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Arbeitsmarkt

22.01.2019

Wegen Fachkräftemangels vorübergehend geschlossen

An der Ladentür der Metzgerei Böhm in der Hallgasse in Nördlingen hängt derzeit ein Schild: „Aus personellen Gründen bleibt unser Geschäft derzeit geschlossen.“ Der Betrieb findet keine Fachkraft, die die Metzgerei führen kann.
Bild: Julian Würzer

Plus Die Filiale der Metzgerei Böhm hat derzeit wegen Fachkräftemangels nicht geöffnet. Damit ist der Betrieb nicht allein. Liegt der Grund in der Arbeitslosenquote?

In der Metzgerei Böhm in Nördlingen gibt es gegenwärtig kein Fleisch und keine Wurst zu kaufen. An der Ladentüre hängt ein Schild: „Aus personellen Gründen bleibt unser Geschäft derzeit geschlossen.“ Seit Wochen sucht der Handwerksbetrieb nach einer Fachkraft, die in einer Vollzeitstelle die Filiale in der Hallgasse leitet. Stellenanzeigen auf der eigenen Internetseite oder Inserate blieben bislang erfolglos. Andrea Griese ist die Schwester des Chefs der Metzgerei Werner Böhm und kümmert sich um die Einteilung für den Standort in Nördlingen. Gegenüber unserer Zeitung sagt sie, dass es derzeit schwierig sei, Fachkräfte in dem Beruf zu finden. Nachwuchs könne seit Jahren nicht mehr ausgebildet werden, da keiner Metzger werden wolle.

Griese sagt, dass das Berufsbild des Metzgers zu unattraktiv sei, denn das Problem der fehlenden qualifizierten Arbeitnehmer gebe es nicht nur in Nördlingen, sondern auch in anderen Filialen, etwa in Bopfingen oder Aalen. Findet sie in den kommenden Wochen niemanden für den Job, dann wird das Geschäft in Nördlingen dauerhaft geschlossen, sagt Griese. Der Fachkräftemangel in der Region betrifft allerdings nicht nur Metzgereien, und das, obwohl der Arbeitsmarkt eigentlich gut aussieht. Oder gerade deshalb?

Arbeitslosenquote im Landkreis liegt bei 1,4 Prozent

Die Arbeitslosenquote im Landkreis lag im Dezember mit 1,4 Prozent auf einem der niedrigsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen. In realen Zahlen sind derzeit 1112 Menschen in der Region arbeitslos. Diese Zahlen teilt die Agentur für Arbeit Donauwörth mit. Laut Pressesprecherin Christine Jung haben Arbeitnehmer in der aktuellen Situation Vorteile auf dem Markt. Eine Fachkraft, die sich arbeitslos meldet, müsse nicht lange auf ein Berufsangebot warten. Betriebe hingegen, die nach solchen Arbeitern suchen, würden oft mehrere Monate niemanden finden.

Diese Erfahrung hat auch Stefan Kirchner gemacht. Er leitet einen Farben-Groß- und Einzelhandel in Nördlingen und sucht seit September nach einer Vollzeitkraft für seinen Betrieb. Er kann sich nicht erklären, warum er niemanden findet. Er passe die Bezahlung ständig an und zahle sogar übertariflich. Außerdem sagt er, dass auch das Betriebsklima gut sei und das Umfeld. Die Stadt sieht er auf einer Attraktivitätsskala im grünen Bereich.

Aufenthaltsqualität der Stadt löst das Problem nicht sofort

Die Stadt weiterzuentwickeln und auch für mögliche zuziehende Arbeitskräfte attraktiv zu gestalten, ist einer der Aufgaben des Stadtmarketingvereins Nördlingen. Die Leiterin der Geschäftsstelle, Susanne Vierkorn, sagt gegenüber den RN, dass die Basis für mögliche Fachkräfte eine Aufenthaltsqualität in der Stadt sei. Eben ein Ort, in dem es Spaß mache zu wohnen.

Lösen kann das Kirchners Problem allerdings nicht. Laut dem Geschäftsführer des Farben-Groß- und Einzelhandels würden viele mögliche Fachkräfte in die Industrie gehen, da sie dort besser bezahlt werden, unabhängig vom Wohnort. Deshalb bemüht sich Kirchner um eigenen Nachwuchs. Das sei für den Betrieb zwar mühsam, da der Auszubildende an vielen Tage wegen der Schule fehle, aber so könne er das Geschäft für die Zukunft gut aufstellen. Und dafür finde er auch Interessenten.

Ist die Industrie attraktiver?

Ein Blick in die beliebtesten Berufe bei Auszubildenden der Industrie und Handelskammer Schwaben zeigt, dass die Vermutung Kirchners, viele würden lieber in der Industrie arbeiten, nicht unbegründet ist. Auf Platz eins steht der Industriekaufmann. In den Top-Fünf kommt auch noch der Industriemechaniker vor. Mangelberufe seien hingegen künftige Fachkräfte in der Logistikbranche, etwa Berufskraftfahrer oder Auszubildende in der Gastronomie. Einen Artikel über den Fachkräftemangel in der Gastronomie lesen Sie hier: Wer will heute noch in der Gastronomie kochen?

Im Handwerk blickt man immerhin auf stabile Zahlen bei den Auszubildenden. Im Jahr 2013 gab es 297 neue Verträge, 2017 rund 30 mehr. Das teilt die Handwerkskammer Schwaben mit.

Der Metzgerei Böhm hilft das nicht für die Wiedereröffnung der Filiale in Nördlingen. Dazu bräuchten sie eben eine ausgebildete Fachkraft.

Einen Kommentar zum Fachkräftemangel lesen Sie hier: Fachkräftemangel: Lange und die IHK sollen es richten

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