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Nördlingen

08.07.2020

So viele Bürger unterschrieben gegen das Nördlinger Egerviertel

Auf dem ehemaligen Anker-Gelände nahe der Stadtmauer soll ein Gebäudekomplex mit dem Namen „Egerviertel“ entstehen. Vor der Kommunalwahl ist ein Konflikt um das Vorhaben entbrannt. Nun haben Bürger eine Unterschriftenliste gegen die bisherige Planung eingereicht.
Bild: Anton Färber

Plus Am Donnerstag stellen die Investoren das modifizierte Projekt dem Nördlinger Stadtrat vor. Selbst der Oberbürgermeister weiß nicht, was ihn erwartet. Am Mittwoch haben Bürger ihm eine Unterschriftensammlung übergeben.

Im Januar entbrannte eine Debatte über das Egerviertel in Nördlingen. Seitdem sammelten Bürger - unterbrochen von der Coronakrise - Unterschriften gegen das Projekt. Oberbürgermeister David Wittner spricht von einer „erklecklichen Anzahl“, als die Initiatoren ihm am Mittwochmorgen die Unterschriften in der Bundesstube des Rathauses übergeben. „Das ist ein klares Signal aus der Bürgerschaft, dass es große Bedenken gegenüber den bisherigen Planungen des Egerviertels gibt“, betont er.

1269 Bürger haben gegen das Egerviertel in der geplanten Form unterschrieben. Diese sieht bislang 82 Wohnungen, eine Kindertagesstätte mit Hort, eine Beratungsstelle, ein Café und Büros sowie eine dazugehörige Tiefgarage mit 125 Stellplätzen vor. Letztere ist einer der großen Kritikpunkte, die die Initiatoren Werner Luther und Andreas Lachenmeyer gegenüber Wittner äußern. Durch den unterirdischen Bau könnten umliegende Gebäude und sogar die Stadtmauer Schaden nehmen. Die Haftungsfrage, insbesondere für Langzeitschäden, sei ungeklärt.

Die Initiatoren des Protests Werner Luther (links) und Andreas Lachenmeyer übergeben die Listen an Oberbürgermeister David Wittner.
Bild: Philipp Wehrmann

Zudem müssten mehrere Tausend Lastwagenfuhren Erdreich aus der engen Altstadt weggebracht werden, kritisiert Luther. Dabei sei die Gasse an der Stadtmauer ohnehin ein Nadelöhr und nur einspurig befahrbar. Außerdem könne es nicht sein, dass sich Normalbürger strengstens an die Altstadtsatzung halten müssten und Großprojekte einen Freibrief erhielten.

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Seit der Wahl liefen wieder Gespräche mit der Stadt Nördlingen

Der Oberbürgermeister sagt daraufhin, die Anzahl der Unterschriften verdeutliche, dass es sich nicht nur um ein Anliegen von Anwohnern handle. „Es zeigt auch den Stellenwert unserer historischen Altstadt.“ Die Eigentümer, Investoren und Planer seien nach der Wahl und vor Amtsübergabe an ihn herangetreten, nachdem das Projekt im Februar von ihnen zurückgestellt worden war. An den Gesprächen seien das Stadtbauamt, die Kämmerei, Heimatpfleger Dr. Wilfried Sponsel und das Landesamt für Denkmalpflege beteiligt gewesen. In diesen Gesprächen habe die Stadt zum Ausdruck gebracht, dass man „erhebliche Schwierigkeiten“ bei der Realisierung der momentanen Pläne sehe.

Dass der Oberbürgermeister den bisherigen Planungen kritisch gegenübersteht, ist nicht neu. Bereits im Januar, vor Amtsantritt, hatte er gegenüber unserer Redaktion ein „altstadtverträgliches“ Egerviertel gefordert. „Wir sind kein Ballungsraum. Das Projekt muss auf Nördlinger Maße gestutzt werden“, sagte er damals.

Eigentümerfamilie soll Grundstück entwickeln können

Einig ist er sich aktuell mit den Kritikern über einen weiteren Punkt: „Fest steht aber auch, dass wir der Eigentümerfamilie die Chance geben müssen, das Grundstück zu entwickeln.“ Luther und Lachenmeyer nicken. Das stehe außer Frage, sagt Luther. „Denkbar wäre aus unserer Sicht eine Variante ohne Tiefgarage, möglicherweise mit einem oberirdischen Parkhaus mit Satteldach“, sagt der Bauunternehmer.

Auf Nachfrage unserer Redaktion, inwieweit die Stadt das Heft des Handelns in der Hand hält, erklärt Wittner, beim derzeitigen Verfahren über einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Egerviertel liege die Entscheidung allein beim Stadtrat. Gleichwohl habe jeder Bauherr das Recht, auf Grundlage der bestehenden Bebauungspläne in der Altstadt einen Bauantrag zu stellen.

Am Donnerstag präsentieren die Investoren das Projekt öffentlich dem Nördlinger Stadtrat. Wittner sagt, eine öffentliche Diskussion über das Egerviertel sei notwendig. Bisher kennen ihm zufolge der Stadtrat, die Verwaltung und er selbst die modifizierten Pläne nicht. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Stadtsaal Klösterle. Auch das weitere Vorgehen beim Hallenbad steht auf der Tagesordnung.

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09.07.2020

Die Anzahl der Unterschriften ist nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung. Man müßte die Liste mal prüfen, ob es sich nur um Nördlinger Bürger handelt. Bei der Unterschriftensammlung wurde den Unterzeichnern m.E. nur die Nachteile, nicht aber die Vorteile suggeriert. Es wird immer Außnahmen von der Altstadtsatzung geben. Die jetzigen Gebäude ragen auch schon über die Stadtmauer, wie auch viele anderre Häuser auch. Bei mir in der Nachbarschaft besteht auch eine Tiefgarage, mein Nachbar hat bei seinem Neubau einen riesigen Keller ausgehoben und es ist eine weitere Tiefgarage in unittelbarer Nachbarschaft in der Altstadt im Gespräch. Der Erdaushub dürfte nicht viel kleiner als im Egerviertel sein. Die Nachbarhäuser, sowie die Stadtmauer haben bisher keinen Schaden genommen. Ich denke, dass es Touristen egal ist, ob die Häuser einen Meter höher oder niedrige sind. Bisher war eine Brauerei mit Getränkemarkt angesiedelt. Der Verkehr durch LKW´s, PKW´s und Traktoren war wahrscheinlich auch nicht geringer als er in Zukunft sein wird. Als alternative könnte man die Altstadt für den motorisierten Fahrzeugverkehr sperrren und nur noch für Anwohner freigeben. Somit wäre der Bring- und Holverkehr für die Kita ausgeschlossen und in Nördlingen wäre viel Platz für Radfahrer und Fußgänger vorhanden.

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