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15.01.2019

15. Januar 2009: Als Pilot "Sully" auf dem Hudson River landete

Der Airbus A320 der Fluggesellschaft US Airways nach seiner Notwasserung am 15. Januar 2009 auf dem Hudson River vor Manhattan, New York.
Bild: Justin Lane, dpa (Archiv)

Der Pilot wird in den USA wie ein Held verehrt. Ihm gelang es 2009, einen Airbus in New York notzuwassern. Über dramatische Minuten und was danach geschah.

Kurz vor der Zwischenwahl in den USA brach es aus „Sully“ heraus. Er beklagte den Verfall der politischen Kultur und die Korruptheit der Führung in Washington. „Die Leute in Machtpositionen handeln heute gegen die Interessen der USA, unserer Verbündeten und der Demokratie, und sie gefährden die Bewohnbarkeit unseres Planeten. Dies ist nicht das Amerika, das ich kenne und liebe.“

Chesley „Sully“ Sullenbergers Wort hat Gewicht in den USA. Weil der 1951 geborene Texaner von Amerikanern aus dem gesamten politischen Spektrum verehrt wird. Und weil nichts an dem Piloten des US-Airways-Flugs 1549 auch nur im Ansatz „links“ wäre. Chesley Sullenberger, dessen Heldentat inzwischen mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt und nach dem ein Asteroid benannt wurde, hatte am 15. Januar 2009 einen Airbus A320 auf dem Hudson River mitten in New York notgewassert.

Chesley "Sully" Sullenberger landete auf dem Hudson River

Rückblick: Der 15. Januar 2009 begann für Sullenberger wie ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag. Kurz nach 13 Uhr meldete er sich am La Guardia Flughafen im New Yorker Stadtteil Queens zum Dienst, um einen Airbus zu übernehmen, den er nach Seattle bringen sollte. Nach 30 Dienstjahren und beinahe 20000 Flugstunden eine reine Routineangelegenheit. Er holte sich am Kiosk im Terminal 2 noch ein Sandwich, dann ging er an Bord, begrüßte seinen Co-Piloten Jeff Skiles und machte die Maschine startklar. Um 15.24 Uhr bekam er aus dem Tower die Meldung „Ready for Takeoff“.

Nationalheld Chesley „Sully“ Sullenberger.
Bild: Monica Davey, dpa

Zwei Minuten später schwebte der Airbus an einem glasklaren Wintertag über der Metropole. „Was für ein Ausblick“, raunte Sullenberger seinem Co-Piloten zu. Keine 30 Sekunden später sind auf der Tonaufzeichnung aus dem Cockpit jene dumpfen Einschläge zu hören, die dem Flug beinahe zum Verhängnis wurden. Sieben Sekunden lang hört man, wie die Körper eines Schwarms kanadischer Gänse gegen das Cockpit prallen. Dann hört man Sullenberger lakonisch das Wort „Birds“ in das Bordmikrofon sprechen. „Vögel.“ Skiles antwortet nur: „Wow“.

Die Aufzeichnung der folgenden drei Minuten sind das Protokoll einer fast schon unheimlichen Professionalität. Klar und gelassen traf Sullenberger Entscheidungen, die eine Katastrophe verhinderten.

Um 15:27:21 Uhr sagt Sully seinem Co-Piloten: „My airplane“. Mein Flugzeug. Skiles bestätigt: „Your airplane“ und überlässt Sully das Ruder. Dann versucht er beide ausgefallen Motoren zu starten. Um 15:27:46 Uhr dann die Meldung an seinen Co-Piloten: „Two two zero“ und der Notruf an den Tower: „Beide Motoren ausgefallen, müssen zurück nach La Guardia.“

Um 15:28:05 Uhr ändert Sullenberger seine Meinung, sagt dem Tower: „Sieht so aus, als würden wir im Hudson landen.“

Es wird gespenstisch ruhig im Cockpit. Während er das Flugzeug, das pro Minute 300 Meter an Höhe verliert, darauf vorbereitet, auf das Eiswasser des Hudson segeln zu lassen, hört man nur noch technische Anweisungen. „Hochziehen, hochziehen, hochziehen“ etwa.

15:30:23 Uhr: „Achtung Boden.“ 15:30:38 Uhr: „Wir schlagen auf.“ 15:30:41 Uhr: „30 Fuß.“ Stille.

Innerhalb von Minuten wurde "Sully" zum US-Helden

Spaziergänger am Manhattaner Westufer filmen mit ihren Handys, wie der Airbus um 15:31 Uhr beinahe sanft auf dem Bauch über die eisige Wasseroberfläche gleitet. Im Flugzeug feiern 155 Menschen ihr Überleben. Sullenberger weist das Personal an, die Menschen geordnet von Bord zu holen. Als das frostige Wasser schon hüfttief im Flugzeug steht, watet er noch zwei Mal durch die Maschine, um sicherzugehen, dass niemand mehr da ist. Erst dann springt auch er auf die Rutsche, an die bereits Fährkapitäne angelegt haben.

Es dauert nur Minuten, bis Sully berühmt ist. Schon als ein Rettungsschiff anlegt, sind Kamerateams vor Ort, der Bürgermeister und der Gouverneur wollen ihn sprechen. Am Abend kennt das ganze Land den Namen „Sully“. In den Wochen darauf zieht er von Talkshow zu Talkshow. Der noch amtierende US-Präsident George W. Bush ruft ihn an, der frisch gewählte neue Präsident Barack Obama lädt ihn und seine Crew zu seiner Amtseinführung in Washington ein.

Mehr als einmal hört man damals, dass das „Wunder vom Hudson“ die erste gute Nachricht seit langem sei. Die USA stecken in einer Wirtschaftskrise, Sully scheint das politisch zunehmend gespaltene Land zu einen. Er steht für Pflichtgefühl, Integrität, Selbstlosigkeit. Und die Art und Weise, wie er seinen Ruhm seit zehn Jahren einsetzt, untermauert das. Der Rummel um seine Person habe ihm nie so richtig behagt, sagte er einmal. Was damals über ihn hereingebrochen sei, empfinde er als noch traumatischer als seine sensationelle Notwasserung.

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