Nach der Uni ein gut bezahlter Job: So stellen sich das viele Studentinnen und Studenten vor. Eva Blain aber hat sich bewusst dagegen entschieden, nach ihrem Abschluss gleich als Bauingenieurin zu arbeiten. Die 24-Jährige packt jetzt erst einmal auf der Baustelle mit an – als Zimmerer-Auszubildende der Eigner Bauunternehmung GmbH aus Nördlingen. Für die Lehre nach dem Studium hat sich Eva Blain nach einschlägigen Erfahrungen auf so mancher Baustelle entschieden.
Fünf Jahre war die heute 24-Jährige alt, als ihre Eltern ein Haus bauten: "Das fand ich damals schon sehr interessant." Der Papa, selbst Ingenieur, nahm die kleine Tochter zudem immer wieder mit in seine Holzwerkstatt. Und so stand für die Regensburgerin schnell fest: Nach der Schule will sie Bauingenieurwesen studieren. Das Pauken der Theorie war dabei die eine Sache, die Praxissemester dagegen eine ganz andere. Während Eva den Stoff auswendig lernen konnte, stieß sie auf den Baustellen doch auf zumindest indirekte Ablehnung.
Nicht üblich, dass Frauen auf dem Bau arbeiten
Da wurde Eva nur mit "ja, ja" geantwortet – und hinterher der Chef angerufen, ob das denn so stimme, was die junge Frau da erzähle. "Das hat mich schon geärgert", meint die 24-Jährige. Noch unangenehmer war es für sie allerdings, wenn die Bauarbeiter in ihrer Sprache über sie redeten – während Eva daneben stand: "Ich wusste, da geht es um mich." Auf der anderen Seite zeigt Eva aber auch Verständnis: Viele Handwerker seien eben älter, in dieser Generation sei es nicht üblich gewesen, dass Frauen auf dem Bau arbeiten.
Tatsächlich sei das selten, stimmt Werner Luther, Geschäftsführer der Eigner Bauunternehmung, zu. Als er selbst vor rund 40 Jahren Bauingenieurwesen studiert habe, seien gerade einmal fünf der 200 Studenten Frauen gewesen. Doch Luther erinnert sich auch an eine deutsche Vizemeisterin der Zimmerer, bei der Eigner Bauunternehmung arbeite eine junge Bauleiterin. Und als der Geschäftsführer Eva Blains Bewerbung gesehen hat, da dachte er sich: "Das ist etwas ganz besonderes, dass jemand erst studiert und dann eine Lehre macht."
Theorie und Praxis: Das Dach einer Kirche
Zu der hat sich die 24-Jährige entschlossen, damit sie nicht nur in der Theorie weiß, wie etwas funktioniert. Zum Beispiel ein Dach: Im ersten Semester habe sie in der Baukonstruktion sehr wohl gelernt, wie ein Dach aufgebaut wird: "Nur vorstellen konnte ich es mir nicht." Alles, was für die Prüfung notwendig war, habe sie deshalb "stur auswendig gelernt". Jetzt, als Zimmerer-Auszubildende, habe sie auf einer Baustelle der Eigner Bauunternehmung in Friedberg mitgearbeitet. Dort wurde das Dach abgedeckt: "Jetzt habe ich das gesehen, wie das aussieht."
"Das ist eine Kirchenbaustelle", erklärt Luther, dort sehe man sehr gut, wie die alten Baumeister gearbeitet haben. Weil das Nördlinger Unternehmen viele Altbausanierungen macht, hat sich Eva Blain auch für die Eigner Bauunternehmung entschieden. Denn im Industriebau werde ja alles "wie bei Lego" zusammengesetzt – und am Ende würde sie dann wieder nicht wissen, wie es wirklich gehe. Die 24-Jährige ist begeistert davon, wie sie im Nördlinger Unternehmen von den Kollegen aufgenommen wurde: "Ich wurde direkt voll mit eingespannt."
"Ich finde das toll, wenn eine junge Frau diesen Schritt wagt", sagt Werner Luther. Er befürwortet es, wenn mehr Frauen in handwerklichen Berufen arbeiten. Nicht zuletzt, weil es mit Frauen im Team ein anderes, angenehmeres Arbeiten sei. Frauen seien eben nicht nur in technischen Dingen gut, sondern auch in Sachen Kommunikation: "Da kommt man schneller zum Ergebnis."