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25.04.2015

Und ewig streiten die Erben

Beim Testament lauern Gefahren

Nachlässe sorgen häufig für Probleme: Mal geht es um Schulden, mal um fehlerhafte Testamente. In ländlich geprägten Regionen wie dem Ries geht es oft um ein Thema

Nördlingen In dem Film „Und ewig schleichen die Erben“ soll alles ein großer Spaß sein. Es geht um zwei Männer, die als Babys vertauscht wurden; einer stammt aus bescheidenen, der andere aus adeligen Verhältnissen. Es geht um Mordversuche und einen dubiosen Anwalt, um Slapstick, um Geld.

Es ist fast wie im richtigen Leben. Dort werden nur selten Kinder vertauscht, und dass ein Erbe zu Mordversuchen führt, passiert ebenfalls nicht besonders oft. Aber dass eine Erbschaft Streit, Missgunst und Verwirrungen hervorruft: Das geschieht regelmäßig.

Martina Brendel kann viel darüber berichten. Sie ist Anwältin für Familienrecht und Erbrecht in Nördlingen, seit Jahren leitet sie an der Volkshochschule Kurse zum Thema „Erben und Vererben“. Wer erbt oder vererbt, sagt sie, könne viele Fehler machen. Schließlich sei in dem Bereich alles sehr kompliziert.

Da ist zum Beispiel das Testament. Das müsse handschriftlich verfasst sein, sagt Brendel, und zwar komplett handschriftlich. Erst neulich hatte die Anwältin wieder einen Fall, in dem jemand ein Testament maschinell verfasste und lediglich unterschrieb. Das reiche nicht. So ein Testament ist ungültig. Oder zum Beispiel die Sache mit den Schulden. Wer eine Mitteilung erhält, dass er etwas erbt, weiß zunächst nicht, ob zu dem Nachlass auch Verbindlichkeiten gehören. Oft komme es vor, dass jemand erbt, aber keinen Kontakt mehr zum Verstorbenen hatte und daher zunächst gar nicht weiß, ob er Schulden oder Reichtümer erhält.

Kompliziert ist es auch, ein Erbe auszuschlagen, also zu verweigern. Viele Leute glaubten, es reiche aus, einfach dem Amtsgericht einen Brief zu schicken und lapidar zu erklären, dass man nicht erben wolle, sagt Brendel. Doch das sei nicht so. Stattdessen müsse man innerhalb von sechs Wochen entweder persönlich im Amtsgericht erscheinen oder die Angelegenheit in dem Zeitraum von einem Notar regeln lassen.

Wenn jemand eine Erbschaft ausschlägt, geht sie automatisch an seine Kinder weiter. Die könnten den Nachlass entweder selber verweigern, wenn sie erwachsen sind. Sofern die Kinder noch minderjährig sind, müssten das alle Sorgeberechtigten übernehmen. Was eine heikle Angelegenheit sein könne, wenn die Sorgeberechtigten zwei Ex-Partner sind, die nicht mehr miteinander sprechen. Wie gesagt: Alles nicht ganz leicht. Im Ries, erklärt Brendel, würden viele Erbangelegenheiten schon zu Lebzeiten geregelt, vor allem, wenn es um die Hofnachfolge in der Landwirtschaft gehe. Ein häufiges Streitthema. Ein typischer Fall sehe so aus, dass Eltern ihren Hof an einen Sohn übertragen und vertraglich mit ihm vereinbaren, dass er sich dafür um sie kümmert, wenn sie einmal pflegebedürftig werden. „Diese Pflege kann der Hofübernehmer aber oft nicht leisten“, sagt Brendel. Weil er unterschätzt hat, was es bedeutet, einen Hof zu führen und sich gleichzeitig um pflegebedürftige Eltern zu kümmern. Oder weil die Eltern rund um die Uhr gepflegt werden müssen, was jemand, der einen landwirtschaftlichen Betrieb leitet, nur schwer parallel leisten kann. In solchen Fällen seien die Eltern oft enttäuscht, dass ihre Kinder nicht die Pflege leisten, die vereinbart war. Das wiederum führt zu Wut und Überforderung bei den Kindern. Das Thema „Erben und Vererben“ kann also viele Schwierigkeiten verursachen. Auch wenn diese meist nicht so ausgefallen und spaßig sind wie im Film.

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