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Veranstaltungsreihe

14.01.2019

Spuren im Sport und in der Nördlinger Kneipenszene hinterlassen

Willie Bell, in den sechziger und siebziger Jahren Kultfigur des Nördlinger Basketballs, später auch als Gastronom zunächst durchaus erfolgreich.
Bild: Archiv TSV Nördlingen

Plus Die Bar „Alexanderplatz“ erinnert mit Soulmusik an den legendären Willie Bell. Der hatte einst eine besondere Lokalität in der Stadt.

Man muss mindestens knapp 60 sein, um sich an die Zeiten von „Willie’s Club“ und „Nightlife“ in der Nördlinger Gastronomie zu erinnern. Es waren die wilden Achtziger, „Black Music“ war angesagt, aber in der kleinstädtischen Szene nur selten zu hören. Bei Willie Bell schon und genau daran will Alexander Russe vom „Alexanderplatz“ am Weinmarkt mit einer Veranstaltungsreihe erinnern. Der „Alexanderplatz“ ist prädestiniert für diese „Soul@Gewölbe“-Reihe, weil es Willie Bells letzte Station war, bevor er Nördlingen verließ und nie mehr zurückkehrte.

Bell war in den 1960er-Jahren US-Soldat und in Schwäbisch Gmünd stationiert, wo die Nördlinger Basketballer auch ihren ersten amerikanischen Gastspieler überhaupt, Adam Etienne, rekrutiert hatten. Als es um dessen Nachfolge ging, wurde man auf den sprungstarken, beweglichen und sehr eleganten Amerikaner schnell aufmerksam und verpflichtete ihn. Mit ihm etablierte sich der TSV in der Regionalliga, aber ausgerechnet die Krönung, Meisterschaft, Aufstieg und die Saison 1972/73 in der Bundesliga Süd, erlebte Willie Bell nur sporadisch, weil er in den Vietnam-Krieg abkommandiert wurde. Nach seiner Rückkehr und dem Ausscheiden aus der US-Army spielte er wieder im Regionalliga-Team, zwar nicht mehr so erfolgreich wie vorher, aber zum Publikumsliebling reichte es allemal. Bell wurde sogar verziehen, was in dieser Zeit als unverzeihlich galt: Er wechselte nach Donauwörth und spielte einige Jahre dort. Als Trainer der ersten Nördlinger Herrenmannschaft kam er 1986 zurück, schaffte mit dem Team den Wiederaufstieg in die Regionalliga.

Parallel dazu verwirklichte Bell nach seinem Ausscheiden bei der Firma Signetics seine gastronomischen Ideen. Erste Station war „Willie’s Club“ in der Manggasse (ehemals „Deutscher Kaiser“), der schnell zum Sportlertreff wurde. Der Eingang war videoüberwacht, Einlass gab es nur nach Vorzeigen der Clubkarte. Der Hintergrund: Bell wollte friedlich feiernde Gäste, keine pöbelnden Trinker. Er entschied, wem er eine Clubkarte aushändigte und wem nicht. Als die „Romantische Straße“ an der Ecke Polizeigasse/Weinmarkt zur Neuverpachtung anstand, griff Bell zu, wechselte und vergrößerte sich. Oben Bar mit guten Unterhaltungen, unten Gewölbe mit guter Soul-Musik – das war das Credo. Es ging einige Zeit gut, aber Bell verzettelte sich, verlor den Überblick, als er auch in Augsburg eine Bar eröffnete. Am Ende verließ er Nördlingen mit hohen Schulden beinahe fluchtartig, um nie wieder zurückzukehren. Selbst guten Freunden gelang es trotz wiederholter Versuche nicht mehr, Kontakt zu Willie Bell aufzunehmen, der mit seiner Familie ins Augsburger Umland gezogen war. Die Spur verlor sich.

Wann und wo Willie Bell schwer erkrankt und im Rollstuhl sitzend starb, weiß in Nördlingen keiner ganz genau. Man geht vom Jahr 2003 aus, Bell wäre dann noch nicht mal 60 Jahre alt gewesen. Freunde glauben, dass er in seiner Heimat USA im Kreis seiner Familie gestorben ist.

„Best music in town“ heißt es am Freitag, 18. Januar, ab 21 Uhr im „Alexanderplatz“ . Der Eintritt beträgt fünf Euro. An den Reglern steht Johnny G., aus der „Club Factory“ in Crailsheim (ehemals „Crocodile“) und der früheren Disko „Las Nitti“ bekannt. Die Reihe „Soul@Gewölbe“ soll fortgesetzt werden.

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