit die Menschen im Ries beschrieben und das kulturelle Leben mitgeprägt. In neun Bänden lieferte sie Ausschnitte aus dem Rieser Dorfleben. Die Bände bilden eine dichte Beschreibung einer landwirtschaftlich geprägten Region in der Zeit des technischen Wandels im 20. Jahrhundert. Die dafür gesammelten Fotografien sind Gegenstände der Ausstellung. Sie wurde von Museumsleiterin Ruth Kilian eröffnet.

Bezirksheimatpfleger Peter Fassel berichtete als Gastredner über die Bedeutung der populären Heimatforscherin. Er erzählte, dass Gerda Schupp-Schied als Kind von Stadtbauern in Lechhausen geboren wurde und in kargen Lebensverhältnissen aufwuchs. Nach der Schulzeit studierte sie von 1959 bis 1962 an den pädagogischen Hochschulen Augsburg und Nürnberg und war als Lehrerin in Mittelfranken und bis 1968 an der Landschule in Appetshofen tätig. Ihre volkskundliche Arbeit begann 1972 mit der Gestaltung von Seniorenabenden in Appetshofen. Ab 1975 erschienen volkskundliche Artikel im „Daniel“, seit 1977 unter dem Titel „So war’s einmal im Ries“ regelmäßige Berichte in den Rieser Nachrichten, die mit etwa 900 Fotografien reich bebilderten Bänden von 1982 bis 2013 im Verlag Steinmeier in Nördlingen erschienen.

Sie wirkte in Brauchvorführungen, Ausstellungen und Vorträgen in eine breite Öffentlichkeit hinein. Werthaltige Traditionen versuchte sie wieder zu beleben. Sie bezog sich auf Erinnerungen älterer Personen, von der Vorkriegszeit bis in die Gegenwart. Fast immer stand ein bestimmter Gegenstand im Zentrum der jeweiligen Berichte. Die meisten handelten vom Arbeits- und Berufsleben im Dorf und den Arbeiten in der Landwirtschaft.

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Schupp-Schied arbeitete nicht mit dem Tonband, um die Distanz zu den Erzählenden zu wahren. Ihre Gewährsleute besuchte sie mit ihrem Fahrrad in Appetshofen und in einem Umkreis von 20 Kilometern. Es waren eher die „kleinen Leute“, die sie befragte, die Nachbarn und die Verwandtschaft. Nördlingen war bereits die große Welt, in die man nur an den Markttagen und zu gelegentlichen Einkäufen ging. Die volkskundlichen Reportagen sind unsentimental und detailgetreu geschrieben.

Ihr Ehemann Hans-Jörg Schupp gab die Bilder für die Ausstellung frei, die bereits im Umfang von 3400 Fotografien im Besitz des Museums liegen. Gerda Schupp-Schied hatte die Fotos gesammelt für ihre Zeitungsartikel, für ihre Bücher und für ihre Vorträge, Aufnahmen professioneller und halb-professioneller Fotografen, meist aber aus Fotoalben von Privatpersonen. Darum wirken sie wie aus dem Leben gegriffen. Sie hat die Bilder zumeist auf der Rückseite beschriftet.

Die Aufnahmen privaten Lebens reichen von der Taufe bis zu alten Leuten, bei denen das Leben deutliche Spuren hinterlassen hatte. An den Gesichtern der Großeltern kann man oft die Freude an ihren Enkeln ablesen. Bräuche bei Hochzeiten, Eindrücke von Märkten, beispielsweise das Waschen eines Ferkels vor dem Verkauf auf dem Markt, Arbeiter beim Straßen-, Eisenbahn- oder Hausbau und vor allen die Bauern in Feld und Hof, insbesondere die Arbeit von Frauen, von der Kulturarbeit im Forst, über Kellnerinnen bis zum „Fräulein vom Amt“. Mit Statussymbolen wie Pferden, Zuchttieren, Motorrad oder einem frühen Automobil ließ man sich gerne fotografieren.

Auffallend ist, dass kaum Fotos aus dem katholischen Bereich vorhanden sind, da Gerda Schupp-Schied überwiegend im evangelischen Südries unterwegs war. Zu dem Bild vom Vergangenen gehörten auch Redewendungen, Sprichwörter und der Rieser Dialekt. Die Ergebnisse ergeben in der Ausstellung ein detailreiches Bild vom vergangenen Leben.

Ruth Kilian dankte Ingrid Rickstat für die Zusammenstellung, das Layout und Arrangement der ausgewählten Bilder. Sie dankte auch Restaurator Horst Geppert für das aufwendige Rahmen der Fotografien, und den Haustechnikern Hans Sprößer und Wolfgang Mack für das Aufhängen der Bilder, Barbara Hahnemann für das Aufziehen und Schneiden der Bildunterschriften, Karin Kopf und Sandra Salcher für die Organisation und den Verlegern Fritz und Helga Steinmeier für die Anregung zu der Ausstellung.

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