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Wirtschaft
20.08.2019

Reimlinger Tor: Baustelle ärgert Kunden und Händler

Seit Ende März ist das Reimlinger Tor gesperrt. Was Verkehrsteilnehmer schlicht ärgert, wird für Geschäftsleute zunehmend zum Problem. Um rund 30 Prozent sei der Umsatz in seinem Geschäft zurückgegangen, sagt Rainer Wunderlich, Inhaber von Pöpperl, auf unserem Bild mit Ehefrau Barbara.
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Seit Ende März ist das Reimlinger Tor gesperrt. Was Verkehrsteilnehmer schlicht ärgert, wird für Geschäftsleute zunehmend zum Problem. Um rund 30 Prozent sei der Umsatz in seinem Geschäft zurückgegangen, sagt Rainer Wunderlich, Inhaber von Pöpperl, auf unserem Bild mit Ehefrau Barbara.
Foto: Szilvia Izsó

Seit rund fünf Monaten ist die Zufahrt zur Nördlinger Altstadt durch das Reimlinger Tor gesperrt. Die Geschäftsleute in der Reimlinger Straße kämpfen mit Umsatzeinbußen. Doch es gibt gute Nachrichten: Die Baustelle wird demnächst beendet.

Schon seit Ende März ist einer der fünf Zufahrtswege zur Nördlinger Altstadt gesperrt. Das Reimlinger Tor wird saniert, zudem werden unter anderem Schäden an der Brücke davor beseitigt.

Als die Stadt Nördlingen die Sperrung im Frühjahr ankündigte, da teilte sie mit, dass diese voraussichtlich bis Mitte Juli andauern werde. Nun ist der August bald vorbei und die Baustelle besteht immer noch – unter anderem deshalb, weil das alte Ziegelwerk unter der Brücke deutlich aufwendiger abgedichtet werden musste als zuvor vermutet (wir berichteten). Nicht nur das Tor, auch der Parkplatz davor und der kleine Durchgang für Fußgänger und Radler sind mittlerweile dicht. Manchen Verkehrsteilnehmer mag das schlicht ärgern, für Gewerbetreibende in der Reimlinger Straße hat die Baustelle gravierende Folgen.

Um 30 Prozent sei sein Umsatz mittlerweile zurückgegangen, berichtet Rainer Wunderlich, Inhaber des Geschäfts Pöpperl, das unter anderem Wäsche und Dessous anbietet. Grundsätzlich verstehe er zwar, dass es Baustellen geben müsse, sagt Wunderlich gegenüber den Rieser Nachrichten. Doch dass in den vergangenen 23 Jahren mindestens fünfmal gesperrt wurde – das gehe an die Belastungsgrenze. Wunderlich fordert: „Solche Dinge müssen zügiger durchgezogen werden.“

Kunden finden in Nördlingen keinen Parkplatz

Nicht das Internet sei die größte Gefahr für den Einzelhandel in Nördlingen, sagt Wunderlich. Viel mehr sei es die Verkehrssituation, er betont: „Wir leben auch vom Umland.“ Mancher Kunde komme statt einmal in der Woche nur noch einmal im Monat – und berichte dann, dass er dreimal in Nördlingen im Kreis herumgefahren sei, keinen Parkplatz gefunden habe und schließlich zu Hause die Ware im Internet bestellt habe. Vielleicht wüssten noch die Nördlinger, wo man einen versteckten Not-Stellplatz finde – doch das gelte nicht für alle Kunden. Und gerade Ältere täten sich schwer, ihre Sachen bis zum Döderlein-Parkplatz zu tragen, sagt der Geschäftsmann: „Die wollen möglichst nah ran.“ Wunderlich kritisiert auch, dass der Weg, den Fußgänger am Kindergarten vorbei nutzen sollten, schlecht ausgeschildert sei. Gerade Fremde täten sich da schwer.

Roland Kühn, Inhaber der Metzgerei Goschenhofer, berichtet, dass er deutlich weniger Kunden habe, seit die Straße gesperrt ist. Und noch weniger seien es, seit der Durchgang für Fußgänger und Radler auch noch dicht gemacht worden sei. Dazu kämen jetzt die ersten Buden fürs Stadtmauerfest, die weitere Parkplätze wegnähmen. Jeden Tag, so berichtet Kühn, schimpften die Kunden in der Metzgerei über die derzeitige Situation.

Unweit des Reimlinger Tors befindet sich der Laden „Tee & Korb“, Inhaberin ist Silvia Bach. Generell lebe man von der Stammkundschaft, sagt sie – doch seit auch der Parkplatz vor dem Tor und der kleine Durchgang gesperrt ist, spürt auch Bach die Konsequenzen. Laufkundschaft und Touristen kämen nur noch spärlich vorbei. Und so muss auch „Tee & Korb“ finanzielle Einbußen hinnehmen.

Reimlinger Straße war bereits mehrfach gesperrt

Dass die Einzelhändler sauer sind, kann Oberbürgermeister Hermann Faul verstehen. Zumal die Reimlinger Straße in der Vergangenheit tatsächlich mehrfach gesperrt gewesen sei – etwa nach einem Unfall, bei dem ein Lastwagen das Tor schwer beschädigt hatte. Außerdem handle es sich bei der Straße um die Hauptzufahrt in die Altstadt, von dort aus sei jedes Quartier gut erreichbar: „Es handelt sich um eine wesentliche Störung.“ Faul berichtet, dass er „stocksauer“ gewesen sei, als ihm mitgeteilt wurde, dass die Bauarbeiten noch bis 5. September andauern sollten: „Das geht gar nicht.“ Er habe Druck gemacht. Das Tor sei ab Freitag wieder frei, sagt Michael Bauhammer, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Nördlingen.

In der Drehergasse steht eine der nächsten Baustellen an

Immer wieder beschweren sich die Nördlinger und ihre Gäste über die zahlreichen Baustellen in der Stadt – kaum ist eine beendet, gibt es schon die nächste. Oberbürgermeister Faul entgegnet, dass die Stadt gezwungen sei, die Straßen, die Kanalisation und die Wasserversorgung in einem guten Zustand zu erhalten. Als nächstes müsse man an die Münzgasse und an die Henkergasse ran. Danach müssen sich die Verkehrsteilnehmer und Anwohner wohl auf eine Baustelle in der Drehergasse einstellen. Dort seien die Abwasserrohre nicht mehr rund, sondern oval – Wasser trete aus, Fremdwasser ein, sagt Faul. Der Kanal sei teils in die höchste Schadensklasse eingestuft worden: „Unser Kanalnetz ist schon sehr alt.“ Die Fahrzeuge seien mittlerweile deutlich schwerer: „Irgendwann bricht das zusammen.“ Dass es in Nördlingen immer wieder Baustellen gebe, spreche auch dafür, dass sich etwas tue – so gebe es auch Sperrungen, weil Häuser saniert würden.

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