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Oettingen

16.05.2015

Outlet: Einzelhandel zieht mit

So sieht die Innenstadt Oettingens derzeit aus – und so soll sie auch weiterhin aussehen, wenn es nach den Bürgern hinter dem Projekt „ROC“ geht. Das mögliche Outlet-Center soll das Stadtbild nicht fundamental verändern.
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So sieht die Innenstadt Oettingens derzeit aus – und so soll sie auch weiterhin aussehen, wenn es nach den Bürgern hinter dem Projekt „ROC“ geht. Das mögliche Outlet-Center soll das Stadtbild nicht fundamental verändern.

Das Projekt „Romantic Outlet City“ in Oettingen steht noch am Anfang, doch bald könnte der erste Schritt getan werden. Allerdings gibt es auch noch Ungewissheiten

In Bad Münstereifel gab es zunächst den Ansturm und dann die erste Ernüchterung. Als der City-Outlet im August 2014 in der Stadt in Nordrhein-Westfalen eröffnete, brach zwischenzeitlich ein Parkplatz-Notstand aus, da sich so viele Besucher für die neuen Läden interessierten. Am Anfang dieses Jahres bot sich schon ein anderes Bild. Die erste Euphorie war verflogen, das Weihnachtsgeschäft vorüber, in der Stadt sprachen einige von „Totengräberstimmung“, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete. Wie es sich nun langfristig entwickelt, das interessiert auch in Oettingen viele.

Schließlich hat sich dort eine Gruppe von Bürgern zusammengetan, um ein ähnliches Projekt anzugehen: Auch in Oettingen soll ein Outlet-Center entstehen. Auch dort soll keinesfalls ein riesiges Einkaufscenter an den Stadtrand gebaut werden, wie es sonst oft der Fall ist, wenn es um Outlets geht. Stattdessen soll es in Oettingen einmal viele kleien Outlet-Läden geben, die etwa in den Gebäuden in der Innenstadt ihren Platz finden, die leer stehen. Wie in Bad Münstereifel.

In die Stadt, gut 60 Kilometer von Köln entfernt, pilgern derzeit Delegationen aus ganz Deutschland, vor allem aus Städten mit einer überschaubaren Größe. Auch die Mitglieder der Gruppe, die hinter dem Projekt „Romantic Outlet City“ in Oettingen steht, waren schon vor Ort, Bürgermeisterin Petra Wagner ebenso. Bad Münstereifel ist das Vorbild. Doch eigentlich habe Oettingen noch bessere Bedingungen als die Stadt in Nordrhein-Westfalen und liege etwa verkehrstechnisch günstiger, sagt German Fall, der zur Planungsgruppe ROC gehört.Als die Gruppe sich 2012 zum ersten Mal traf, trieb sie Gedanken um die Zukunft Oettingens um. „Die Leerstände sind ja da“, sagt der Gastronom Lino Vertucci. Und von alleine, ergänzt die Architektin Katrin Ott, würden sie nicht verschwinden „In den letzten drei Jahren haben wieder mehr Läden zugemacht als eröffnet“, sagt sie. Und in vielen Geschäften stehe bald ein Generationswechsel an, was oft Schließungen zur Folge hat. Die ROC- Gruppe hat im Laufe der Jahre geplant, organisiert und mit Dieter Hölderle auch einen wichtigen Vertreter der Einzelhändler vor Ort mit ins Boot geholt. Hölderle war am Anfang „überhaupt nicht dafür“, wie er zugibt, sieht mittlerweile aber ein City-Outlet in Oettingen als Chance, auch für den bereits existenten Handel vor Ort.

Nun ist die Stadtverwaltung am Zug. 80000 Euro stehen im Haushalt 2015 für Machbarkeitsstudien zur Verfügung, nach Informationen der Rieser Nachrichten hat die Firma Converticon bereits im November ein Angebot abgegeben. Ob es dieses Angebot wird, ist allerdings ungewiss. Nach Auskunft von Wagner steht eine Ausschreibung für die Studie im Raum, möglicherweise entscheide der Stadtrat schon im Juni darüber. Erst mit dieser Machbarkeitsstudie sollen zentrale Fragen geklärt werden: Wo könnten all die potenziellen Besucher parken? Wird eine eigene Gesellschaft für das Projekt gegründet, wie es die Planungsgruppe anstrebt? Und vor allem: Wie und in welcher Form kann das Projekt finanziert werden?

Bei Outlet-Centern ist es üblich, dass Investoren von außen Planung und Finanzierung übernehmen, die mit Projekten dieser Größe Erfahrung haben. Auch die ROC in Oettingen soll nach dem Willen der Planungsgruppe sehr groß werden, eine Verkaufsfläche von 13000 Quadratmeter steht im Raum. Doch das klassische Investorenmodell, wie es auch in Bad Münstereifel existiert, will die Initiative hinter der ROC nicht. „Wir wollen nicht, dass die ganze Stadt mal jemand anderes gehört“, sagt German Fall. Stattdessen könnte es etwa eine Betreiberfirma geben, sagt Gastronom Vertucchi.

Doch bis es soweit ist, stehen noch einige Ungewissheiten im Raum. Eine Ungewissheit ist die Stadt Feuchtwangen, die ebenfalls lautstark über ein City-Outlet nach Modell von Bad Münstereifel nachdenkt. Zwar hat das Bundeskartellamt entschieden, dass die Radiusklausel von 150 Kilometer ungültig ist, dass die Betreiber von Outlet-Centern den Herstellern von Markenartikeln also nicht verbieten dürfen, Ladenlokale in einem anderen Outlet-Center innerhalb dieses Radius’ zu eröffnen. Das machte die ROC rechtlich möglich, schließlich ist das „Ingolstadt Village“, das Outlet-Center in Ingolstadt, keine 80 Kilometer von Oettingen entfernt. Doch nach Feuchtwangen sind es von Oettingen gerade einmal 40 Kilometer. Und in dem Abstand ist die Klausel kartellrechtlich nach wie vor erlaubt. Vertucchi gibt sich jedoch gelassen. Feuchtwangen, sagt er, sei man in der Planung derzeit noch voraus.

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