Newsticker
Pfizer kann nicht so viel Impfstoff liefern wie zugesagt
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Sie steht Sehbehinderten im Landkreis Donau-Ries zur Seite

Unterstützung

03.05.2020

Sie steht Sehbehinderten im Landkreis Donau-Ries zur Seite

Dass Petra Ragginger selbst kaum noch Sehkraft besitzt, macht sie kompetent bei der Beratung von Sehbehinderten und Blinden.
Bild: Ragginger

Plus Petra Ragginger verlor vor 22 Jahren ihr Augenlicht. Schnell war für sie klar, dass sie anderen Betroffenen im Landkreis Hilfe anbieten wollte. So hilft sie heute.

Vor 22 Jahren begann das Erlöschen des Augenlichts auf Umwegen: Petra Ragginger hatte 1998 Nierenprobleme, musste ab 1999 an die Dialyse. In dieser Zeit zog sie mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn nach Italien, wo sie Ferienwohnungen in einer Anlage verwalteten. Lange Zeit standen die gesundheitlichen Probleme diesem Leben nicht im Wege, aber nach sechs Jahren wurde nach zwei Augeninfarkten aufgrund schlechter Nierenwerte der Sehnerv schwer geschädigt.

Die Familie zog zurück nach Deutschland und nach einer Nierentransplantation 1999 sank die Sehstärke nach vorübergehender völliger Erblindung auf drei Prozent. Als unverwüstliche Optimistin machte die damals 48-Jährige das Beste daraus. Sie wandte sich an den Bayerischen Blinden- und Sehbehinderten-Bund (BBSB), der ihr unter anderem beim harten Kampf um das Blindengeld half. Die Anregung einer Pflegekraft, im damals gerade unbesetzten Nördlinger BBSB-Ortsverein Leidensgenossen aus dem Landkreis ehrenamtlich zur Seite zu stehen, nahm sie sofort begeistert auf; tatenlos zu Hause herumzusitzen lag nach wie vor nicht in ihrer Natur.

Also rief sie Menschen an, die neu von Sehproblemen betroffen waren und konnte so ihre Not zur Tugend machen: „Es hilft ganz besonders, wenn jemand mit einem spricht, der selbst von Sehproblemen betroffen ist“, sagt sie. „Das gibt mir selbst wiederum sehr viel.“ Dazu hat sie zwei Sprechstunden eingerichtet – eine in Donauwörth und eine im Nördlinger Bahnhof. Persönliche Treffen sind auch hier derzeit nicht möglich, doch sie hält mit den 47 Blinden und Sehbehinderten aus dem Landkreis, die sie derzeit betreut, telefonisch Kontakt.

Eines der Hauptprobleme, bei denen sie hilft, sind Diagnosen, die Betroffene kaum oder gar nicht verstehen, weil den Ärzten oft die Zeit fehle, sie laiengerecht zu erläutern. Petra Ragginger kann die Fachsprache übersetzen, weil sie zweimal im Jahr Schulungen beim BBSB absolviert, in denen eine Augenärztin die verschiedenen Augenkrankheiten darstellt. Ein typischer Fall ist eine Makula-Degeneration. Dabei wird der schärfste Punkt des Sehens am hinteren Teil des Auges durch zu viel UV-Licht geschädigt, das verstärkt eindringt, wenn beispielsweise im Zuge einer Operation des grauen Stars die natürliche Linse entfernt wurde.

Zu den Aufgaben zählt auch das Soziale, was aktuell schwierig ist

Neben medizinischen oder behördlichen Angelegenheiten kümmert sie sich um das soziale Zusammensein: An jedem letzten Freitag im Monat ist Stammtisch, einmal im Jahr wird ein Ausflug veranstaltet, Anfang Dezember gibt es eine Weihnachtsfeier. Ende Juli organisiert sie immer ein großes Treffen in der Ausflugsgaststätte Eisbrunn. Petra Ragginger hofft inständig, dass dieses Ereignis heuer stattfinden kann, denn Corona legt derzeit alle Kontakte untereinander lahm und für Menschen, denen es an Augenlicht mangelt, ist die Einsamkeit doppelt schwer, wenn niemand bei ihnen lebt.

Vom Verein aus zieht sie Drähte zu anderen Einrichtungen, koordiniert mit dem Nördlinger Seniorenbeirat Ausflüge und Fachvorträge, zu denen sie wiederum den Diabetikerbund Bayern ins Boot holt. Gelegentlich ergänzt sie an Schulen den Biologieunterricht zum Thema Auge, wobei ein Betroffener mit Blindenhund assistiert. Immer wieder sei sie erstaunt über das Einfühlungsvermögen, das die Schüler durch ihre Fragen zum Ausdruck bringen, erzählt sie. Bei der Stadt Nördlingen war ihre Mitwirkung zwar schon mehrmals bei der blindengerechten Straßen- und Wegegestaltung gefragt, aber auf die meisten Vorhaben wie Geh-Orientierungslinien mittels geriffelter Steinbänder im Boden wartet sie immer noch.

Weitere Wünsche für die Zukunft seien eine intensivierte Kommunikation der Augenärzte mit den Patienten und eine größere Offenheit von Firmen, auch Blinde und Sehbehinderte einzustellen, zum Beispiel für die zahlreichen Aufgaben, die telefonisch erledigt werden können. Durch mehr Achtung und Rücksichtnahme beispielsweise von Radfahrern in der Fußgängerzone könnte Blinden und Sehbehinderten auch bei uns in der Region viel Unsicherheit genommen werden, meint sie.

Wer an Informationen interessiert ist, kann Petra Ragginger, die in Lierheim lebt, unter Telefon 09083/969516 oder 0160/3411870 anrufen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren