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Landwirtschaft

03.06.2019

Spargel: Warum in Laub eine Maschine Menschen ersetzen muss

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Der angemietete Spargelvollernter: Vier Personen können darauf sitzen und sortieren den Spargel aus, packen ihn danach in Kisten. Die Maschine nimmt den Saisonarbeitern viel Arbeit ab.
Bild: Verena Mörzl

Plus In der Oberen Mühle in Laub fallen nach mehr als 20 Jahren die Erntehelfer aus. Deren Absage kommt nur wenige Wochen vor Saisonbeginn. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Erich Göggerle steht auf der Maschine, die ihm zu einem großen Teil die Spargelsaison gerettet hat. Er legt seinen Arm auf das Steuerelement des Spargelvollernters und atmet durch. Die Geschichte, die hinter ihm liegt, hat ihn sichtlich mitgenommen.

Seit mehr als 20 Jahren hat Erich Göggerle dieselben Erntehelfer – eine Familie mit Freunden aus der Slowakei, die jedes Jahr die etwa sechs Wochen der Spargelsaison bis Johanni auf dem Spargelhof arbeitete. Jahr für Jahr wurde Spargel gestochen, gewaschen und über die Sortieranlage befördert. Die Hilfskräfte verdienten sich einen Lohn dazu, erzählt der Spargelbauer. Beispielsweise, um das Eigenheim schneller abzubezahlen. Es entstand eine Art Freundschaft. „Wir waren stolz auf die jahrelange Zusammenarbeit“, sagt Ehefrau Karolina Göggerle. Das Vertrauensverhältnis sei immer gut gewesen. Die Slowaken wurden auf dem Hof rundumversorgt. Doch dieses Jahr kamen sie nicht.

Spargelerntehelfer wollen nicht mehr in Deutschland arbeiten

Die Familie aus dem Ries hat nun eine nervenaufreibende Zeit hinter sich. Etwa vier Wochen vor dem Start den Spargelsaison telefonierte Göggerle wie immer mit seinen Erntehelfern. Sie begrüßten sich am Telefon und schon bald war das heikle Thema auf dem Tisch. Erich Göggerle und seine Frau waren wie vor den Kopf gestoßen, erzählen sie. „Wenn sie im Dezember abgesagt hätten, hätten wir mehr Möglichkeiten gehabt“, klagt er und versteht die Familie trotzdem. Es gibt kaum noch Anreize, zur Spargelernte nach Deutschland zu fahren. Die Löhne sind in der Slowakei gestiegen – dank der EU. Das Spargelstechen ist körperlich anstrengend und nicht attraktiv.

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Es war für die Göggerles unmöglich, so kurzfristig noch andere Spargelhelfer zu bekommen. Auf eine Vermittlungsagentur wollte sich der kleine Betrieb nicht einlassen. Ein Bekannter aus Polen war sich schließlich sicher, eine Lösung gefunden zu haben. Doch nach der rund 1500 Kilometer langen Anreise von dessen acht Bekannten aus der Ukraine ins Ries kam die Ernüchterung, wie Erich Göggerle erzählt. Sie dürfen in Deutschland nicht arbeiten. Seine Frau suchte Rat beim Landratsamt. Die Antworten sollen ebenfalls entmutigend gewesen sein. Auf Nachfrage unserer Zeitung ist der Behörde der Fall Göggerle nicht bekannt.

Die osteuropäischen Länder brauchen ihre Arbeiter selbst

Werner Möritz, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Donauwörth, weiß, wie unattraktiv Deutschland für Hilfskräfte wie Fachkräfte gleichermaßen geworden ist. In Ländern wie Polen, Rumänien und auch der Slowakei herrsche nahezu Vollbeschäftigung, sagt er. Die Länder brauchen ihre Arbeitskräfte selbst.

Vergangenes Jahr forderte der Hauptgeschäftsführer des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbands GLFA, Burkhard Möller, dass sich die Bundesregierung um ein Abkommen zwischen Deutschland und der Ukraine kümmern müsse. So könnten wieder mehr Hilfskräfte in Deutschland arbeiten. Doch ob es damit einfacher wird, ist nicht gesagt. Seit dem die Westbalkan-Regelung gilt, eine Sonderregelung für Menschen aus Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Bosnien und Nord Mazedonien, sind die Botschaften so massiv mit Anfragen überlastet, dass Arbeiter rund ein Jahr auf einen Termin warten.

Keine greifbaren Optionen somit auch für die Lauber Spargelfamilie. Der letzte Ausweg war eine Vollerntemaschine. Doch damit hatte Erich Göggerle bereits schlechte Erfahrungen. Ständig steckte die Maschine im sandigen Boden fest. „Die Maschinen sind noch nicht so ausgereift“, urteilt der Rieser. Also hat er dem Maschinenbauer die Kinderkrankheiten geschildert. Die Maschine, die sie dieses Jahr anmieten, wurde in einer Hauruck-Aktion gebaut, um den Göggerles zu helfen. Eine Nummer größer als die alte. Es war also Hoffnung in Sicht.

Reibungslos lief aber auch die Auslieferung nicht ab. 14 Tage der Spargelsaison musste die Familie auf den Spargelvollernter warten. Immerhin konnte sie mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden und wenigen Erntehelfern die erste Zeit überbrücken. Allerdings wuchs der Spargel aus, einiges war nicht mehr zu gebrauchen, musste gestochen und entsorgt werden. Abgesehen von den Schwierigkeiten mit dem Personal und der Maschine spielte in diesem Jahr das Wetter auch nicht mit. Erst kam der Frost, dann wurde es nass.

Erich Göggerle steht am Steuergerät des Spargelvollernters.
Bild: Verena Mörzl

Der Spargel der Oberen Mühle in Laub ist gefragt, sogar in der gehobenen Gastronomie. Unter anderem, weil die Familie ohne Plastikfolien arbeitet. Funktioniert die neue Maschine, will sich Erich Göggerle überlegen, sie zu behalten. Vielleicht, so hofft er, findet er dann wieder einfacher Arbeiter. Der Vollernter übernimmt für die Hilfskräfte das Spargelstechen. Sie müssen lediglich auf dem Gerät sitzen und das Gemüse sichten, Mangelware aussortieren. Doch ob sich der Spargelvollernter lohnt und wirklich wirtschaftlich arbeitet, zeigt sich erst am Ende der Saison.

Video: Verena Mörzl
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