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Nördlingen

12.09.2019

Nördlingen: So entsteht das Radwegekonzept

Für die Stadt Nördlingen wird derzeit ein Radwegekonzept erarbeitet. Eine erste Maßnahme daraus ist, dass Radler künftig durch das Reimlinger Tor in die Stadt fahren sollen – sie können aber auch den Geh- und Radweg rechts nutzen.
Bild: Jan-Luc Treumann

Ein Planungsbüro untersucht derzeit, wie gut es sich in Nördlingen radeln lässt. Diese Ergebnisse sind schon bekannt.

Radeln ist in – auch in Nördlingen. Und wer bislang daran zweifelte, den könnte eine Untersuchung des Planungsbüros Var+ vielleicht endgültig überzeugen. Das Büro erarbeitet derzeit ein Radwegekonzept für die Stadt. Mitarbeiter haben dafür an mehreren Stellen beobachtet, wie viele Radler unterwegs waren. Eine dieser Stellen war das Baldinger Tor, wie Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel sagt. Das Ergebnis: In sechs Stunden zählten die Var+-Mitarbeiter mehr als 600 Radler. Damit machten die 23 Prozent der gesamten Verkehrsteilnehmer aus.

Das Büro hat nicht nur die Anzahl der Radler untersucht, sondern auch die Bedingungen, mit denen diese in Nördlingen zurecht kommen müssen. Unter anderem seien dafür zwei Beschäftigte von Var+ mit einer Videokamera durch die Stadt gefahren, berichtet Sigel. Grundsätzlich sei die Stadt fahrradfreundlich, meint Fabian Makolla vom Stadtbauamt, der das Thema betreut – schließlich sei es im Krater „topfeben“.

An der Hochwegbrücke werden Radfahrer immer wieder übersehen

Doch es gibt durchaus Stellen, für die die Var+-Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge haben. Etwa die, an denen sich immer wieder Unfälle ereignen. Wie berichtet, gehört die Ulmer Straße dazu. Oberbürgermeister Hermann Faul hatte im Interview mit unserer Zeitung gesagt, dass man an dieser Stelle über einen Kreisverkehr nachdenke. Ein Projekt, dass der Stadtrat im Zweifel wohl im Rahmen der Haushaltsberatungen Ende 2019/Anfang 2020 diskutieren muss. Auch an der Hochwegbrücke, an der Kreuzung zur Egerländer Straße, hatte es in der Vergangenheit Unfälle mit Radlern gegeben. Weil Autofahrer, die von der Brücke kommen und nach rechts in Richtung Gewerbegebiet abbiegen wollen, Radler übersehen. Nicht zuletzt gab es in der Nürnberger Straße immer wieder Unfälle, sagt Stadtplaner Makolla. Denn auf dem Radweg – stadtauswärts gesehen an der linken Fahrbahn – seien die Radler in beide Richtungen unterwegs. Davon wird mancher Autofahrer überrascht.

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Rund 300 Maßnahmen soll das Radwegekonzept am Ende umfassen, es soll im Nördlinger Stadtrat verabschiedet werden. Manches Mal gehe es nur um ein Schild, ein anderes Mal um einen neuen Radweg, erklären Makolla und Sigel. Noch liegt das Konzept nicht vor. Es soll sich übrigens nicht nur mit der Kernstadt, sondern auch mit der Anbindung der Stadtteile beschäftigen. Nach Baldingen, Kleinerdlingen und Nähermemmingen komme man, meint Sigel, genauso wie nach Löpsingen, Pfäfflingen und Dürrenzimmern. Doch entlang der Verbindungsstraße vom Freibad nach Herkheim gebe es keinen Radweg. In Richtung Schmähingen sei der nur bis Reimlingen ausgebaut. Und nach Grosselfingen könne man zwar über das Heutal radeln, müsste im Zweifel aber eine kurze Schotterstrecke in Kauf nehmen.

Für Sigel das Radwegekonzept eine Vision

Stadtbaumeister Sigel nennt das Radwegekonzept eine „Vision“, die nicht in Stein gemeißelt sei – schließlich könnten neue Gefahrenstellen auftauchen, andere wegfallen. Es gehe nicht darum, alle rund 300 Maßnahmen auf der Stelle abzuarbeiten. Doch wenn an einer Straße sowieso schon gebaut werde, dann erledige man auch gleich den Aspekt Radfahren. So wie am Reimlinger Tor: Ein Radstreifen wurde aufgezeichnet, Radler sollen durch das Tor fahren, können aber auch weiterhin den gemeinsamen Geh- und Radweg nutzen. Eine Lösung, die in Nördlingen nicht unumstritten ist. Sigel ist überzeugt: Radler sind in diesem Fall besser auf der Straße aufgehoben. Schließlich fahren viele mit einem E-Bike, argumentiert er, werden 30, 40 Stundenkilometer schnell – eine Geschwindigkeit, die auf kombinierten Geh- und Radwegen nicht erlaubt sei, dort gelte Schrittgeschwindigkeit. Radler dürften sich nicht einschüchtern lassen und ganz eng am Fahrbahnrand fahren – sondern sie sollten sich breit machen, meint Sigel.

Bislang gab es am Reimlinger Tor keinen Unfall, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter der Nördlinger Polizei, Robert Schmitt. Aus seiner Sicht sind gemeinsame Geh- und Radwege grundsätzlich sicherer – aber da gebe es die Gefahr der Konfrontation zwischen Fußgänger und Radler. Besonders kritisch für Radler sind aus Schmitts Sicht Überquerungen und Einmündungen – vor allem, wenn ein Radweg auf der einen Seite aufhört und auf der anderen Seite wieder anfängt. Am besten sei es, wenn es einen richtigen Fahrstreifen für Radler gebe.

In der Altstadt Nördlingens ist das aber oft nicht möglich, sagt Stadtbaumeister Sigel: Dafür reiche die Straßenbreite schlicht nicht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Martina Bachmann: Radwege in alle Ortsteile

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13.09.2019

am Besten wäre nach dem Bau eines Parkhauses vor den Toren die Altstadt für den motorisierten Verkehr (außer Stadtbus, Taxis) zu sperren. Somit wäre genügend Platz für Fahrräder und Fußgänger und die Fußgänger werden von den Radfahrern auf den Gehwegen nicht mehr gefährdet.Auf den Zufahrt- Ausfallstraßen (sind breit genug) könnten Fahrstreifen angelegt werden. Dadurch werden Gefährdungen der Radfahrer (z.B. linksseitige Radwege) stark verringert.

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