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17.12.2018

Würdiges Denkmal für jüdisches Erbe

Die Steine deuten an, an welcher Stelle sich das jüdische Ritualbad vor der ehemaligen Synagoge in Hainsfarth befindet. Das Denkmal wird demnächst noch einmal umgebaut. 

Der Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth lässt die Mikwe noch einmal in Stand setzen. Was künftig für Besucher geboten werden soll.

Als in Hainsfarth die Hälfte der Bewohner jüdisch war, war das Tauchbaden für sie das wichtigste Ritual, um wieder rein vor Gott zu sein. Nicht nur vorrangig für die Frauen, auch für die Männer. Dazu gingen die Juden in Hainsfarth in die Mikwe und tauchten mehrmals unter. Das Brauchtum wird noch heute gelebt, wenn auch nicht in Hainsfarth. Umso wichtiger ist für den Freundeskreis der Synagoge, dass die Geschichte in dem Dorf im Nordries sichtbar bleibt. Das ist ein Grund, weshalb der Verein sich entschieden hat, das Denkmal der Mikwe noch einmal umzugestalten (wir berichteten).

„Die Öffentlichkeit soll wissen, was eine Mikwe ist“, sagt Sigried Atzmon als Vorsitzende stellvertretend für den Freundeskreis. Ein solches Denkmal sei zudem einzigartig in Nordschwaben. „Die Leute sollen verstehen, dass es sich nicht um eine Art Schwimmbad handelt, sondern um ein Ritualbad“, sagt sie weiter. Eine Informationstafel soll künftig darüber Auskunft geben, was noch alles zum Ritual dazugehört. Der Freundeskreis will zudem Führungen anbieten. Die Mikwe soll sich nach seinem Wunsch gut ins Ensemble mit ehemaliger Synagoge und jüdischer Schule einfügen.

Die erste Phase für die Umgestaltung des Mikwen-Denkmals in Hainsfarth ist abgeschlossen, wie die Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge sagt. Darin ging es um die Baugenehmigung und die Zustimmung der Gemeinde. Die wurde in einer früheren Sitzung dieses Jahres erteilt. Der Verein will für das Denkmal eine Summe im fünfstelligen Bereich aufwenden, die Gemeinde ist zumindest an diesen Kosten nicht beteiligt.

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Die Umbauarbeiten des aktuellen Denkmals werden der nächste Schritt sein. Bislang deuten nur Pflastersteine an, wo die Mikwe gefunden worden ist.

Verein startet einen Aufruf

Der Freundeskreis ist nach den anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen dankbar für die Unterstützung der Gemeinde. Nichtsdestotrotz braucht der Verein weiter Unterstützung und startet deshalb einen Aufruf: Der Freundeskreis der Synagoge ist immer auf der Suche nach freiwilligen Helfern für die Aufgaben in der Synagoge mit ihren vielen Projekten. Bürger müssen nicht zwingend aus Hainsfarth sein, sondern können auch aus den umliegenden Gemeinden stammen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Hainsfarth noch zum Besitz der Fürsten Oettingen-Spielberg gehörten, lebten in dem Ort rund 400 Juden. Wie der Freundeskreis der Synagoge auf seiner Homepage schreibt, war es sogar noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg gängig, Hainsfarth im Volksmund „Judendorf“ zu nennen. Das jüdische Erbe, dass die Vorfahren hinterlassen haben, soll würdig bewahrt werden.

Wie die Mikwe 2015 gefunden wurde, lesen Sie hier: Ein besonderer geschichtlicher Fund

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