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Corona-Krise

11.05.2020

An der Grenze: Nach vier Wochen darf sich Familie Riedl wieder umarmen

Wiedersehen nach vier Wochen Trennung: Wegen Corona wurden die Grenzen zwischen Deutschland und der Schweiz geschlossen. Sabrina Riedl sah ihre Tochter lange nicht.
Bild: privat/Südkurier

Plus Ganze vier Wochen lang durften sich Vater und Tochter nicht sehen - die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland trennte sie. Wie die Familie das erlebt hat.

Der Vater und seine Frau in der Schweiz, die zehnjährige Tochter aufgrund der geschlossenen Grenze unerreichbar in Deutschland: Eine extrem belastende Zeit liegt hinter Familie Riedl. Die Eltern kämpften, wie viele andere auch, um eine Lösung. Dank einer Änderung der Schweizer Bestimmungen kann das Familienleben nun weitergehen.

Grenze zu: Deutsch-Schweizer Familie lebt wegen Corona vier Wochen getrennt

„Der Moment war so unbeschreiblich schön!“: Sabrina Riedl ist die Erleichterung deutlich anzuhören, als sie über das erste Wiedersehen mit ihrer zehnjährigen Stieftochter seit der Grenzschließung spricht. Das war am 18. April an einem Grenzübergang am Hochrhein. Sabrina Riedl hatte die Tochter ihres Mannes Maik zu diesem Zeitpunkt seit vier Wochen nicht mehr gesehen und sehr darunter gelitten. Nun sagt sie: „Wir sind so sehr erleichtert und überglücklich, dass wir uns als Familie nun endlich wiederhaben!“

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Maik Riedl (Deutscher Staatsbürger mit Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz) lebt mit seiner Frau Sabrina (Schweizer Staatsbürgerin) und der gemeinsamen acht Monate alten Tochter in Bad Zurzach in der Schweiz, direkt an der Grenze zu Deutschland. Auf deutscher Seite des Hochrheins, und für ihn mit dem Fahrrad in rund 30 Minuten zu erreichen, lebt Maik Riedls zehnjährige Tochter bei seiner Ex-Partnerin in Lauchringen. Am 16. März 2020 wird die Grenze geschlossen und die Familie voneinander getrennt.

„Wir sind so froh, dass dies nun vorbei ist“, sagt Sabrina Riedl. Die ersten Worte der Zehnjährigen, als sie ihrer Stiefmutter in den Armen lag? „Sie flüsterte mir ins Ohr: ‚Ich habe so Angst gehabt, dass ich euch niemals wieder sehe‘“, erinnert sich Sabrina Riedl.

Maik Riedl lebt mit seiner Frau Sabrina in der Schweiz. Seine zehnjährige Tochter aber lebt bei Maiks Ex-Partnerin in Deutschland.
Bild: privat/Südkurier

Wie eine Familie unter der Grenzschließung wegen Corona leiden musste

Mitte April lag dieser Moment noch in weiter Ferne. Keine Ausnahmen für Besuche, auch nicht im Fall von minderjährigen Kindern, waren vorgesehen. Maik Riedl und seine Ehefrau Sabrina litten sehr unter der Situation, die Tochter nicht sehen zu dürfen.

Am 10. April musste Maik Riedl sogar ein Bußgeld von 100 Franken zahlen, als er von einem – in dieser Konstellation damals bereits regelkonformen – Besuch bei seiner Tochter in Lauchringen in die Schweiz zurückkehrte. Die Eltern starteten daraufhin unter anderem eine Online-Petition, die viel Aufmerksamkeit fand.

„Es ist verrückt: Über so viele Jahre war die Grenze praktisch nicht existent, der Zugang zum Nachbarland völlig selbstverständlich und niemand konnte es sich anders vorstellen“, beschreibt Sabrina Riedl. Einige Tage später, am 17. April, lockerte die Schweiz die strikten Besuchsverbote etwas und der Besuch von minderjährigen Kindern aus Deutschland bei ihren in der Schweiz lebenden Eltern wurde erlaubt.

So erlebte Familie Riedl nach vier Wochen Trennung das Wiedersehen

Für Familie Riedl die lang ersehnte Nachricht und am 18. April kam es dann zum Wiedersehen: „Mein Mann, unsere kleine Tochter und ich sind über den Grenzübergang und seine Tochter wartete auf der deutschen Seite auf dem Parkplatz.“ Sabrina Riedl ist selbst Schweizerin, wurde ihr der Grenzübertritt an diesem Tag versagt? „Nein, als mein Mann mit dem jungen Zöllner geklärt hatte, dass wir unsere Tochter abholen, war es gar kein Problem, dass ich ihn begleiten durfte. Es sind ja auch nur wenige Meter.“

Die Familie hat ihre ursprüngliche Besuchsregelung nun etwas angepasst und die Tochter aus Deutschland ist nun jede Woche mehrere Tage am Stück bei ihrem Vater in der Schweiz. Die Erfahrung die hinter der Familie liegt, hat Sabrina Riedl nachdenklich gemacht. Viel habe sie in den vergangenen Tagen mit der Zehnjährigen gesprochen und es steht für sie außer Frage: „Die Kinder bekommen sehr viel mit und sie machen sich ihre eigenen Gedanken.“ Vor allem die Ängste – ob begründet oder nicht – seien aus ihrer Sicht nicht zu unterschätzen.

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