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Nördlingen

05.05.2020

Rieser Ärzte bieten Patienten Sprechstunde per Videokonferenz an

Die Nördlinger Ärztin Dr. Claudia Völkl und ihr Sohn Sebastian Völkl bei der Videosprechstunde mit einer Patientin. Die Technik habe bei bestimmten Diagnosen aber auch ihre Grenzen, betonen die beiden Mediziner.
Bild: Matthias Link

Plus So funktioniert die digitale Sprechstunde bei einigen Nördlinger Medizinern. Seniorenheime des Landkreises planen, das Online-Angebot ebenfalls zu nutzen.

Arztpraxen sind Orte, die viele Menschen derzeit nach Möglichkeit meiden. Die Allgemeinarztpraxis Dr. Völkl hat deshalb seit Kurzem an den beiden Standorten Nördlingen und Amerdingen eine Videosprechstunde eingeführt. „Unser Ziel ist es, erstens nach wie vor für alle da zu sein, die sich nicht mehr in die Praxis reintrauen, und zweitens geht es um den Seuchenschutz: Wir wollen Patientenkontakte vermeiden, sodass wir in den Wartezimmern nur noch die notwendigen Fälle haben“, sagt Sebastian Völkl, Arzt in Weiterbildung für Allgemeinmedizin.

Der technische Aufwand für Patienten sei minimal, erklärt er: „Der Patient benötigt nur ein Smartphone, Tablet oder einen PC mit Kamera und Mikrofon. Er bekommt per E-Mail einen Link zugesendet, über den ein sicherer Tunnel zum Arzt hergestellt wird.“ Die Software sei zertifiziert, ein sicherer Zugang gewährleistet. Wenn der Patient dann mit der Praxis verbunden sei, müsse er noch kurz in einem virtuellen Wartezimmer Platz nehmen.

Die Videosprechstunde eigne sich gut zur Diagnostik bei Hautausschlägen, aber auch dicke, eitrige Mandeln sehe man gut durch die Kamera, so Völkl. Auch bei Fragen zu chronischen Wunden und bei psychischen Problemen könne den Patienten auf digitalem Weg oftmals gut geholfen werden. „Auf Atemwegsinfekte unterhalb des Kehlkopfs muss ich aber drauf horchen, das geht digital nicht. Einen Bauch muss ich auch anfassen“, sagt Völkl zu den Grenzen der Technik. Die Videosprechstunde werde insgesamt gut angenommen, fast täglich gebe es Videosprechstunden. Die Fälle, in denen der virtuelle Kontakt den realen Praxisbesuch erübrige, seien jedoch Ausnahmen, da oftmals noch ein Rezept abgeholt werden müsse. Überhaupt sei die Videosprechstunde nur für die derzeitige Corona-Krise gedacht und könne nicht dauerhaft den persönlichen Arztbesuch ersetzen, sagt Völkl.

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Auf Vorschlag von Sebastian Völkl haben auch die vier gKU-Seniorenheime des Landkreises für jeden Standort jeweils ein Tablet angeschafft, um die Videosprechstunde nutzen zu können. Mitte oder Ende Mai sollte dann alles funktionieren, sagt Elisabeth Oestringer, die Heimleiterin des Bürgerheims und des Donau-Ries-Seniorenheims Monheim.

In der Frauenheilkunde eher nicht praktikabel

In der Frauenarztpraxis Dres. Schaich und Hübner hat man die Videosprechstunde Anfang April aufgrund der Pandemie eingeführt, da nur noch Schwangere und Notfälle in der Praxis behandelt wurden. „In der Frauenheilkunde leben wir aber vom persönlichen Kontakt mit den Patientinnen, da ist die Videosprechstunde nicht praktikabel. Vorsorge bei Schwangeren, Krebsvorsorge und Untersuchungen bei Beschwerden können nicht per Videosprechstunde behandelt werden“, sagt Dr. Robert Schaich. Wenn es bloß um Beratungsgespräche gehe, zum Beispiel bei Pillenverordnungen, sei die Technik hingegen nützlich. Das Angebot sei von den Patientinnen aber nicht angenommen worden, insgesamt habe es nur sechs Videokontakte gegeben. Wenn die Patientinnen zusätzlich noch in die Praxis kommen müssen, werde die Vergütung für die Videosprechstunde zudem wieder hinfällig. Insgesamt kommt Dr. Schaich zu dem Ergebnis, dass die Videosprechstunde den organisatorischen Aufwand nicht lohne, da die Online-Termine in den normalen Praxisablauf integriert werden müssen. „Wir werden das Angebot im Juni wieder einstellen“, so Dr. Schaich.

Weitere Mediziner mit einer Videosprechstunde sind der Allgemeinarzt Dr. Georg Frank in Nördlingen und die neurologische Gemeinschaftspraxis Dres. Gierer in Dillingen.

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