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Nördlingen

16.08.2019

Streit zwischen Lokalinhaber und Gast endet vor Gericht

Ein Nördlinger Wirt musste sich vor dem Amtsgericht verantworten.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Einem Nördlinger Gastwirt wird vorgeworfen, einen Jugendlichen verletzt zu haben. Die Aussagen des Opfers sind unglaubwürdig, dennoch bekommt der Wirt eine Geldstrafe.

Ein Abend im Dezember in Nördlingen. Die Gaststätte eines Wirts ist voll, es ist viel los. Ein 16-Jähriger soll in dem Lokal mutwillig Gläser beschädigt und den Gastwirt bedroht haben. Als der Jugendliche wegrannte, soll der Wirt ihn verfolgt und gestellt haben. Einige andere Personen hätten den Jugendlichen zu Fall gebracht, festgehalten und der Wirt soll den auf dem Boden liegenden Randalierer getreten haben. Dem Inhaber des Lokals wurde schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Der Wirt schilderte im Sitzungssaal des Amtsgerichts Nördlingen, wie er den Abend im Dezember erlebt hat. Der Jugendliche sei bereits betrunken gewesen und habe noch etwas trinken wollen. Das habe er abgelehnt und ihn nach draußen gebeten. Als der Inhaber etwas später von der Toilette kam, sah er den jungen Mann erneut in seinem Lokal. „Er hat Gläser kaputt gemacht, ich habe dann versucht, ihn rauszubringen“, sagte der Wirt. Draußen habe der Jugendliche weiter randaliert. Wieder später am Abend ging der Wirt Geld wechseln.

Bei seiner Rückkehr zum Lokal dann das: „Er kam mit Vollgas auf mich zugerannt, hat mich auf den Boden geschmissen und hat angefangen, mich zu schlagen“, berichtete der Wirt. Andere Personen hätten den Jugendlichen von ihm weggezogen, der habe ihn noch am Fuß gehalten. Geschlagen habe er ihn nicht, sagte der Angeklagte, er sei schockiert gewesen, als er von der Anzeige wegen schwerer Körperverletzung erfahren habe.

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Der Jugendliche verstrickt sich in Widersprüche

Wenig Licht ins Dunkel bringen konnte das Opfer. Das behauptete, vor dem Lokal abgewiesen worden zu sein, da er zu jung war. Der Jugendliche verstrickte sich in Widersprüche, behauptete zunächst, sich kaum an den Vorfall erinnern zu können, später sagte er das Gegenteil. Mehrfach wiesen ihn Richterin, Staatsanwalt und der Anwalt des Angeklagten darauf hin, dass er vor Gericht die Wahrheit sagen müsse. Der Anwalt des Angeklagten, Sven Gaudernack, überlegte gar, den Jugendlichen zu vereidigen. Darauf wurde aber verzichtet. Sowohl Richterin Katrin Wegele als auch Staatsanwalt Daniel Kulawig bezweifelten dennoch die Glaubwürdigkeit des Opfers.

Dieses wohnte zu dieser Zeit in einer Wohngruppe in Nördlingen. Eine Betreuerin trat vor dem Amtsgericht als Zeugin auf und sagte: „Als ich an dem Tag um 18.30 Uhr meinen Dienst begonnen habe, war der Jugendliche bereits stark alkoholisiert. Er war desorientiert. Wir konnten ihn aber beruhigen.“ Er sei dann nach draußen gegangen, um zu rauchen. Sie habe zunächst weiter ihren Dienst ausgeführt, bis sie Geschrei hörte. Von dem Fenster der Wohngruppe sah die 49-Jährige den Jugendlichen zu einem nahegelegen Parkplatz rennen.

Sie sei, wie auch ein anderer Jugendlicher aus der Wohngruppe, ein damals 17-Jähriger, hinterhergelaufen. Gemeinsam hätten sie versucht, das aufgebrachte Opfer wegzubringen. Die Frau räumte ein, dass der Jugendliche sehr aggressiv gewesen sei. Sie berichtete, dass er bei einem späteren Aufeinandertreffen mit dem Gastwirt immer wieder auf den Angeklagten losgehen wollte.

Die Aggressivität des Opfers bestätigte der besagte 17-Jährige. „Er war naiv, hat versucht, ihn (den Gastwirt, Anmerkung der Redaktion) zu schlagen“, sagte der Zeuge. Der Wirt habe versucht, sich zu verteidigen. Der Zeuge merkte aber auch an, dass er drei bis vier Personen gesehen habe, die dem Opfer hinterhergerannt seien und versucht hätten, das Opfer zu schlagen.

Liegt Notwehr vor?

Staatsanwalt Kulawig ging in seinem Schlussplädoyer darauf ein, dass keine schwere, aber eine leichte Körperverletzung vorliege. Der Vorwurf, dass Personen das Opfer festgehalten und der Wirt ihn dann getreten hätte, bezweifle er. Dennoch sei, gerade aufgrund der Vorfälle, die sich in dem Lokal ereignet hätten, nachvollziehbar, dass der Wirt in dieser emotionalen Situation auf das Opfer eingetreten habe. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft, unter Berücksichtigung seines Einkommens forderte Kulawig eine Geldstrafe von 3200 Euro.

Anwalt Sven Gaudernack ging anschließend noch einmal auf die Unglaubwürdigkeit des Zeugen ein. Sein Mandant habe aufgrund der vollen Gaststätte andere Dinge zu tun gehabt, als sich um diesen Gast zu kümmern. Zudem betonte er noch eine Aussage des 17-jährigen Zeugen: „Er sagte den entscheidenden Satz, dass sich der Angeklagte verteidigen wollte.“ Es fehle der Vorsatz, wenn der Angeklagte ihn mit dem Fuß erwischt habe, sei das Notwehr gewesen. Gaudernack forderte einen Freispruch.

Richterin Wegele folgte dem nicht und entschied, dass der Angeklagte schuldig sei und eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro zahlen müsse. Der Sachverhalt sei nicht, wie anfangs geschildert. Es sei glaubwürdig, dass der Jugendliche in dem Lokal randaliert habe. Ihrer Meinung nach liege aber keine Notwehr vor, denn als das Opfer am Boden lag, sei keine Gefahr mehr von ihm ausgegangen. Der Wirt sei provoziert worden.

Anwalt Gaudernack konnte nach Prozessende noch nicht sagen, ob er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werde.

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