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Geschichte

05.06.2016

Zur Erinnerung an ihr Leid

Am Freitag wurde eine Stele zur Erinnerung an das Leid der Sinti und Roma während der NS-Zeit enthüllt (von links): Oberbürgermeister Hermann Faul, Angela Bachmair, Anna Reinhardt und Erich Schneeberger.
Bild: Franziska Wolfinger

In Nördlingen wurde in der Judengasse eine Stele enthüllt. Sie soll ein Mahnmal für die Sinti und Roma sein, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden

In der Nördlinger Judengasse ist eine weitere Gedenkstele errichtet worden. Bisher erinnerte nur eine Stele an die jüdischen Bürger der Stadt, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Mit dem am Freitag eingeweihten Gedenkstein soll einer weiteren Bevölkerungsgruppe gedacht werden, die vom NS-Regime verfolgt wurde. Diese neue Stele ist ein Mahnmal für das Leid der Sinti und Roma während des Holocausts.

Der Anstoß zur Errichtung dieses Denkmals kam von der Holocaust-Überlebenden Anna Reinhardt. Die Autorin Angela Bachmair berichtet in dem 2014 erschienen Buch „Wir sind stolz, Zigeuner zu sein“ über das Schicksal ihrer Familie während der NS-Zeit. Zur Enthüllung der Stele am Freitag versammelten sich trotz des regnerischen Wetters etwa 50 Personen. Darunter befanden sich neben Vertretern aus Politik auch die der Firmen, die zur Finanzierung des Mahnmals beigetragen haben. Auch zahlreiche Mitglieder der Familie Reinhardt sowie die Autorin Angela Bachmair waren anwesend.

Oberbürgermeister Hermann Faul sagte, dass es gerade bei den zunehmenden Diskussionen und den aufstrebenden nationalistischen Parteien in vielen Ländern Europas unser aller Bestreben sein müsse, die unmenschlichen Verbrechen der Nazi-Diktatur nicht unter dem Mantel des Vergessens zu verstecken. Erich Schneeberger, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands deutscher Sinti und Roma, bedankte sich bei Anna Reinhardt für ihren Einsatz für das neue Mahnmal. Er erinnerte an die mehr als 500000 Sinti und Roma, die zwischen 1936 und 1945 Opfer des NS-Regimes wurden und betonte, wie wichtig es sei, das Andenken an diese Menschen wach zu halten. Angela Bachmair dankte in ihrer Ansprache der Stadt Nördlingen für die schnelle Umsetzung dieses Projekts. Als Autorin freue sie sich sehr darüber, dass sie mit ihrem Buch etwas zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus beitragen konnte, indem sie damit auch einen Impuls für die Errichtung des neuen Denkmals gegeben habe. Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl, der als Vertreter des Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert gekommen war, lobte die Stadt Nördlingen für ihr Engagement. Er kritisierte, dass die verfolgten Sinti und Roma bisher zu wenig Beachtung in der deutschen Erinnerungskultur an die Verbrechen der NS-Zeit erfahren haben und sieht in dem neuen Gedenkstein ein Zeichen, dass diese Bevölkerungsgruppe in Zukunft nicht mehr vergessen werde. Er stellte Nördlingen in eine Reihe mit Städten wie Würzburg oder Nürnberg, wo schon eine Auseinandersetzung mit diesem Thema stattgefunden habe. Alle Redner fanden lobende Worte für die Arbeit des Bopfinger Steinmetzes Oliver Hornung, der die Stele aus weißem Jurakalkstein gefertigt hatte. Oberbürgermeister Faul lobte den einfühlsamen Umgang Hornungs mit dem Thema. Der anschließende Sektempfang, der in der Anton-Jaumann-Stube der Stadtbibliothek Nördlingen stattfand, bot die Möglichkeit für Gespräche und weiteren Austausch unter den Anwesenden.

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